Pflegende Angehörige sind die Basis der Versorgung
Im Rahmen einer modernen Seniorenpolitik kommt der Unterstützung pflegender Angehöriger ein besonderer Stellenwert zu. Pflegende Angehörige leisten einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung des demografischen Wandels. Durch sie wird die Realisierung des Wunsches vieler Menschen, bis zum Lebensende in ihrem gewohnten Umfeld verbleiben zu können, möglich. Die Pflege von älteren Menschen und die vielfältigen Aufgaben rund um die Pflege stellen eine extreme körperliche und seelische Belastung dar. Die bewundernswerte Arbeit der pflegenden Angehörigen muss daher unterstützt werden. Einen hilfebedürftigen Angehörigen zu pflegen, erfordert neben Zeit und Organisation auch viel Kraft und Geduld. Die Betreuung von Pflegebedürftigen erfolgt meist „Rund um die Uhr". Die Angehörigen sind sehr oft starken seelischen und körperlichen Belastungen ausgesetzt. Dies führt zu unzähligen Veränderungen im Leben der bzw. des Pflegenden bis hin zur totalen Isolation.
Angebote zur Unterstützung und Entlastung
- Fachstellen für pflegende Angehörige
- Niedrigschwellige Betreuungsangebote
- Pflegekurse
- Pflegezeit
- Selbstbeschaffte Pflegehilfen oder Pflege durch Angehörige
- Hauswirtschaft in der Pflege
Fachstellen für pflegende Angehörige
Pflegezeit ist Lebenszeit. Aufgabe der Fachstellen ist es, durch psychosoziale Beratung, begleitende Unterstützung und Entlastung der pflegenden Angehörigen älterer pflegebedürftiger Menschen zu verhindern, dass die Angehörigen durch die oft lang andauernde Pflege selbst erkranken und zum Pflegefall werden. Wesentliche Elemente der Angehörigenarbeit sind die psychosoziale Beratung, begleitende Unterstützung und Entlastungsangebote für die pflegenden Angehörigen (Angehörigengruppen, Betreuungsgruppen, ehrenamtliche Helferkreise zur stundenweisen Entlastung). Bayernweit gibt es derzeit 108 Fachstellen für pflegende Angehörige.Der Freistaat Bayern unterstützt die Fachstellen für pflegende Angehörige im Rahmen des Förderprogramms „Bayerisches Netzwerk Pflege“ mit jährlich über 1,3 Millionen Euro.
Liste der Fachstellen für pflegende Angehörige
Niedrigschwellige Betreuungsangebote
Niedrigschwellige Betreuungsangebote sind insbesondere Angebote für Menschen mit Demenzerkrankung, psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf. Qualifizierte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer übernehmen ihre Betreuung - zuhause oder in Gruppen - und tragen so zu einer erheblichen Entlastung der pflegenden Angehörigen bei.
Mittelfristig geht man von einem Anstieg auf bundesweit über 1,5 Millionen Menschen mit Demenzerkrankung aus. Deshalb ist die Berücksichtigung der speziellen Bedürfnislagen von Menschen mit Demenzerkrankung und ihrer Angehörigen von zentraler Bedeutung.
Die niedrigschwelligen Betreuungsangebote sollen die ambulante Versorgung von Personen mit Demenzerkrankung verbessern und somit einen längeren Verbleib in der eigenen Häuslichkeit ermöglichen. Berechtigte können aus der Pflegeversicherung 1.200 Euro bzw. 2.400 Euro je Kalenderjahr für zusätzliche Betreuungsleistungen z.B. durch niedrigschwellige Betreuungsangebote erhalten.
Als niedrigschwellige Betreuungsangebote sind auch anerkannt:
Betreuungsgruppen
Die Betreuungsgruppe soll pflegende Angehörige stundenweise entlasten und den betreuungsbedürftigen Personen Kontaktmöglichkeiten in familiär gestalteter Umgebung bieten. Für einige Stunden haben sie die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erfahren. Betreuungsgruppen werden in der Regel gegen einen geringen Kostenbeitrag wöchentlich oder 14-tägig angeboten. Sie finden unter der Leitung einer Fachkraft ergänzt durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer statt. Bayernweit existieren derzeit rund 180 Betreuungsgruppen.
Liste der Betreuungsgruppen für verwirrte ältere Menschen
Ehrenamtliche Helferinnen- und Helferkreise
Um auch Angehörige von Pflegebedürftigen zu entlasten, die das Haus nicht verlassen können, übernehmen geschulte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unter pflegefachlicher Anleitung meist gegen eine kleine Aufwandsentschädigung die stundenweise Betreuung des Pflegebedürftigen im häuslichen Bereich. Bayernweit existieren derzeit rund 80 ehrenamtliche Helferinnen- und Helferkreise.
Liste ehrenamtliche Helferinnen- und Helferkreise
Angehörigengruppen
Je fortgeschrittener das Stadium der Erkrankung, desto größer wird der Betreuungsaufwand. Auch die pflegenden Angehörigen selbst müssen einen Weg finden, mit der oftmals belastenden Situation umzugehen. Die regelmäßigen Treffen der Angehörigengruppen finden unter fachlicher Anleitung statt. Sie dienen der Entlastung der Betroffenen und bieten die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Derzeit existieren bayernweit rund 135 Angehörigengruppen.
Liste der Angehörigengruppen in Bayern
Freistaat fördert niederschwellige Betreuungsangebote
Der Spitzenverband Bund der Pflegekassen stellt für die Förderung niedrigschwelliger Betreuungsangebote Mittel aus dem Ausgleichsfonds der Pflegekassen bereit, sofern das entsprechende Bundesland bzw. die kommunale Gebietskörperschaft oder die Arbeitsförderung ebenfalls einen Zuschuss gewährt. Dem Freistaat Bayern ist der Erhalt sowie der weitere Auf- und Ausbau niedrigschwelliger Betreuungsangebote ein wichtiges Anliegen.
Betreuungsangebote ehrenamtlich Tätiger und der Selbsthilfe im Bereich der Pflege
Weitere alternative Hilfeangebote für die häusliche Versorgung sind Betreuungsangebote von Gruppen ehrenamtlichTätiger auch für somatisch Pflegebedürftige (z.B. Betreuungsgruppen, ehrenamtl. Helferinnen- und Helferkreise) sowie von Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfekontaktstellen.
Der Freistaat Bayern fördert diese Angebote im Rahmen von §45d SGB XI.
Pflegekurse
Ein Pflegekurs, der sachliche Informationen rund um alle auftretenden Fragestellungen bietet, wirkt oft einer Überforderung entgegen. Pflegekurse dienen der Schulung und Begleitung von pflegenden Angehörigen. Die fachliche Unterstützung und der Austausch mit Gleichgesinnten ist oft eine wertvolle Stütze.
Die Pflegekurse werden über die Pflegekassen finanziert. Die Pflegekassen bieten für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen Pflegekurse an, um soziales Engagement im Bereich der Pflege zu fördern und zu stärken, Pflege und Betreuung zu erleichtern und zu verbessern sowie pflegebedingte körperliche und seelische Belastungen zu mindern.
Handbuch "Kurs für pflegende Angehörige"