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Bedeutung und Entwicklung der Vorkurse
Sprachliche Bildung ist ein ganz wesentlicher Aspekt des Bildungsauftrags und der Integrationsleistung von Kindertageseinrichtung und Schule. Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen, haben zu Hause nicht immer ausreichend Möglichkeit, Deutsch zu hören und zu sprechen. Eine frühzeitige gezielte Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache bereits in den Jahren vor der Einschulung ist für sie von ganz besonderer Bedeutung. Für diese Kinder ist es, wenn sie in die Schule kommen, "grundlegend, - neben der Muttersprache - auch die deutsche Alltagssprache gut zu beherrschen. Sie ist die Voraussetzung für das Erlernen von Lesen und Schreiben und damit für weitere Bildungserfolge." (BayBEP, S. 38).
Einen wichtigen Beitrag dazu, dass diese Kinder später am Grundschulunterricht erfolgreich teilnehmen können, leisten die Vorkurse Deutsch. Der "Vorkurs Deutsch" wurde in Bayern im Schuljahr 2001/02 erstmals eingeführt in Form einer 40-stündigen Deutschförderung, die in den Grundschulen zwischen Mai und Juli vor der Einschulung stattfand. Durch Beschlüsse des Ministerrats wurde diese Maßnahme seitdem zweimal zeitlich ausgeweitet und zwar
- ab dem Schuljahr 2005/06 auf 160 Stunden und
- ab dem Schuljahr 2008/09 auf 240 Stunden.
Mit dieser Ausweitung einher ging die Entscheidung, dass die Vorkurse zu gleichen Anteilen von pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen und von Grundschullehrkräften in Kooperation durchgeführt werden. In Kindertageseinrichtungen beginnen die Vorkurse bereit im vorletzten Jahr in der Kindertageseinrichtung, die Grundschule tritt als Kooperationspartner zu Beginn des letzten Jahres mit ein.
Steigende Zahl der an Vorkursen teilnehmenden Kinder
Welche Kinder unter welchen Bedingungen am Vorkurs Deutsch teilnehmen, ist in § 5 der Ausführungsverordnung des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (AVBayKiBiG) geregelt:
- Kinder, deren beide Elternteile nicht-deutschsprachiger Herkunft sind (auch Spätaussiedler)
- Feststellung eines besonderen Sprachförderbedarfs durch die zuständige pädagogische Fachkraft im vorletzten Kindergartenjahr vor der Einschulung mit Hilfe des Beobachtungsbogens zur Erfassung der sprachlichen Entwicklung "Sismik" (Teil 2, Sprache im engeren Sinne) - "Sismik" steht für Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen
Nach aktuellen Vollerhebungen hat die Anzahl der Vorkurse in Bayern und die Anzahl der Kinder, die daran teilnehmen, über die letzten Jahre hinweg kontinuierlich zugenommen.
- Im Schuljahr 2001/02 gab es 60 Kurse mit insgesamt 550 Kindern,
- im Schuljahr 2009/10 waren es bereits 2262 Vorkurse mit 17.562 Kindern, an deren Durchführung circa 2500 Kindertageseinrichtungen und rund 1050 Grundschulen beteiligt waren. (Quelle: Amtliche Schuldaten ADS)
Fortbildungskampagne
Um pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte bei der Durchführung der Vorkurse zu unterstützen und die Effektivität der Maßnahme weiter zu verbessern, führen das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (StMAS) und das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) ab dem Kindergarten- bzw. Schuljahr 2010/2011 gemeinsam die Fortbildungskampagne "Vorkurse Deutsch 240" durch. Die Fortbildungskampagne ist ein Kooperationsprojekt, an dem folgende Institutionen beteiligt sind:
- Mit der fachlichen Koordination und der Evaluation der Kampagne wurden das Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) und das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) betraut.
- Die Regierungen (Fachberatung für Kindertageseinrichtungen) sind mit der Koordinierung der lokalen Fortbildungsveranstaltungen betraut.
- Die Zuständigkeit und Verantwortung für die Fortbildungskampagne "Vorkurse Deutsch 240" obliegt vor Ort den Jugendämtern in Kooperation mit den Schulämtern. Dies betrifft insbesondere die Planung, Organisation und Umsetzung der Kampagne.
- Anders als bei den bisherigen Kampagnen ist bei der Fortbildungskampagne "Vorkurse Deutsch 240" kein Spitzenverband beteiligt.
Die Fortbildungskampagne wurde von den beteiligten Ministerien und Staatsinstituten so konzipiert, dass sie den Wunsch der Praxis nach einem intensiveren Institutionen übergreifenden Austausch aufgreift und zugleich die Fach- und Lehrkräfte in ihren Abstimmungsprozessen bei der Konzeption, Organisation, Durchführung und Reflexion der Vorkurse Deutsch stärkt.
Einsatz von 16 Referenten-Tandems
Die Fortbildungen werden von insgesamt 16 Referenten-Tandems bayernweit durchgeführt. Diese bestehen jeweils aus
- einer Referentin für die Kindertageseinrichtungsseite (Sprachberaterin) und
- einer Referentin bzw. einen Referenten für die Schulseite (Fachbetreuer/in Deutsch als Zweitsprache oder Grundschullehrkraft mit DaZ-Ausbildung).
Die Referenten-Tandems werden in der Regel auf Regierungsbezirksebene tätig. Für München, Nürnberg, Augsburg und Würzburg kommen eigene Tandems zum Einsatz.
- Oberbayern 2 Tandems - München 3 Tandems
- Niederbayern 1 Tandem
- Oberpfalz 1 Tandem
- Oberfranken 1 Tandem
- Mittelfranken 1 Tandem - Nürnberg 2 Tandems
- Unterfranken 1 Tandem - Würzburg 1 Tandem
- Schwaben 1 Tandem - Augsburg 2 Tandems
Die 16 Referenten-Tandems wurden im Juni 2010 in der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen für diese Fortbildungstätigkeit qualifiziert. Sie werden während der Laufzeit der Kampagne fachlich begleitet durch IFP und ISB.
Eckpunkte der Fortbildungsveranstaltungen vor Ort
Adressatenkreis
- Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen (Kindergarten, Netz für Kinder, Haus für Kinder) und Grundschullehrkräfte, die vor Ort Vorkurse durchführen. Die Teilnahme von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften ist Voraussetzung für die finanzielle Förderung der Fortbildungsveranstaltung,
- Wenn Kooperationsteams von benachbarten Kindertageseinrichtungen und Grundschulen gemeinsam an den Fortbildungen teilnehmen, ist das sehr gewinnbringend. Es sind aber auch Einzelmeldungen von Interessierten der einzelnen Berufsgruppen möglich
Anmeldung
Die Anmeldung erfolgt per Anmeldeformular, das vom zuständigen Jugend- und Schulamt ausgegeben wird.
Anzahl der TeilnehmerInnen pro Fortbildungsveranstaltung
- 20-24 Personen pro Fortbildung
- Im Idealfall je zur Hälfte Kita-Fach- und Grundschullehrkräfte der jeweiligen Landkreise und kreisfreien Städte
Dauer der Fortbildung
- Eine Fortbildungsveranstaltung besteht aus 2 Fortbildungstagen, die jeweils 8 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten umfassen
- Der 2. Fortbildungstag wird 2 Wochen nach dem 1. Fortbildungstag abgehalten.
- Eine Teilnahmebestätigung wird nur bei Teilnahme an beiden Fortbildungstagen erteilt
Laufzeit der Kampagne
Die Kampagne läuft insgesamt 3 Jahre - von Oktober 2010 bis Juli 2013.
Anzahl der Veranstaltungen pro Referenten-Tandem und Jahr
- Die Anzahl der Fortbildungsveranstaltungen wird von Jahr zu Jahr neu festgesetzt durch die Ministerien.
- Im Kalenderjahr 2010 soll jedes Referenten-Tandem zwei Veranstaltungen durchführen - wenn möglich im Oktober und November.
Inhalte der Fortbildung
Das Fortbildungskonzept wurde zunächst von einer Expertengruppe ausgearbeitete und sodann in Kooperation mit den Referenten-Tandems weiterentwickelt und optimiert. Die dem Fortbildungskonzept zugrunde liegenden Ziele sind:
- Institutionenübergreifender Austausch
- Weiterentwicklung und Abstimmung der Vorkurskonzepte auf der Grundlage des BayBEP und des DaZ-Lehrplans (z.B. vom Themenfeld zur sprachlichen Bildung als durchgängiges Prinzip)
- Vertiefung zentraler Elemente von Partizipation und Ko-Konstruktion sowie von ganzheitlicher, handlungs- und ressourcenorientierter Pädagogik
- Die Reflexion der eignen Haltung
- Stärkung der fachlichen Kompetenz insbesondere zu folgenden Themen:
- Lernen im Kindesalter
- Zweitspracherwerb - Erkennen sprachlicher Auffälligkeiten
- Kinder in ihrer Sprach- und Literacy-Kompetenz stärken
- Interkulturalität und Inklusion - Umgang mit Mehrsprachigkeit sowie Diversität und Heterogenität in den Vorkursgruppen
- Von der Elternarbeit zur Bildungspartnerschaft mit Eltern - Aspekte der interkulturellen Begegnung mit Eltern
- Rechtsgrundlagen und Organisation der Vorkurse.
Evaluation der Kampagne
Die Evaluation hat zum Ziel, die Reichweite der Kampagne abzubilden und Einschätzungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den beiden Fortbildungstagen einzuholen. Darüber hinaus sollen jedoch auch die bisherige Praxis der Vorkursgestaltung ermittelt und die Auswirkungen der Fortbildungsteilnahme auf die künftige Gestaltung der Vorkurse erfasst werden. Dementsprechend umfasst die Evaluation mehrere Befragungszeitpunkte:
- Wenige Tage vor dem ersten Fortbildungstag sind die TeilnehmerInnen aufgefordert, ihre bisherigen Erfahrungen mit den Vorkursen mitzuteilen.
- Am Ende der Fortbildung werden die TeilnehmerInnen gebeten, Einschätzungen zu den Veranstaltungen anzugeben.
- Im darauffolgenden Kindergarten- bzw. Grundschuljahr werden die TeilnehmerInnen erneut gebeten, ihr Vorgehen bei der Planung und Gestaltung von Vorkursen mitzuteilen.
Sämtliche Befragungen erfolgen über standardisierte Fragebögen und beginnen im vollen Umfang ab Januar 2011 mittels einer online-Befragung über das Internet.
Weiterführende Informationen
- Bereich Sprachförderung auf der Seite des Sozialministeriums
- Vorkurskonzept Deutsch 240 (PDF, 44 KB)
- Vorkurs Deutsch beim Kultusministerium
- IFP-Infodienst 2005
- Online Familien-Handbuch
- ISB-Publikationen zu Deutsch als Zweitsprache
- Einwilligung der Erziehungsberechtigten in den Fachdialog zwischen Kindertageseinrichtung und Schuler über das Kind