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Sozial-Fibel

Seniorenarbeit

In Bayern leben heute 2,7 Millionen über 65-Jährige, 2050 sollen es nach Schätzungen des Statistischen Landesamtes etwa 3,7 Millionen sein. Die Grundlage moderner und nachhaltiger Seniorenarbeit stellt die Vielfalt der individuellen Lebenslagen älterer Menschen dar. Von zentraler Bedeutung ist der Paradigmenwechsel von der traditionellen Altenhilfepolitik zu einem Seniorenpolitischen Gesamtkonzept, das sowohl die Potenziale und Ressourcen als auch den Hilfe- und Unterstützungsbedarf von älteren Menschen berücksichtigt.

Grundsätzlich können dabei folgende Bereiche unterschieden werden:

  • Offene Seniorenarbeit
  • Ambulante Pflege
  • Alternative, gemeinschaftsorientierte Wohnformen
  • Teilstationäre und stationäre Altenpflege
  • Sonstige Hilfen
  • Hilfen im Rahmen der Sozialhilfe

Offene Seniorenarbeit

Offene Seniorenarbeit stellt einen eigenständigen gesellschaftlichen Gestaltungsbereich dar und umfasst insbesondere Beratungs- und Bildungsangebote, Prävention, Partizipation und bürgerschaftliches Engagement.

Beratungsangebote für ältere Menschen

Angebote und Hilfen für ältere Menschen werden immer komplexer und vielfältiger. Beratungsstellen, wie z.B. kommunale Seniorenberatungen, Quartiersmanagerinnen und Quartiersmanager oder Fachstellen für pflegende Angehörige können wichtige Anlaufstellen darstellen, um individuelle Fragestellungen zu besprechen und Lösungsstrategien zu erarbeiten. Zudem bieten sie in der Regel einen Überblick über die zahlreichen Hilfeangebote, wie z.B. Nachbarschaftshilfen, Mehrgenerationenhäuser , Hausnotruf, Essen auf Rädern oder Telefonketten.

Wohnberatung

Eine spezielle Form der Beratung stellt die Information und Beratung dar, die das Ziel verfolgt, das selbstständige Wohnen und die selbstständige Haushaltsführung der älteren Menschen in ihrer Wohnung und ihrem Wohnumfeld zu erhalten, zu fördern oder wiederherzustellen ( Wohnberatung ).

Bildungs- und Begegnungsmöglichkeiten
Seniorenbüros, Seniorentreffs, Seniorenbegegnungsstätten, Mehrgenerationenhäuser oder Alten- und Service-Zentren bieten neben Beratungsangeboten insbesondere Bildungs- und Begegnungsmöglichkeiten an. Das Konzept wird in der Regel von drei Handlungslinien bestimmt:

  • Prävention statt Intervention
    Der Fokus ist auf Kompetenzerhaltung und -erweiterung gerichtet, z.B. durch Sprachkurse oder Informationsveranstaltungen. Es geht darum, den Hilfebedarf älterer Menschen durch präventive Angebote möglichst zu verhindern oder zu verringern und Isolation zu vermeiden.
  • Hilfe zur Selbsthilfe
    Bei einem auftretenden Unterstützungsbedarf sind die Einrichtungen aufgefordert, die älteren Menschen zu befähigen, eigenständige Lösungen zu entwickeln.
  • Fördern durch Fordern
    Die Mitwirkung älterer Menschen ist gewollt und erwünscht.

Auch Volkshochschulen und Universitäten bieten spezielle Bildungsangebote bzw. Studienmöglichkeiten für Seniorinnen und Senioren an.

Prävention

Die Zielsetzung präventiver Maßnahmen ist es, altersspezifische Einschränkungen möglichst zu vermeiden oder zumindest so lange wie möglich hinauszuzögern. Hierzu zählen beispielsweise sportliche Aktivitäten, die insbesondere von den örtlichen Sportvereinen aber auch von gewerblichen Anbietern offeriert werden oder Informationsangebote wie Ernährungsberatung und Früherkennung. Seit 2012 gibt es das Zertifikat "Treffpunkt Verein - Seniorenfreundlicher Turn- und Sportverein", das vom Bayerischen Turnverband e. V. an Turn- und Sportvereine verliehen wird, die besondere sportliche Aktivitäten für ältere Menschen anbieten.

Ein spezielles Angebot stellt die Sturzprophylaxe dar, die alle Maßnahmen zur Vermeidung und die Abmilderung der Folgen von Stürzen umfasst. Durch spezielle Trainingsprogramme bzw. Hilfsmittel können Stürze vermieden bzw. reduziert oder die Folgen gemildert werden. 

Partizipation, Seniorenmitwirkung und bürgerschaftliches Engagement

Es ist von großer Bedeutung, älteren Menschen einen Platz im gesellschaftlichen Leben einzuräumen, der den demografischen Veränderungen und einem zeitgemäßen Altersbild angemessen ist. Ebenso wichtig ist es, Rahmenbedingungen für das Engagement und die aktive Mitgestaltung im Alter zu schaffen; denn viele ältere Menschen wollen Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen oder leisten hier bereits einen wichtigen Beitrag. So übernehmen viele ältere Bürgerinnen und Bürger nicht nur wichtige Aufgaben in der eigenen Familie und Nachbarschaft, sondern sind oftmals auch bereits in Vereinen, Pfarrgemeinden, örtlichen Projekten oder in der Politik sehr engagiert. Als Bindeglied zwischen der älteren Bevölkerung und der Gemeindeverwaltung können Seniorenvertretungen eine wichtige Funktion übernehmen.

www.stmas.bayern.de/wohnen-im-alter/beratung

www.wohnen-alter-bayern.de/wohnberatung.html

www.stmas.bayern.de/senioren/akademie

www.bayern-ist-ganz-ohr.de/mgh/bayern

 

Ambulante Pflege

Die meisten älteren Menschen möchten so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Die Mehrzahl der pflegebedürftigen älteren Menschen wird zu Hause versorgt. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Angeboten für pflegebedürftige Menschen im häuslichen Umfeld. Ambulante Dienste bzw. Sozialstationen und Betreuungsdienste sind neben den pflegenden Angehörigen wichtige Leistungserbringer der pflegerischen Versorgungen. Darüber hinaus gibt es sogenannte Angebote zur Unterstützung im Alltag. Das sind insbesondere ehrenamtliche Helferkreise, Betreuungsgruppen, Tagesbetreuung in Privathaushalten (Tipi), Alltags- und Pflegebegleiter sowie haushaltsnahe Dienstleistungen zur Unterstützung Pflegebedürftiger und häuslich pflegender Angehöriger sowie vergleichbar Nahestehender. Auch alternative Betreuungsformen können einen Verbleib trotz zunehmendem Hilfebedarf ermöglichen. Insgesamt kommt dem Zusammenspiel zwischen Angehörigen sowie vergleichbaren Nahestehenden, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und professionellen Kräften eine wachsende Bedeutung für die Betreuung älterer Menschen zu.

Zu den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung: Pflegebedürftigkeit, Leistungen bei

www.stmgp.bayern.de/pflege/pflege-zu-hause

Alternative, gemeinschaftsorientierte Wohn- und Betreuungsformen

Alternative Wohn- und Betreuungsformen tragen dem Wunsch älterer Menschen nach Alternativen zu traditionellen Wohn- oder stationären Versorgungskonzepten Rechnung. Neben den Möglichkeiten, im Alter zu Hause zu bleiben oder in ein Seniorenheim zu ziehen, sind zahlreiche weitere Wohnalternativen hinzugekommen, wie Seniorenwohngemeinschaften, Seniorenhausgemeinschaften, generationenübergreifende Wohnformen, Betreutes Wohnen oder ambulant betreute Wohngemeinschaften. Besonders gemeinschaftsorientierte Wohnformen rücken in der älteren Generation von heute zunehmend in den Fokus, deren Bewohnerschaft zwar selbstbestimmt in eigenen Wohnungen lebt, jedoch auch gemeinschaftliche Aufenthaltsräume nutzt, gemeinsamen Freizeitaktivitäten nachgeht und sich Bedarfsfall gegenseitig unterstützt.

Unterschiedliche Unterstützungsformen, wie bürgerschaftlich engagierte Nachbarschaftshilfen oder seniorengerechte Quartierskonzepte tragen dazu bei, dass ältere Menschen möglichst lange zu Hause leben können.

Zu den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung: Pflegebedürftigkeit, Leistungen bei

www.stmas.bayern.de/wohnen-im-alter

Teilstationäre und vollstationäre Altenpflege

Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen

Zur Absicherung der häuslichen Pflege stehen pflegebedürftigen Menschen aller Pflegegrade Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen zur Verfügung. Leistungen der sozialen Pflegeversicherung für Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege erhalten nur Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 - 5. Alle Pflegebedürftigen - auch solche mit Pflegegrad 1 - können aber den Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat u. a. auch für Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege einsetzen.

Vollstationäre Kurzzeitpflegeeinrichtungen bzw. Kurzzeitpflegeplätze in einer vollstationären Pflegeeinrichtung dienen zur Versorgung von Pflegebedürftigen, wenn die häusliche Pflege zeitweise nicht, noch nicht oder nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden kann und auch eine teilstationäre Pflege nicht ausreicht. Darüber hinaus können Pflegepersonen während einer zeitweisen Betreuung des Pflegebedürftigen in der Kurzzeitpflege "Urlaub von der Pflege" machen, was entscheidend zur Stärkung und Erhaltung der Pflegebereitschaft und Pflegefähigkeit beiträgt.

Teilstationäre Tagespflegeeinrichtungen dienen der Versorgung Pflegebedürftiger, die an den Abenden und an den Wochenenden von Angehörigen oder Bekannten versorgt werden, weil ihr Lebensmittelpunkt in der Häuslichkeit liegt, die tagsüber aber nicht allein in der Wohnung bleiben können.

Teilstationäre Nachtpflegeeinrichtungen dienen der Versorgung Pflegebedürftiger während der Nachtzeit, wenn häusliche Pflege nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden kann oder wenn dies zur Ergänzung oder Stärkung der häuslichen Pflege erforderlich ist.

Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflegeplätze bestehen sowohl in eigenständigen Einrichtungen als auch situativ belegbar in Einrichtungen der vollstationären Altenpflege.

Pflegebedürftige haben nach dem Sozialgesetzbuch XI - Soziale Pflegeversicherung  einen Rechtsanspruch auf Leistungen der Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege ( Pflegeversicherung ).

Das Budget für die Tages- und Nachtpflege steht Pflegebedürftigen zusätzlich zu den sonstigen Leistungen der Pflegeversicherung zu. Sie werden seit 01.01.2015 nicht mehr mit dem Pflegegeld oder mit den sogenannten Pflegesachleistungen verrechnet.

§§ 41, 42 Sozialgesetzbuch XI

Zu den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung siehe unter Pflegebedürftigkeit, Leistungen bei

www.stmgp.bayern.de/pflege/pflege-zu-hause/teilstationaere-pflege

Vollstationäre Einrichtungen für ältere Menschen, die für die dauerhafte Betreuung und Versorgung angelegt sind

Hier bestehen verschiedene konzeptionelle Angebote, wobei der reine Wohncharakter dieser Einrichtungen in den Hintergrund tritt, während die Pflege und Betreuung der Menschen dominiert. In allen Einrichtungen erhalten pflegebedürftige Menschen Unterkunft, Verpflegung, Betreuung und Pflege. Es handelt sich dabei in aller Regel um Einrichtungen, die unter das Bayerische Pflege- und Wohnqualitätsgesetz fallen und deren Qualität u. a. durch die Fachstellen für Pflege- und Behinderteneinrichtungen - Qualitätsentwicklung und Aufsicht - (FQA) bei den Kreisverwaltungsbehörden überprüft wird.

Tendenziell leben immer mehr Menschen mit einer dementiellen Erkrankung in vollstationären Einrichtungen. Dementielle Erkrankungen stellen mittlerweile einen häufigen Grund für einen Umzug in eine Einrichtung dar. Zahlreiche Einrichtungen sehen deshalb in ihrem Betreuungs- und Pflegekonzept besondere Angebote vor, um die speziellen Bedürfnisse dieses Personenkreises zufrieden zu stellen. Im Vordergrund muss demnach nicht mehr nur die somatische Pflege, sondern eine zielgerichtete, die Lebensqualität der an Demenz erkrankten Menschen fördernde Betreuung und Versorgung stehen, was sich z. B. in einem ausgeprägten Konzept zur Sozialen Betreuung äußern kann. Aufgrund der guten Erfahrungen in der Praxis ist dabei eine Betreuung und Versorgung in sog. segregativen Wohnbereichen vorzuziehen. Dies bedeutet, dass z. B. für Menschen mit Demenz homogene Gruppen je nach Ausprägung und Phase der Demenz gebildet werden wie Wohnbereiche für Menschen mit herausforderndem Verhalten oder stationäre Hausgemeinschaften, die für die Betreuung und Versorgung für dementiell erkrankte Menschen prädestiniert sind.

Leistungen sind in der Regel von demjenigen zu bezahlen, der sie in Anspruch nimmt. Bei einem Umzug in eine stationäre Einrichtung ist die Gewährung von Wohngeld möglich. Tritt kein anderer Träger ein und können die Kosten nicht selber getragen werden, besteht unter Umständen Anspruch auf Hilfe zur Pflege , Sozialhilfe , bei Kriegsopfern besteht Anspruch auf Kriegsopferfürsorge . Seit 01.07.1996 erbringt die Pflegeversicherung Leistungen bei stationärer Pflege.

Zu den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung siehe unter Pflegebedürftigkeit, Leistungen bei

www.stmgp.bayern.de/pflege/pflege/stationaere-pflege

Sonstige Hilfen

Neben den Maßnahmen der offenen und stationären Seniorenarbeit bestehen noch weitere finanzielle Vorteile und Hilfen z. B. Steuerbefreiungen und -erleichterungen , Ermäßigung bei den Fernsprechgebühren , Rundfunk- und Fernsehgebühren , Fahrpreis- und Verkehrsvergünstigungen .

Zuständig: Verbände der freien Wohlfahrtspflege; Kirchengemeinden; Landratsämter und kreisfreie Städte

Hilfen im Rahmen der Sozialhilfe

Als Hilfe in anderen Lebenslagen ( Sozialhilfe ) werden nach § 71 Sozialgesetzbuch XII besondere Maßnahmen der Altenhilfe gewährt, z.B. Hilfe bei der Beschaffung oder zur Erhaltung einer altersgerechten Wohnung, bei der Inanspruchnahme altersgerechter Dienste sowie in allen Fragen, die die Aufnahme in ein Altenheim betreffen. In Betracht kommt auch eine Hilfe zum Besuch von Veranstaltungen oder Einrichtungen, die der Geselligkeit, der Unterhaltung oder kulturellen Bedürfnissen dienen. Diese persönlichen Hilfen werden ohne Rücksicht auf Einkommen und Vermögen gewährt. Nur für wirtschaftliche Hilfen gilt die allgemeine Einkommensgrenze des § 85 Sozialgesetzbuch XII (Grundbetrag in Höhe des Zweifachen der Regelbedarfsstufe 1 (siehe Lebensunterhalt, Hilfe zum ) + 70 % der Regelbedarfsstufe 1 für weitere Familienmitglieder + Kosten der Unterkunft in angemessenem Umfang).

Der Träger der Sozialhilfe nimmt wegen der pflegebedürftigen Menschen gewährten Hilfe (z.B. wegen Übernahme von Kosten eines Altenheim- oder Pflegeheimaufenthaltes Pflege, Hilfe zur ) nur von Ehegatten und Verwandten ersten Grades (Kinder) Unterhalt in Anspruch. Dabei gilt zugunsten der Unterhaltspflichtigen ein großzügiger Einkommensschutz (Sozialgesetzbuch XII). Unterhaltsansprüche gegenüber Kindern und Eltern sind nicht zu berücksichtigen, wenn deren jährliches Gesamteinkommen 100.000 € nicht übersteigt.

Zur Altenhilfe für Kriegsopfer siehe Kriegsopferfürsorge

§§ 85, 93, 94 Sozialgesetzbuch XII

Zuständig: Sozialhilfeverwaltungen und Kriegsopferfürsorgestellen bei den Landratsämtern und kreisfreien Städten

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