- B. Handlungsfelder der Jugendarbeit und der Jugendhilfe -
2. Förderung der Erziehung in der Familie
Die Familie ist nach wie vor der wichtigste Ort für die Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Wie keine andere Institution bietet sie jungen Menschen die nötige Sicherheit und emotionale Geborgenheit. Kennzeichnend für die aktuelle Situation der Familie sind insbesondere folgende Entwicklungen:
- Die Kernfamilie ist trotz steigender Scheidungsrate die überwiegende Lebensform von Familien mit minderjährigen Kindern. 90 % der Kinder wachsen in Familien mit Mutter und Vater auf; der Anteil an Stieffamilien daran ist verhältnismäßig gering. Nur 10 % der Kinder leben in Ein-Eltern-Familien oder nichtehelichen Lebensgemeinschaften der Eltern. Die Zahl dieser Familienformen wächst jedoch. Trennung und Scheidung oder die Entscheidung, keine Ehe eingehen zu wollen, sind die Ursachen.
- Gesunken ist aufgrund des Geburtenrückgangs nicht nur die Zahl der Familien-Haushalte mit minderjährigen Kindern, auch der Trend zur Ein-Kind-Familie setzt sich fort. Jedes dritte Kind wächst heute als Einzelkind auf.
- Das Aufwachsen in Ein-Kind-, vor allem aber in Scheidungs- und Stieffamilien ist mit Problematiken für die Entwicklung der betroffenen Kinder verbunden. Einzelkinder haben kindbezogene Erwartungen der Eltern allein zu erfüllen. Bei Elternkonflikten erfahren sie keine Entlastung und Unterstützung durch Geschwister. Scheidungskinder leiden unter der Trennung ihrer Eltern und reagieren darauf vielfach mit Verhaltensauffälligkeiten. Das erweiterte Beziehungsgeflecht von Stieffamilien erfordert hohe Anpassungsleistungen von Kindern wie von Erwachsenen.
- Die familiären Erziehungsstile haben sich verändert. Erziehung zu Selbständigkeit und freier Willensbildung durch Überzeugung ist heute vorherrschend.
- Immer stärker spielen Medien als zumindest wichtige Miterzieher eine Rolle; gleichzeitig nimmt die frühere Miterziehung durch das soziale Umfeld ab.
- Häufigere Berufstätigkeit beider Elternteile und damit die Notwendigkeit, Aufgaben in Beruf und Familie zu vereinbaren, erfordern vermehrt Angebote geeigneter Kindertagesbetreuung.
- Von Arbeitslosigkeit und geringem Einkommen sind zunehmend auch Familien mit minderjährigen Kindern betroffen. Der Anteil der Ein-Eltern-, der kinderreichen und ausländischen Familien sowie der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Familien unter den Sozialhilfeempfängern ist besorgniserregend. Eine ungünstige ökonomische Situation beeinträchtigt aber die elterliche Erziehungskraft und die Entwicklungs- und Entfaltungschancen von Kindern und Jugendlichen.
Die Politik ist gefordert, auf solche Entwicklungen stärker einzugehen. Ihre Aufgabe ist es, generell die Rahmenbedingungen zu verbessern, die für die Situation der Familie, die Erziehungsfähigkeit der Familie und die Entwicklung junger Menschen in der Familie förderlich sind.
Gleichzeitig sind für individuelle Probleme Beratungs- und Hilfeangebote für Familien und Kinder jetzt wie auch in Zukunft unverzichtbar.
Die Staatsregierung unterstützt deshalb Angebote der Familienberatung, Familienbildung und Familienfreizeit und -erholung sowie Hilfen für Alleinerziehende.
2.1 Familienberatung
2.2 Familienbildung
2.3 Familienfreizeit und -erholung
2.4 Erholungsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche
2.5 Familien- und Mütterzentren
2.6 Hilfen für Alleinerziehende
<< 1.7 Förderung von Institutionen auf Landesebene
2.1 Familienberatung >>
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