Der demografische Wandel verändert die Arbeitswelt. Ältere Beschäftigte bringen Erfahrung, Wissen und Weitblick mit – ein Gewinn, gerade bei Fachkräftemangel. Die Initiative „Ältere und Arbeitswelt“ zeigt auf, wie es gelingt, das Potenzial von älteren Beschäftigten zu heben und zu erhalten.
Ältere und Arbeitswelt

Bayerische Initiative „Ältere und Arbeitswelt“
Viele ältere Beschäftigte kennen ihren Arbeitsplatz seit Jahrzehnten, haben Generationen unterrichtet, Teams geführt, Technikwechsel gemeistert. Diese Erfahrung bleibt wertvoll – auch dann, wenn sich Arbeitsprozesse und Anforderungen stark verändern.
Die Initiative „Ältere und Arbeitswelt“ wurde 2011 vom StMAS Bayern gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern der Initiative ins Leben gerufen. Das wesentliche Ziel ist es, die Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nachhaltig zu verbessern – gerade im Kontext des demografischen Wandels und zunehmender Fachkräfteengpässe.
Partner und Handlungsfelder der Initiative „Ältere und Arbeitswelt“
Zahlreiche starke Partner tragen die Initiative „Ältere und Arbeitswelt“ :
- Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern
- Bayerischer Industrie- und Handelskammertag (BIHK)
- vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.
- Deutscher Gewerkschaftsbund Bayern
- Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit
Gemeinsam wurden drei zentrale Handlungsfelder definiert, um älteren Beschäftigten eine möglichst lange Er-werbstätigkeit bei guter Gesundheit, Motivation und Qualifikation zu ermöglichen:
- demografieorientierte Arbeitsorganisation
- Gesundheitsförderung und betriebliches Gesundheitsmanagement
- berufliche Weiterbildung und lebensbegleitendes Lernen
Die Initiative setzt damit gezielt auf praxisnahe Impulse, strategische Vernetzung und konkrete Unterstützung für Betriebe, die das Potenzial älterer Beschäftigter stärken und sichern möchten.
Veranstaltungen der Initiative „Ältere und Arbeitswelt"
Die Initiative „Ältere und Arbeitswelt“ bietet regelmäßig Online-Veranstaltungen an. Aktuelle Informationen zur nächsten Veranstaltung folgen an dieser Stelle.
Demografieorientierte Arbeitsorganisation
Unternehmerinnen und Unternehmer spüren den demografischen Wandel direkt: Es kommen immer weniger junge Menschen nach, während die Zahl der Älteren stetig steigt. In Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtiger denn je, dieses Arbeitskräftepotenzial von älteren Beschäftigten gezielt zu nutzen.
Ein wichtiger Baustein dabei ist eine Arbeitsorganisation, die den demografischen Wandel aktiv mitgestaltet – von altersgerechter Arbeitsorganisation bis hin zu einer Personalplanung und -entwicklung, die alle Generationen im Blick hat. Wer hier die Weichen frühzeitig stellt, macht sein Unternehmen fit für die Zukunft – wirtschaftlich, technisch und organisatorisch.
So entstehen gute Bedingungen für ältere Beschäftigte – und starke Perspektiven für den ganzen Betrieb. Viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in Bayern setzen genau hier an – verantwortungsvoll, vorausschauend, gemeinsam mit ihren Teams.
Weiterführende Informationen für Unternehmen
Die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände (bayme vbm) beraten ihre Mitgliedsunternehmen – zu Ergonomie, Demografie und guten Bedingungen im Arbeitsalltag. Unter Telefon 089 551 78-400 gibt es persönliche Auskunft und konkrete Unterstützung.
Weitere Informationen im Netz:
- zum ORGAcheck der Offensive MittelstandExterner Link öffnet in neuem Fenster
- Informationen zum Europäischen Sozialfonds PlusExterner Link öffnet in neuem Fenster
- zum IHK-Arbeitsmarktradar BayernExterner Link öffnet in neuem Fenster
- Hintergründe zur demografischen Entwicklung und Selbstanalyse-Test bei der Handwerkskammer Niederbayern-OberpfalzExterner Link öffnet in neuem Fenster
Best-Practice-Beispiele
Die OHB System AG bietet flexible Arbeitszeiten, die an die persönlichen Bedürfnisse/ Lebensphasen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angepasst werden können. Es gibt ein sogenanntes Lebensarbeitszeitkonto, das beispielsweise ein Sabbatical oder auch ein Ausgleiten beziehungsweise einen sukzessiven Ausstieg je nach persönlicher/ familiärer Situation ermöglicht. Es existieren Strategien zur Nachfolgeplanung und geordneten Übergaben vor dem Ausscheiden. Zudem werden in Absprache mit dem betroffenen Mitarbeiter bei Bedarf die Tätigkeiten angepasst (zum Beispiel reduzierte Dienstreisetätigkeit; keine Raumfahrt-Kampagnen mehr), um einen sanften Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen.
Im Bereich der demografieorientierten Arbeitsorganisation fördert die BSH die Rotation am Arbeitsplatz zur Vermeidung einseitiger Belastungen und bietet spezielle Arbeitsplätze für leistungsgewandelte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit dem Angebot „Perspektive Teilzeit“ ermöglicht die BSH überdies vielfältige Teilzeitmodelle, zum Teil unterstützt durch Homeoffice und Telearbeit; neben der „klassischen“ Teilzeit kann das Arbeitsvolumen mit Regelungen zur Eltern- oder Pflegeteilzeit, mit Job-Sharing, einem Sabbatical sowie Altersteilzeit lebensphasenorientiert an die persönliche Situation der Mitarbeiter angepasst werden.
Die Schreinerei Ludwig Mayr bietet flexible Arbeitszeitmodelle mit beispielsweise individuell (aufgrund familiärer, gesundheitlicher oder altersbedingter Gründe) reduzierter Arbeitszeit beziehungsweise projektbezogen freiwilliger Arbeitszeit von bis zu 6 x 10 h/Woche. Die Überstunden werden auf ein sogenanntes Lebensarbeitszeitkonto gutgeschrieben und in Freizeit abgegolten. Die Aufträge werden von altersgemischten Teams erledigt, sodass die Kunden von der Erfahrung und Kreativität, die Mitarbeiter durch Lernen voneinander profitieren. Auf die stetige und ständige Qualifizierung der Mitarbeiter wird sehr großer Wert gelegt. Um die Zusammenarbeit zu verbessern und den Austausch zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung zu intensivieren wurde im Jahr 2015 ein freiwilliger Mitarbeiterbeirat, der sogenannte Schreinerrat gegründet. Die Belegschaft wird so in wichtige Entscheidungen eingebunden.
Hochland bietet eine Vielzahl flexibler Arbeitszeit-/-teilzeitmodelle, zudem die Möglichkeit zur Gleitzeit und in bestimmten Funktionsbereichen auch zur Telearbeit. In der Schichtarbeit gibt es für Paare die Möglichkeit, sich in unterschiedliche Schichten einteilen zu lassen, außerdem existieren reine Vormittagsschichten. Im Bereich des Freizeitausgleichs gibt es großzügige Regelungen, sodass durch den Einsatz von Zeitarbeitnehmern und Zeitarbeitnehmerinnen in den Sommermonaten für Beschäftigte mit schulpflichtigen Kindern trotzdem die Möglichkeit besteht, Urlaub zu nehmen. Wochenendarbeit wird auf Basis eines Haustarifvertrages mit höheren Zuschlägen vergütet, die wahlweise auch als Zeitgutschrift genommen werden können. Auch steht allen Mitarbeitern ein Kontingent von unbezahltem Urlaub zur Verfügung, der unbürokratisch und ohne Angabe von Gründen für private Zwecke genommen werden kann.
Im Bereich der demografieorientierten Arbeitsorganisation bietet die Bau-Fritz GmbH & Co. KG verschiedene Arbeitszeitmodelle oder auch die Möglichkeit eines Sabbaticals. So kann das Arbeitszeitvolumen der Beschäftigten lebensphasenorientiert, an die persönliche Situation aufgrund von beispielsweise Krankheit, Eltern- oder Pflegezeiten angepasst werden. Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es außerdem eine betriebseigene Kita. Jobrotation beziehungsweise der Wechsel des Arbeitsplatzes oder der Tätigkeit wird in regelmäßig stattfindenden Personalentwicklungsgesprächen thematisiert und nach Möglichkeit innerbetrieblich umgesetzt. Sofern ein neuer Arbeitsplatz im Unternehmen spezielles Know-how erfordert, wird dies bei Bau-Fritz durch Unterweisung erfahrener Kolleginnen und Kollegen vermittelt.
Gesundheitsförderung und -management
Gesunde Arbeit entsteht durch Haltung, Weitblick und gute Ideen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gestalten den Rahmen dafür – mit Blick auf Motivation, Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Wer vorausschauend handelt, stärkt das Team – körperlich, mental und im Miteinander. Menschen bleiben motiviert. Sie arbeiten konzentriert, zuverlässig und mit Freude.
Gesundheitsförderung steigert die Attraktivität eines Unternehmens. Sie bietet Antworten auf den demografischen Wandel – und schafft echte Perspektiven. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer in Bayern gehen mit gutem Beispiel voran. Sie setzen kreative Konzepte um – zum Wohl der Beschäftigten und des ganzen Unternehmens.
Weiterführende Informationen bietet:
- das ServiceCenter Arbeitsorganisation der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbmExterner Link öffnet in neuem Fenster
- der Praxisleitfaden zur betrieblichen Gesundheitsförderung der bayerischen Industrie- und Handelskammern (PDF)Externer Link öffnet in neuem Fenster
- die Plattform personet.de zur Bündelung von Kompetenzen und Know-how im Personalbereich Externer Link öffnet in neuem Fenster
- die Handwerkskammer für München und Oberbayern als Ansprechpartner für innerbetriebliches GesundheitsmanagementExterner Link öffnet in neuem Fenster
- die BGF-Koordinierungsstelle als Ansprechpartner insbesondere für kleine und mittlere Betriebe in BayernExterner Link öffnet in neuem Fenster
Best-Practice-Beispiele
Die BSH Hausgeräte GmbH setzt auf Ergonomie und Prävention und bietet ihren Beschäftigten in Zusammenarbeit mit dem Werksarzt, den Krankenkassen, dem Betriebsrat, der Personalabteilung und der Sozialberatung ein umfassendes Präventionsprogramm an. Durch die frühzeitige Erkennung von Risikofaktoren und Erkrankungen steigt die Chance, die Arbeitsfähigkeit dauerhaft zu sichern. Um die Belastungen am Arbeitsplatz zu analysieren, setzt die BSH seit Januar 2016 das sogenannte EAWS (Ergonomic Assessment Worksheet) ein, welches die Bereiche Körperhaltung, Aktionskräfte, Lastenhaltung und die Belastungen der oberen Extremitäten bei repetitiven und kurzzyklischen Tätigkeiten abdeckt.
Darüber hinaus bietet die BSH hauseigene Kuren sowie Kuren in Kooperation mit der Deutschen Rentenversicherung zur Gesundheitsvorsorge an, des Weiteren auch Ausgleichs- und Regenerationstrainings in Kooperation mit einem Fitnesscenter, ein Gesundheitsmanagement mit Eingliederungsmanagement, Wiedereingliederung und Hilfe bei Suchterkrankungen. Dabei besteht mit einem Ansprechpartner zur Suchtprävention zudem ein soziales Beratungsangebot. Außerdem gibt es regelmäßig Angebote wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Screenings, Grippeschutzimpfungen oder Vorträge, die das Gesundheitsbewusstsein der Beschäftigten fördern sollen. Nicht zuletzt wird auch in der Kantine auf gesunde Speisenangebote geachtet.
Die Schreinerei Ludwig Mayr GmbH & Co KG beteiligt sich an dem Projekt „UnternehmensWert:Mensch“, dessen Ziel es ist, individuelle Belastungen der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzudecken und nachhaltig zu reduzieren. Zudem wurde das Unternehmen 2008 als erstes in Bayern mit dem Gütesiegel „SmS 5.0“ der Berufsgenossenschaft für Arbeits- und Gesundheitsschutz zertifiziert.
Bei Hochland existiert seit vielen Jahren ein Gesundheitsmanagement und es gibt Gesundheitsbeauftragte. Neben Angeboten zu Bewegung, Ernährung und Entspannung werden in Zusammenarbeit mit den Betriebsärztinnen und Betriebsärtzen Vorsorgeuntersuchungen, etwa zum Hautschutz oder Sehtests bei Bildschirmtätigkeiten, sowie Grippeschutzimpfungen durchgeführt. Ergänzt werden diese Leistungen durch weitere Gesundheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz, beispielsweise zur Ergonomie und für alternsgerechtes Arbeiten. Insbesondere ältere Beschäftigte brauchen ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze, um ihre Aufgaben ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausführen zu können. Bei Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten körperlich besonders beansprucht werden, werden unterschiedliche Rotationsmodelle eingesetzt, um einseitige Belastungen möglichst zu vermeiden. Ergänzend dazu wurden für alle Führungskräfte in Produktion und Technik sowie für Kolleginnen und Kollegen, die neue Produktionsanlagen planen und einrichten, Ergonomieseminare eingeführt. Hierbei kommt ein Alterungsanzug, der sogenannte Age-Explorer, zum Einsatz, mit dessen Hilfe vor allem Jüngere erleben, wie sich ältere, körperlich belastete Kolleginnen und Kollegen bei der täglichen Arbeit fühlen. Dieses Wissen findet Eingang in zukünftige Anlagenentwicklung und Arbeitsplanung.
Das Arbeitssicherheitsmanagement von Hochland ist nach den international gültigen OHSAS-18001-Richtlinien (Occupational Health and Safety Assessment Series) zertifiziert. Auf dessen Basis werden mithilfe von Auditoren kontinuierlich potenzielle Gefahren ermittelt, erkannte Risiken, wo immer möglich, durch geeignete Präventionsmaßnahmen minimiert. Speziell zum Thema Arbeitssicherheit wurde der EVprocess®A gestartet mit dem Ziel, auf Dauer zu 100%ig sichere Handlungen zu erreichen.
Gesundes Leben und Arbeiten wird bei Bau-Fritz GmbH & Co. KG großgeschrieben. Das Unternehmen setzt auf ergonomische Arbeitsplätze, (tages-)lichtdurchflutete Produktionshallen, Holzfußböden und individuellen Gehör- und Augenschutz in der Produktion. Wo erforderlich, gibt es Hebevorrichtungen, um die körperlichen Belastungen der Beschäftigten so gering wie möglich zu halten. Außerdem existiert ein umfangreiches Präventionsprogramm, welches beispielsweise Gesundheitsmessungen, Vorträge, Kursangebote und ein Fahrradleasing umfasst.
Zusätzlich zum betrieblichen Eingliederungsmanagement gibt es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einmal pro Monat die Möglichkeit, eine anonyme Sozialberatung durch einen externen Anbieter zur Bewältigung individueller und sozialer Problemlagen in Anspruch zu nehmen.
Eine weitere Maßnahme mit dem Ziel, die Krankenquote im Unternehmen zu senken, sind die mit Einwilligung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stattfindenden Gesundheitsgespräche nach einer Arbeitsunfähigkeit.
Die BHS tabletop AG beschäftigt sich seit 2005 mit betrieblicher Gesundheitsförderung. Jährliche Gesundheitsprogramme beinhalten spezifische Angebote, die auch ältere Mitarbeiter ansprechen: Hautscreenings, Osteoporose-Checks, Sehtests und andere Angebote stoßen auf reges Interesse. Im Rahmen einer erfolgreichen Kooperation gibt hier seit Jahren die BARMER finanzielle und auch personelle Unterstützung.
„Gesunde Führung“ wird bei der BHS tabletop AG an ihren Standorten Selb, Schönwald und Weiden großgeschrieben. Alle Führungskräfte werden zu diesem Thema intensiv geschult. Der Schulungserfolg wird durch Mitarbeiterbefragungen abgesichert. Führungskräfte werden über Zielvereinbarungen beim Thema „Gesunde Führung“ gemessen. Gesundheitszirkel in den Bereichen Produktion und Logistik runden das Ganze ab. Außerdem existiert eine Betriebsvereinbarung zu Rückkehrgesprächen nach Krankheit, um individuelle oder systematische Verbesserungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsplatz einzuleiten oder die Arbeitsorganisation an die individuelle Gesundheitssituation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzupassen.
Eine jährliche Altersstrukturanalyse zeigt auf, wo rechtzeitige Nachfolgeplanung mit Personalentwicklung ansetzen kann, aber auch, wo es alterskritische Teamkonstellationen gibt. Betriebsbegehungen wurden unter dem Aspekt „alter(n)sgerechte Arbeitsplätze“ durchgeführt und Maßnahmen umgesetzt. Mit der Einführung der „i-gb Card“ (Initiative gesunder Betrieb) wurde 2017 dem Gesundheitsmanagement ein weiterer Baustein hinzugefügt, der jedem interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit gibt, finanziell unterstützte Gesundheitsangebote wahrzunehmen.
Seit dem 1. Januar 2019 gilt in der Feinkeramischen Industrie ein Demografie-Tarifvertrag, in dessen Rahmen 75 Euro pro Jahr der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einen Demografiefonds fließen. Bei der BHS tabletop AG haben sich die Betriebsparteien sehr schnell darauf geeinigt, dieses Geld ausschließlich und zusätzlich zu den bisher dafür aufgewendeten Mitteln für weitere Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Arbeitsplatzergonomie zu verwenden. Zusätzlich investiert die BHS tabletop AG auch in Personal. Eine Fachkraft für Betriebliches Gesundheitsmanagement wurde eingestellt, so dass die Gesundheitsangebote nicht nur noch professioneller ausgearbeitet und organisiert werden, sondern auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter/innen und Mitarbeiter an der Basis stärker aufgenommen werden können und die Führungskräfte als Träger und Multiplikatoren der Gesundheitsförderung größere Unterstützung erhalten. Das Gesundheitsbewusstsein der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist sicherlich auch durch die Angebote ihres Unternehmens in den letzten Jahren gestiegen, was sich nicht zuletzt an den jährlich steigenden Teilnehmerzahlen bei den Gesundheitsaktionen ablesen lässt.
Im Universitätsklinikum Augsburg existieren seit Langem etablierte Strukturen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM), in deren Mittelpunkt die Mitarbeitergesundheit und die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) mit Präventions-/Beratungs-/Unterstützungsangeboten stehen. Zum Angebot gehören arbeitsmedizinische Beratung und Vorsorge, arbeitsplatzbezogene Ausgleichsübungen, Bewegungs- und Entspannungsangebote, Arbeitsplatzmessungen (Beleuchtung, Lärm, Raumklima), ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes, Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes, Schulungen zum rückenschonenden Arbeiten, Schulungen (zum Beispiel: Sicherheit, Gesundheits- u. Brandschutz, Gefahr- u. Biostoffverordnung, Ernährung), Raucherentwöhnungskurse und Impfungen.
Die gestiegenen Belastungen, insbesondere im Bereich des Pflegedienstes, der Fachkräftemangel und eine älter werdende Belegschaft machten eine Konzeptentwicklung zur Gesunderhaltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung und Verhaltensprävention in Bezug auf ein ganzheitliches Altersübergangsmanagement notwendig.
Aus diesem Grund hat das Klinikum Augsburg von 1. November 2014 bis 30. Oktober 2018 am Projekt FISnet zum Teilvorhaben „Alternsgerechtes Arbeiten und Altersübergänge im Gesundheitswesen“ teilgenommen.
Ein Ergebnis der Teilnahme am Projekt war die Implementierung des ganzheitlichen Beratungsangebots „50 Plus“ für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Klinikum. Ziele sind unter anderem, bei der Doppelbelastung aus Arbeit und Angehörigenpflege und bei der Sorge um den Erhalt der eigenen Arbeitsfähigkeit bei zunehmender Arbeitsverdichtung zu unterstützen sowie zeitnahe, zielgerichtete, vernetzte, individualisierte Hilfsangebote zu vermitteln. Zudem sollen Überforderungssituationen durch systemische Beratung zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit beitragen.
Darüber hinaus wurden tätigkeitsbezogene Ausgleichs- und Entlastungsübungen eingeführt, die aktive und gesunde Pausengestaltung in den Blick genommen, die Führungskräfte tätigkeitsspezifisch hinsichtlich alternsgerechter und gesundheitsgerechter Führung sensibilisiert und im Pflegedienst Kinästhetik für mehr körperliche Entlastung der Pflegekräfte und zugleich das Prinzip der aktivierenden Pflege eingeführt und nachhaltig umgesetzt.
In Zusammenarbeit mit den Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten der Kooperationskrankenkassen des Klinikums Augsburg, der BKK Stadt Augsburg und der AOK Bayern werden die Schulungen zu den bereichsbezogenen Ausgleichsübungen für interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsplatz mit dem Ziel der Verstetigung über das Projektende hinaus angeboten.
Im November 2019 ist das zugehörige und alle oben genannten Maßnahmen integrierende Konzept für ein agiles, vernetztes, systematisches und datengestütztes Betriebliches Gesundheitsmanagement am Universitätsklinikum Augsburg vom Gesamtvorstand verabschiedet worden.
Die Josef Urzinger Textilmanagement GmbH richtet, wo es möglich ist, ergonomische Arbeitsplätze ein, stattet die Arbeitsplätze mit Anti-Ermüdungsmatten aus und bietet individuellen Gehörschutz in der Produktion. Spezielle Wäscheabsaugvorrichtungen oder Zughilfen für Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen halten die körperlichen Belastungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so gering wie möglich. Zudem erfolgte in der Vergangenheit gemeinsam mit dem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) von Urzinger und der AOK eine Arbeitsplatzbegehung, auf deren Basis für jede Tätigkeit/jeden Arbeitsplatz spezielle, während der Arbeitszeit durchführbare, kleine Übungseinheiten zusammengestellt wurden, um einseitigen Belastungen/Fehlbelastungen vorzubeugen. Der Landshuter Firmenlauf, sowohl als Team- als auch Gesundheitsevent, erfreut sich großer Resonanz bei den Mitarbeiterinnen und Mirarbeitern und ist ein fester Termin bei Urzinger. Zudem werden im Rahmen des BEM Mitarbeiter-Gesundheitsgespräche auf freiwilliger Basis nach einer Arbeitsunfähigkeit angeboten. Einmal pro Woche gibt es einen Massage-Tag und einen Obst-Tag.
Berufliche Weiterbildung und lebensbegleitendes Lernen
Berufliche Weiterbildung stärkt Menschen – und macht Unternehmen zukunftsfähig. Lernen begleitet alle Lebensphasen und entwickelt sich mit dem Beruf. Zur Sicherung und Entwicklung des Arbeitskräftepotenzials gewinnt genau das immer mehr an Bedeutung. Jede und jeder trägt Verantwortung: für das eigene Wissen, für die persönliche Entwicklung. Im Betrieb übernimmt die Wirtschaft einen großen Teil davon.
Viele Unternehmerinnen und Unternehmer verankern Weiterbildung fest in ihrer Kultur – offen für alle Altersgruppen, eingebunden in den Arbeitsalltag. So entsteht Bewegung – im Denken, im Handeln, im Team.
Weitere nützliche Links für Beschäftigte
- Online-Portal „komm weiter in B@yern“ mit Kurs- und BeratungsangebotenExterner Link öffnet in neuem Fenster
- Beratungsangebot der Weiterbildungsinitiatorinnen und -initiatoren in BayernExterner Link öffnet in neuem Fenster
- IHK-Weiterbildungsberatung Externer Link öffnet in neuem Fenster
- Informationen zur Weiterbildung auf der Website der Bundesagentur für ArbeitExterner Link öffnet in neuem Fenster
Weitere nützliche Links für Unternehmen
- Bayerns zentrales Online-Portal „komm weiter in B@yern“ mit Förderungen und Beratungsangeboten für UnternehmenExterner Link öffnet in neuem Fenster
- Taskforce Fachkräftesicherung FSK+ des Verbands der Bayerischen WirtschaftExterner Link öffnet in neuem Fenster
- Qualifizierungsoffensive der Bundesagentur für ArbeitExterner Link öffnet in neuem Fenster
- Angebot der bayerischen Industrie- und HandelskammernExterner Link öffnet in neuem Fenster
- Weiterbildungsberatung der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen HandwerkskammernExterner Link öffnet in neuem Fenster
- Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes BayernExterner Link öffnet in neuem Fenster
Best-Practice-Beispiele
Die OHB System AG in Oberpfaffenhofen gehört zu den drei führenden Raumfahrtunternehmen Europas und setzt auf Erfahrung und Austausch zur langfristigen Sicherung von Wissen im Unternehmen. In der Raumfahrt mit ihren typischerweise Einzelprojekten gelten eigene Gesetze – auch bei der Qualifikation der Beschäftigten. Entsprechend wichtig sind für die OHB System AG daher Expertinnen und Experten. Ihr Wissen und ihre Erfahrung lassen sich nur mit der richtigen Strategie auf Dauer bewahren und nutzen. So arbeiten bei der OHB System AG altersgemischte Teams an zentralen europäischen Raufahrtprogrammen. Dabei finden nicht selten jahrzehntelange Erfahrung aus ganz unterschiedlichen Disziplinen, frische Ideen und neue Herangehensweisen aufs Beste zusammen. So wächst mit jedem Raumfahrtprojekt der Erfahrungsschatz aller Beteiligten. Die nächste Generation ist bei OHB oft bereits beim Projektstart dabei. Im Idealfalle übernimmt dann jemand aus den eigenen Reihen den Staffelstab beim altersbedingten oder unerwarteten Ausscheiden von Kolleginnen oder Kollegen.
Weil eine systematische Nachfolgeregelung schon weit vorher ansetzen muss, ist das Weitergeben von Wissen für die OHB von zentraler Bedeutung. Bei den jährlichen Mitarbeitergesprächen werden Perspektiven und Notwendigkeiten zur Weiterbildung diskutiert; bei der OHB System AG selbstverständlich bis hin zum Eintritt in den Ruhestand. Für das Hochtechnologieunternehmen ist das lebenslange Lernen seiner Beschäftigten entscheidend, um fachlich weiterhin die Nase vorn zu haben und um dauerhaft im Wettbewerb bestehen zu können. Daher wird auch die Weiterbildung der Fachkräfte, Ingenieurinnen und Ingenieure individuell abgestimmt und geplant.
Hochland fördert die Weiterentwicklung aller Beschäftigten, auch bei ungewöhnlichen Entwicklungswegen. Dazu gehören Wechsel zwischen Abteilungen und Standorten sowie internationaler Austausch, Führungsprogramme, Techniker- und Meisterförderungen, Sprachkurse oder Fachseminare. Damit sichert Hochland die Qualifikation seiner Fach- und Führungskräfte. Ein besonderes Angebot besteht in der sogenannten Spätlehre, der Ausbildung zur Milchtechnologin bzw. zum Milchtechnologen, die ungelernten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, sich beruflich weiter zu entwickeln.
Rund um die VUCA*-World verändert sich unsere Organisation stetig und dadurch ist es auch notwendig, unsere Personalentwicklungsmaßnahmen ständig auf diese Veränderungen anzupassen.
*VUCA-World = eEine Welt, die geprägt ist von Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit (englisch: volatility, uncertainty, complexity und ambiguity)
Bei Urzinger existiert ein jährlicher Schulungsplan, wonach beispielsweise Führungskräfte in neuen Produktionsabläufen oder –techniken geschult werden und diese Kenntnisse als Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren an das Team weitergeben. Zudem gibt es einmal jährlich Coachings/Workshops für alle Mitarbeiter, in denen vor allem Soft-Skills und Teamthemen bearbeitet werden.
Bei Urzinger arbeiten Menschen aus 35 verschiedene Nationen zusammen, weshalb der Betrieb Deutschkurse fördert. Aber auch die Qualifizierung von Un- und Angelernten zu Fachkräften wird unterstützt, beispielsweise absolvieren im Moment zwei ehemalige Produktionsmitarbeiterinnen eine Ausbildung zur Fachkraft für Lager und Logistik.