Was ist Inklusion?
Unter „Inklusion“ ist die Wertschätzung der Verschiedenheit menschlichen Lebens, individueller Unterschiede der Kinder und Familien sowie ihre soziale und kulturelle Vielfalt zu verstehen. Zentrale Prinzipien für den Umgang mit individuellen Unterschieden und soziokultureller Vielfalt sind dabei soziale Integration, individuelle Begleitung und kulturelle Offenheit.
Was bedeutet dies praktisch für die Kinderbetreuung in Einrichtungen und in der Tagespflege?
Kein Kind wird ausgeschlossen, alle Kinder werden gleichermaßen wahr- und angenommen. Nicht das Kind muss bestimmte Kriterien erfüllen, um in die Einrichtung aufgenommen zu werden, sondern die Institution muss sich öffnen und sich darauf einstellen, Kinder in all ihrer Verschiedenheit (kulturelle Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Alter, Sprache, mit und ohne Behinderung u.s.w.) aufzunehmen. Inklusion ist dabei ein Idealzustand, den es gilt, sich sukzessive anzunähern. Sie lässt sich nicht von heute auf morgen erreichen. Notwendig ist ein gesellschaftlicher Umdenkungsprozess auf allen Ebenen. Bayern macht sich auf den Weg hin zu einer inklusiven Gesellschaft und einer inklusiven Bildung auf allen Ebenen, begonnen in der frühesten Kindheit. Hierzu zählt der Entwurf eines Aktionsplans zur Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen von Menschen, den die Bayerische Staatsregierung am 3. Mai 2011 vorgelegt hat.
Was beinhaltet inklusive Pädagogik in Kindertageseinrichtungen?
Kinder haben das Recht auf bestmögliche Bildung. Alle Verantwortlichen haben die Pflicht, dies für alle Kinder möglich zu machen. Kinder mit Behinderung (oder mit anderen speziellen Bedürfnissen) sollen von Anfang an mit dabei sein können. Voraussetzung dafür ist die Offenheit des pädagogischen Personals von Kindertageseinrichtungen und die Anpassung der pädagogischen Arbeit an die Erfordernisse von Kindern mit Behinderung.
Gelingt es dem Team auf ihre besonderen Bedürfnisse einzugehen, wird inklusive Pädagogik allen Kindern gerecht und jedes einzelne Kind wird als Bereicherung empfunden. Inklusion in Kindertageseinrichtungen kann sich nur in intensiver Zusammenarbeit mit Eltern und Fachdiensten entwickeln. Mithilfe eines solchen fachlichen Austausches können Bildungsangebote unter Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Kinder geplant und personelle, räumliche wie materielle Ausstattung entsprechend angepasst werden.
Pädagogische Fachkräfte mit unterschiedlicher fachlicher Spezialisierung können in multiprofessionellen Teams die Entwicklung der inklusiven Pädagogik unterstützen.
Inklusion im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan (BayBEP)
Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan (BayBEP) sieht die individuellen Unterschiede der Kinder als Chance und Bereicherung: Die soziale und kulturelle Vielfalt der Kinder und Familien bieten Lernchancen für jedes einzelne Kind. Alle Kindertageseinrichtungen sind in der Verantwortung, „sozialer Ausgrenzung angemessen zu begegnen und allen Kindern faire, gleiche und gemeinsame Lern- und Entwicklungschancen zu bieten.“ (BEP, Kap. 2.8, S. 33).
In Gruppen von Kindern mit unterschiedlichen Interessen, Stärken und Sichtweisen entsteht ein für alle gewinnbringender Lernprozess in der gemeinsamen inhaltlichen Auseinandersetzung mit Themen. Dieser Bildungsansatz der Ko-Konstruktion bietet den optimalen Rahmen, eine inklusive Pädagogik mit Leben zu füllen. Zugleich erkennen die Kinder, dass sie zusammen mehr erreichen als jeder für sich allein. Wenn das Verständnis von Inklusion gemeinsam mit Eltern entwickelt wird und sie von vornherein an der Umsetzung von Inklusion beteiligt werden, dann profitieren pädagogische Fachkräfte, Kinder und Eltern. So können Eltern im Sinne einer engen Bildungs- und Erziehungspartnerschaft die Entwicklung dieser Werte so früh wie möglich auch in der Familie unterstützen.