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Bayerisches Gewaltschutz- und Gewaltpräventionskonzept

Die Corona-Pandemie beschränkt das öffentliche Leben. Durch die gestiegene Nähe im häuslichen Bereich können sich Konflikte zwischen Partnern und Partnerinnen verstärken.

Gewaltbetroffene Personen und ihre Kinder erhalten auch weiterhin und gerade jetzt zuverlässig Hilfe. Das bedeutet: Selbstverständlich kann trotz der geltenden Ausgangsbeschränkungen die eigene Wohnung verlassen werden, um Hilfsangebote aufzusuchen. Viele Beratungsstellen bieten aktuell außerdem verstärkt telefonische Hilfe oder Online-Beratung an.

Wenn es zu einer Zunahme von Fällen kommt, in denen die Notwendigkeit besteht, Opfer und Täter eine gewisse Zeit oder dauerhaft zu trennen, wird wie üblich zunächst die Polizei die rechtlichen Möglichkeiten gegen den Aggressor / die Aggressorin voll ausschöpfen. Dies bedeutet: Wenn möglich, wird der Täter oder die Täterin der Wohnung verwiesen.

Für die Fälle, in denen die einzig mögliche Lösung darin besteht, dass das Opfer die gemeinsam genutzte Wohnung verlässt:

  • Frauenhäuser bieten gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern rund um die Uhr Beratung und Schutz.
  • Für männliche Gewaltopfer und ihre Kinder gibt es zwei Wohnungen: in Augsburg für Südbayern und in Nürnberg für Nordbayern.

Um möglichst zu vermeiden, dass Konflikte und Streit oder gar körperliche und seelische Gewalt entstehen, werden Kinder, Eltern und Fachkräfte in dieser schwierigen Situation außerdem gewaltpräventiv unterstützt. Das Jugendhilfesystem leistet hier hervorragende Arbeit.

Um Familien und auch die Fachkräfte in der jetzigen, besonderen Situation zusätzlich zu stärken, hat das Sozialministerium kurzfristig den Ausbau eines ergänzenden bayernweiten Unterstützungsangebots beschlossen: Die AETAS Kinderstiftung bietet ab sofort für von der Coronakrise betroffene Kinder, Familien und Fachkräfte eine telefonische Krisenberatung, erreichbar unter der Telefonnummer 089/997 409020 (Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr), Infomaterial und Handreichungen zum Download auf ihrer Homepage sowie eine Online-Beratung. Geplant ist außerdem, sobald dies wieder möglich ist, persönliche Beratung anzubieten, um Familien bei Bedarf bei dem Übergang von der Krise in den Normalzustand zu unterstützen.

Traumatisierte Betroffene, die aufgrund der aktuellen Situation verunsichert sind oder sich instabil fühlen, können sich an die eigens eingerichteten Krisentelefone der TraumaHilfeZentren München und Nürnberg wenden.

Der Bayerische Drei-Stufen-Plan zum Gewaltschutz und zur Gewaltprävention

Mit dem Drei-Stufen-Plan zum Gewaltschutz und zur Gewaltprävention werden die Bereiche Schutz, Beratung und Prävention zielgruppenspezifisch und bedarfsgerecht in Bayern ausgebaut.

Zentrale Bestandteile sind die kontinuierliche bedarfsgerechte Weiterentwicklung und der Ausbau des Hilfesystems für von häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder. Diese Maßnahmen umfassen die Stufen 1 und 2 des Konzepts und wurden im Doppelhaushalt 2019/20 mit 16 Mio. Euro an zusätzlichen Haushaltsmitteln unterlegt. Neben dem qualitativen und quantitativen Ausbau des Hilfesystems für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder wurden so beispielsweise zusätzliche Angebote für Frauen geschaffen, die nach oder anstatt einem Frauenhausaufenthalt Unterstützung benötigen (second-stage-Projekte). Weiterhin dient der bayernweite Aufbau von Fachstellen für Täter- und ggf. Täterinnenarbeit dazu, künftige Opfer besser zu schützen und eine neu eingerichtete landesweite Koordinierungsstelle gegen häusliche/sexualisierte Gewalt unterstützt das bestehende System.

Stufe 3 beinhaltet langfristige, breiter angelegte Maßnahmen in Ergänzung zu Stufe 1 und 2. In diesem Sinne wurden bereits Angebote für Männer auf den Weg gebracht, die ihrerseits Opfer häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt geworden sind – sei es als Erwachsene oder als Kinder und Jugendliche. Diese umfassen unter anderem:

Schutz, Beratung und Prävention richten sich hier an eine Zielgruppe, die 20% der Opfer in diesem Bereich ausmacht, bisher aber nicht ausreichend Unterstützung gefunden hat. Eine Auflistung weiterer Angebote finden Sie hier. Für Fragen stehen wir Ihnen auch gerne telefonisch unter (089) 1261 1340 oder per E-Mail zur Verfügung.

Die Umsetzung von Maßnahmen für weitere Zielgruppen und Gewaltphänomene im Rahmen der dritten Stufe ist ebenfalls bereits angedacht. Dabei wird Prävention umfassend verstanden: Aufklärung und Sensibilisierung über zielgruppenspezifische Beratungs- und Hilfsangebote bis hin zur Hilfe für Betroffene und Arbeit mit Täterinnen und Tätern, um weitere potenzielle Opfer zu schützen.

Bekannt gemacht werden sollen die bestehenden und so entwickelten zusätzlichen Angebote künftig über ein Onlineportal, das einen Überblick über Bestehendes schaffen und übersichtlich Wege und Angebote für unterschiedlichste Zielgruppen aufzeigen wird.