Zahlen und Fakten
Frauen verdienen überall in Europa und in Deutschland deutlich weniger als Männer. Die unbereinigte Lohnlücke liegt in Europa bei 16,4 Prozent (2010), in Deutschland bei 23,1 Prozent (2010) und in Bayern bei 23,4 Prozent (2010). Erfasst ist dabei der prozentuale Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen zu dem der Männer. Die unbereinigte Lohnlücke ist u. a. deshalb vergleichsweise hoch, weil Unterschiede wie Berufswahl, Position, Ausbildung und Beschäftigungsform (Vollzeit / Teilzeit) nicht berücksichtigt werden.
Die bereinigte Lohnlücke hingegen ist das Ergebnis aus dem Vergleich von Löhnen von Frauen und Männern mit denselben, individuellen Merkmalen wie gleicher Beruf, gleiche Branche, gleiche Beschäftigungsform. Diese beträgt in Deutschland 8 Prozent.
Ursachen der Entgeltungleichheit
Die bestehenden Ungleichheiten lassen sich insbesondere auf drei Ursachen zurückführen:
- Geschlechtsspezifische Trennlinien am Arbeitsmarkt: Frauen fehlen in bestimmten Berufen, Branchen und auf höheren Stufen der Karriereleiter (horizontale und vertikale Segregation).
- Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt häufiger und länger als Männer.
- Kollektive und auch individuelle Lohnverhandlungen konnten die schlechtere Bewertung typischer Frauenberufe bislang nicht überwinden.
Die Lohnunterschiede beruhen zu gut zwei Drittel auf feststellbaren und strukturellen Faktoren wie Bildung, Berufserfahrung oder Kinderzahl. Der Rest der Lohnlücke beruht auf nicht sicher bestimmbaren Faktoren. Dazu gehören mit großer Wahrscheinlichkeit auch diskriminierend wirkende Mechanismen auf dem Arbeitsmarkt, die für Frauen zu Abschlägen beim Verdienst führen.
Maßnahmen der Bayerischen Staatsregierung zur Überwindung der Entgeltungleichheit
Entgeltgleichheit ist ein Indikator für Gleichstellung. Deshalb ist die Überwindung der Entgel-tungleichheit ein zentrales Anliegen der Frauen- und Gleichstellungspolitik. Die Verringerung der Entgeltungleichheit kann nur gelingen, wenn die verschiedenen Ursachen angemessen angegangen werden. Erfolge setzen dabei das Zusammenwirken aller Akteure voraus: Politik, Tarifpartner, Arbeitgeber, Arbeitnehmerinnen und Verbände.
Ursachenkomplex horizontale und vertikale Segregation des Arbeitsmarktes
Die Bayerische Staatsregierung trägt im Rahmen ihrer Gleichstellungspolitik maßgeblich dazu bei, das Berufswahlspektrum von Frauen und Männern zu erweitern:
- Die Bayerische Staatsregierung veranstaltet Fachtagungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Schule, Wirtschaft, Hochschule und Gleichstellung zur geschlechtsspezifischen Berufswahl, wie zum Beispiel „Fachkräfte der Zukunft – Berufswahl von Mädchen und Buben“ und „MINT – Jungen sind besser. Mädchen auch!“.
- Um Schülerinnen und Schüler gezielt über untypische Berufsfelder zu informieren, unterstützt die Bayerische Staatsregierung außerdem die Aktionen "Girls'Day - Mädchen Zukunftstag" (www.girls-day.de)und "Boys'Day - Jungen Zukunftstag" (www.boys-day.de).
- Bei der Wahl ihres Berufes sollen junge Menschen sich nicht von Vorurteilen wie "typisch Mädchen" oder "typisch Junge" leiten lassen, sondern sich nach ihren persönlichen Interessen und Begabungen entscheiden. Beim Jugend-Wettbewerb "Rollenbrecher" (www.rollenbrecher.de) setzen sich Schülerinnen und Schüler mit diesem Thema auseinander.
Ursachenkomplex familienbedingte Erwerbsunterbrechungen
Es ist erklärtes Ziel der Bayerischen Staatsregierung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf optimal zu unterstützen. Dazu dienen insbesondere die folgenden Maßnahmen:
- Der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote insbesondere für die unter Dreijährigen hat in Bayern oberste Priorität. Der Freistaat Bayern unterstützt die dafür zuständigen Kommunen beim Ausbau der Betreuungslandschaft, um den ab 1. August 2013 geltenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr auch tatsächlich einlösen zu können. Denn nur wenn ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot vorhanden ist, haben Familien eine echte Chance, den von ihnen gewählten Lebensentwurf auch Realität werden zu lassen. Dabei geht es nicht nur um Platzzahlen und Bedarfslagen, sondern nicht zuletzt auch um Qualität. Kinderbetreuung ist Vertrauenssache und erfordert einen Gleichklang von Bildung, Erziehung und Betreuung. Bayern setzt sowohl beim Ausbau als auch bei der Qualität bundesweit Maßstäbe.
- Durch die Internet-Plattform „eff - effizient familienbewusst führen“ (www.eff-portal.de) werden Führungskräfte und Personalverantwortliche sensibilisiert, da deren Agieren für die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens entscheidend verantwortlich ist.
- Die Staatsregierung unterstützt außerdem Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf nach familiär bedingten Unterbrechungen. So werden bayernweit berufliche Beratungsstellen für Frauen sowie Orientierungsseminare "Neuer Start" gefördert.
Ursachenkomplex Lohnfindung
In diesem Ursachenkomplex geht es darum, wie Arbeitsentgelte zustande kommen und festgelegt werden. Die Bayerische Staatsregierung hat hier bis auf den öffentlichen Dienst keine direkten Regelungsmöglichkeiten – dies ist ausschließliches Tätigkeitsfeld der Tarifpartner. Die Tarifparteien, Arbeitgeber und Gewerkschaften sowie Betriebs- und Personalräte sind gefragt, geschlechtergerechte und transparente Vergütungssysteme zu entwickeln. Die Bewertung von Tätigkeiten im Sozialsektor muss geprüft und eventuell aufgewertet werden. Bei individuellen Vergütungsregelungen tragen Unternehmen die Verantwortung, Frauen in Sachen Entgelt nicht zu diskriminieren.
Durch Öffentlichkeitsarbeit soll ein Umdenken in der Gesellschaft befördert werden. Exemplarisch steht hierfür der Kinospot „Schluss mit dem Unsinn“ (2008), der die Gehaltsdifferenz zwischen Frauen und Männern zum Thema macht.