Jugend im Gespräch mit dem Gesundheitsministerium!

Junge Perspektiven. Klare Ansagen. Am 22. April 2024 trafen sich Jugendliche und junge Volljährige im Bayerischen Gesundheitsministerium mit den Staatsministerinnen Ulrike Scharf und Judith Gerlach. Im Fokus: frische Ideen und starke Impulse für Gesundheit und Prävention.

Eine Frau hält eine Keynote auf den Jugendpolitiktagen in Bayern.
StMAS/Nötel

Junge Impulse, starke Ergebnisse

Frische Ideen im Bayerischen Gesundheitsministerium: Am 22. April 2024 haben 30 Jugendliche und junge Volljährige aus ganz Bayern das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) besucht und frischen Blick, ehrliche Fragen und klare Ansagen mitgebracht.

Nach der Begrüßung haben Teams aus Jugend- und Gesundheitsministerium gezeigt, welche Themen sie gerade beschäftigen. Ein lockerer Einstieg öffnete die Runde. Danach ging es direkt zur Sache: Versorgung, Prävention, mentale Gesundheit – vieles lag offen auf dem Tisch, vieles bekam neuen Schwung.

Zum Schluss diskutierten Gesundheitsministerin Judith Gerlach und Jugendministerin Ulrike Scharf mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Runde sprach über Wünsche, Hürden und Ideen, die den Jugendlichen und jungen Volljährigen wichtig sind. Am Ende blieb das Gefühl: Junge Perspektiven bringen Bewegung in die Gesundheitspolitik.

Bayerisches Gesundheitsministerium

Gesundheit, Pflege, Prävention – darum dreht sich die Arbeit des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention. Im StMGP treffen medizinisches Wissen, praktische Erfahrung und neue Ideen aufeinander: Versorgungskonzepte wachsen, Vorsorge gewinnt an Kraft, Gesundheitsangebote entwickeln sich weiter. Seit über einem Jahrzehnt gestaltet das Ministerium die Gesundheits- und Pflegepolitik in Bayern – zugewandt, modern und mit Blick nach vorn.

Fachleute aus Medizin, Pflege, Wissenschaft und Verwaltung arbeiten hier Seite an Seite. Ihr gemeinsames Ziel: Gesundheit schützen, Pflege stärken und Menschen in allen Lebensphasen unterstützen.

Bei den Bayerischen Jugendpolitiktagen hat das StMGP seine Türen geöffnet und gezeigt, wie Gesundheitspolitik entsteht: Wer setzt Impulse? Wie entsteht ein Versorgungskonzept? Und wie entfalten gute Ideen Wirkung in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder im Alltag junger Menschen?

Ein direkter Blick hinter die Kulissen – mitten in der bayerischen Gesundheitswelt.

Einblicke

Alles auf einen Blick – das Graphic Recording fasst den Tag lebendig zusammen. Wer noch tiefer eintauchen will: Die Video-Einblicke zeigen Stimmen, Themen und Atmosphäre.

Logo "Bayerische Jugendpolitiktage" vor blauem Hintergrund

Themen der Workshops – Antworten der Fachleute (Stand 22. April 2024)

Themenfeld KI, Robotik und digitale Transformation im Gesundheitswesen

Das Themengebiet „Digitale Gesundheitsversorgung“ umfasst viele unterschiedliche Akteure, Organisationen und Anspruchsgruppen, wobei technische Möglichkeiten mit Datenschutz und ethischen Fragestellungen abgewogen werden müssen.

Als ein grundsätzlicher Baustein einer digitalen Gesundheitsversorgung in Deutschland wird die Telematikinfrastruktur (TI) gesehen. Diese soll alle Akteure des deutschen Gesundheitswesens (Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräfte, Apothekerinnen und Apotheker) im Geltungsbereich der Gesetzlichen Krankenversicherung (und perspektivisch der Privaten Krankenversicherungen) sicher miteinander verbinden. Die geschlossene Infrastruktur stellt zusätzliche Anwendungen bereit, beispielsweise den TI-Messenger. Über diesen können Gesundheitsberufe sicher und unkompliziert über Kurznachrichten miteinander kommunizieren, eine Art „WhatsApp für das Gesundheitswesen“. 

Die elektronische Patientenakte (ePA) ermöglicht Patientinnen und Patienten die Einsicht in ihre Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen, Behandlungsberichte, den Medikationsplan und den Notfalldatensatz. Sie können diese Informationen auch ihren Ärztinnen und Ärzten, therapeutischen Kräften und Apotheken zur Verfügung stellen.

Das durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) geförderte Forschungsprojekt digiOnko verdeutlicht die Möglichkeiten digitaler Medizin am Beispiel von Brustkrebs und verbindet diese mit Patientinnen, die sich über Brustkrebs-Prävention und Früherkennung sowie Therapie und Nachsorge informieren möchten. 

Hierfür wird unter anderem eine Präventionsapp bereitgestellt, um das Therapie-Management, die Kommunikation zwischen Behandelnden und Erkrankten und auch die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern. Die zentralen Forschungsfragen hierzu spiegeln die Herausforderungen einer digitalen Gesundheitsversorgung wider:

  • Anforderungen und Akzeptanz: Wie schaffen wir Akzeptanz, sowohl bei Patientinnen und Patienten als auch bei Medizinerinnen und Medizinern? Ärztliches Personal soll entlastet, nicht ersetzt werden.
  • Usability und User Experience: Wie können die Nutzerfreundlichkeit und eine positive Nutzererfahrung gestaltet werden, gerade bei sensiblen Gesundheitsthemen? 
  • Dateninteraktion und -souveränität: Wie soll in Zukunft mit Daten interagiert werden, wer entscheidet über Gesundheitsdaten? 
  • Versorgungsverbesserung und Patientenzentrierung: Wie kann mit den gewonnenen Daten die Versorgung verbessert werden? Wie kann eine personalisierte Präzisionsmedizin ermöglicht werden?

Im Workshop wurden die zahlreichen digitalen Lösungsansätze und die ethischen Fragestellungen hinsichtlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen sowie die Spende von persönlichen Gesundheitsdaten für die Forschung diskutiert. 

Die Jugendlichen kamen zum Schluss, dass ein zentraler Einstiegspunkt die fragmentierten digitalen Gesundheitsangebote – von der ePA bis hin zu den zahlreichen Gesundheitsapps der Appstores – zusammenführen könnte. Diese „App für alle(s)“ könnte mehrsprachig und in leichter Sprache relevante Informationen vorlesen, online Termine in der hausärztlichen Praxis vereinbaren oder individuelle Tipps zur Prävention vorschlagen. Zusätzlich könnten auf freiwilliger Basis Daten zu Forschungszwecken gespendet werden.

Weiterführende Informationen:

Themenfeld Organspende – zwischen Freiheit und Verantwortung

Die moderne Medizin ist in der Lage, durch die Transplantation von Organen oder Gewebe das Leben vieler Menschen zu retten, zu verlängern und ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern. 

Das Bayerische Gesundheitsministerium setzt sich seit vielen Jahren für die Organspende ein. Das Thema liegt Gesundheitsstaatsministerin Judith Gerlach persönlich am Herzen. Nach wie vor warten allein in Bayern etwa 1.200 Menschen auf ein Organ zur Transplantation. Die meisten Bürgerinnen und Bürger stehen der Organ- und Gewebespende grundsätzlich positiv gegenüber – das ist ein wichtiges Signal und zeigt das enorme Potenzial bei der Organspende. Aber nur 44 Prozent der Menschen in Deutschland haben einen Organspende-Ausweis oder eine Patientenverfügung, die sich mit der Organ- und Gewebespende befasst. 

Ziel des Bayerischen Gesundheitsministeriums ist daher, dass sich mehr Menschen mit dem Thema Organspende auseinandersetzen. Daher ist es dem Bayerischen Gesundheitsministerium ein Anliegen, durch Aufklärungs- bzw. Öffentlichkeitsarbeit die Bevölkerung umfassend über das lebenswichtige Thema Organspende zu informieren und so zu motivieren, eine Entscheidung zu treffen.

Das Bayerische Gesundheitsministerium führt seit mehr als 20 Jahren zusammen mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der LMU Klinik München die Veranstaltungsreihe „Schulklassen in Transplantationszentren“ am Transplantationszentrum der LMU Klinik Großhadern sowie seit mehr als zwölf Jahren zusammen mit dem Uniklinikum Erlangen am dortigen Transplantationszentrum durch. 

Die Schülerinnen und Schüler sollen umfassend aufgeklärt und bei der eigenen Meinungsbildung unterstützt werden. Mit der aktuellen Social-Media-Aufklärungskampagne: „Du entscheidest! Organspende? Deine Wahl“ sowie mit den Vorgängerkampagnen mit dem Motto „Keine Ausreden – Entscheide Dich jetzt“ konnte bereits ein breites Publikum erreicht werden. Die Videos/Posts wurden millionenfach angeklickt. Mit den Videos/Posts soll zum Nachdenken – und idealerweise zum Ausfüllen eines Organspende-Ausweises – angeregt werden.

Im Rahmen des durchgeführten Workshops haben sich die Jugendlichen generell für die Organspende ausgesprochen. Aus ihrer Sicht ist die Organspende selbstverständlich für eine solidarische Gesellschaft. Die Jugendlichen haben sich für die Einführung einer Widerspruchslösung platziert, da sie aus ihrer Sicht geeignet wäre, die Zahl der Organspenden zu steigern, aber dennoch die Selbstbestimmung der Bürgerinnen und Bürger nicht tangiert und niemand zu einer Organspende gezwungen werden würde. 

Unabhängig von der Einführung einer Widerspruchslösung befürworten die Jugendlichen, dass die Bürgerinnen und Bürger auch die Option haben, ihre Organe nach dem sogenannten Herztod (Tod nach irreversiblen Herz-Kreislauf-Stillstand) zu spenden. Sie würden hier vorschlagen, dass es auf dem Organspendeausweis bzw. im Online-Register eine weitere Ankreuzmöglichkeit geben soll, dass nicht nur nach dem Hirntod eine Organspende in Betracht kommt, sondern man positiv zustimmen kann, dass man auch der Organspende nach Herztod zustimmt. 

Die Jugendlichen fordern eine verstärkte Aufklärungsarbeit an den Schulen. Von der Schulleitung oder der Schülermitverwaltung sollen zwingend regelmäßige Aufklärungstage oder Workshops angeboten werden. Ein Vorschlag wäre, dass das Thema auch in den Lehrplan aufgenommen wird, so dass es nicht dem guten Willen der jeweiligen Schulen überlassen bleibt.

Das Bayerische Gesundheitsministerium befürwortet die Einführung einer Widerspruchslösung. Die Organspende wäre dann der Normalfall. Jeder und jede wäre automatisch Organspender, könnte dem aber aktiv widersprechen. Dass eine starke Aufklärungsarbeit von den Jugendlichen gewünscht ist, bestätigt das Gesundheitsministerium darin, an der bewährten Veranstaltungsreihe „Schulklassen in Transplantationsklassen“ festzuhalten.

Themenfeld Prävention und Gesundheitsförderung – Gesundheit ein Leben lang

Leitgedanke der bayerischen Politik ist, die Gesundheit zu schützen und zu stärken, um den Menschen im Freistaat ein möglichst gesundes und langes Leben zu ermöglichen. Dabei ist Prävention heute wichtiger denn je: Veränderte Lebens- und Arbeitsverhältnisse und daraus resultierende Zivilisationskrankheiten, globale Krisen, der demografische Wandel und der Fachkräftemangel stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. 

Mit einem bayerischen Masterplan, der gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie unseren Partnern in Prävention und Gesundheitsförderung entwickelt wird, legen wir die Strategie fest, wie die Menschen im Freistaat in ihren Möglichkeiten unterstützt werden können, ein langes und gesundes Leben zu führen. 

Dabei nimmt das Bayerische Gesundheitsministerium folgende Themen besonders in den Blick: 

  • die häufigsten körperlichen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes
  • die häufigsten psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen
  • Suchterkrankungen und Substanzkonsum
  • Prävention im Infektionsschutz, dazu gehören Impfungen, Hygiene, HIV/STI-Prävention
  • klimaassoziierte Erkrankungen wie hitzebedingte Erkrankungen, Allergien, durch Insekten übertragbare Infektionen

Mit jährlich wechselnden Jahresschwerpunkten stellt das StMGP besonders relevante Gesundheitsthemen in den Mittelpunkt der Präventionsaktivitäten; 2024 ist es das Thema Frauengesundheit. Denn Mädchen und Frauen sind anders von häufigen Erkrankungen betroffen als Männer, das zeigt sich etwa bei Herzinfarkten. Außerdem gibt es Krankheiten und Risikofaktoren, die bei Frauen häufiger sind, oder solche, die ausschließlich bei ihnen vorkommen. Als Auftakt für das Thema wurde am 29. April 2024 ein Runder Tisch zum Thema Mädchengesundheit veranstaltet. 

Schwerpunkte liegen hier vor allem auf den Themen Bewegung und Sport, Selbstbild und Essstörungen sowie auf Möglichkeiten der Vorsorge mit einer speziellen Vorsorgeuntersuchung „Mädchensprechstunde M1“. Zwei engagierte Teilnehmerinnen des Workshops „Gesundheitsförderung und Präventionsstrategien“ nahmen auch am Runden Tisch zur Mädchengesundheit teil, um ihre Sicht auf diese Themen mit Staatsministerin Judith Gerlach, MdL und allen eingeladenen Präventionsakteuren zu teilen.

Die Ideen der Jugendlichen zur Stärkung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während des Workshops bezogen sich dabei vor allem auf die Suchtprävention, insbesondere die Mediensucht. Um den damit einhergehenden körperlichen und psychischen Folgen vorzubeugen, regten die Jugendlichen an, eine Informationskampagne zur Mediensucht durchzuführen, Aufklärungsangebote für Eltern zu schaffen sowie Peer-to-peer-Informationsangebote zum Thema Mediennutzung und Mediensucht ins Leben zu rufen.  

Antwort des StMGP:

Die Diskussion um den Einfluss digitaler Medien auf das tägliche Leben, insbesondere auf die jüngere Generation, ist zweifellos von großer Relevanz und Komplexität. Eine umfassende Medienerziehung und -kompetenz ist entscheidend, um Kinder und Jugendliche zu befähigen, verantwortungsbewusst mit digitalen Medien umzugehen. In Bayern ist die Medienbildung bereits als ein zentrales und fächerübergreifendes Bildungs- und Erziehungsziel verankert. Bayern hat mit dem Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG) und der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen (BAS) schlagkräftige Institutionen, die im Dialog mit Fachleuten, pädagogischen Fachkräften und Eltern eine umfassende Medienerziehung für Kinder und Jugendliche sicherstellen. 

Die Bayerische Staatsregierung setzt sich mit verschiedenen Projekten für die Medienkompetenzförderung ein, z. B. mit der Initiative Medienführerschein, die kostenlose Materialien für verschiedene Schulstufen bereitstellt. Die App „Wo ist Goldi“ ermöglicht das spielerische Erlernen von Medienkompetenz. Peer-Projekte wie „Net-Piloten“ oder „Netzgänger 3.0“ sensibilisieren zur verantwortungsvollen Mediennutzung. Aufklärungsangebote für Eltern bietet beispielsweise das Projekt "ELTERNTALK" der Aktion Jugendschutz e. V., welches Eltern in ihrer Erziehungskompetenz stärken soll und moderierte Treffen anbietet. Dabei geht es auch um Erziehungstipps im Umgang mit der Internetnutzung, der Vorbeugung exzessiven Computerspielkonsums sowie Informationen über geeignete Internetseiten für Kinder- und Jugendschutzprogramme.

Informationen rund um das Thema Mediennutzung und Medienkompetenz sowie zum Projekt „Net-Piloten“ in Bayern sind auf der Website des ZPG zu finden.

Themenfeld Pflege – zwischen Fachkräftemangel und Professionalisierung

Ohne die berufliche Pflege als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen in Bayern ist eine zukunftsfähige, qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung nicht denkbar. Jedoch herrscht bereits jetzt ein großer Fachkräftemangel. Ziel muss deshalb sein, die Attraktivität des Berufsfelds zu steigern und so mehr Menschen für eine dauerhafte Tätigkeit in der Pflege zu gewinnen und dort zu halten. Um den aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden, kommt es auf ein neues, ganzheitliches Verständnis vom Pflegeberuf und auf Professionalisierung an.

Seit 2020 gibt es den neuen generalistischen Abschluss in der Pflege. Die zukünftigen Pflegefachfrauen und 
-männer können Menschen aller Altersstufen und in allen Versorgungsbereichen pflegen. Das heißt, jeder Pflegefachfrau bzw. jedem Pflegefachmann steht mit dem Abschluss eine Tätigkeit in allen Versorgungsbereichen offen. Nähere Informationen zur Ausbildung sind unter den folgenden Links zu finden:

So wird der Pflegeberuf attraktiver

Die Einführung des primärqualifizierenden Pflegestudiums hat dazu beigetragen, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. Die Ausbildung ist ebenfalls generalistisch ausgelegt, aber vermittelt neben den erforderlichen fachlichen und persönlichen Kompetenzen auch wissenschaftliche Grundlagen. Damit erhalten Pflegekräfte noch mehr Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Durch das Pflegestudiumstärkungsgesetz erhalten Pflegestudierende seit 2024 ebenfalls eine Ausbildungsvergütung.

Mit dem Pflegeberufegesetz sind zum 1. Januar 2020 die sogenannten Vorbehaltsaufgaben in Kraft getreten. Die in Paragraf 4 im Gesetz über die Pflegeberufe (PfBG) festgelegten Aufgaben dürfen ausschließlich durch Pflegefachpersonen ausgeübt werden. In diesen Verantwortungsbereichen dürfen die Pflegefachpersonen vollständig autonom entscheiden und tragen somit die volle Verantwortung. Dies trägt ebenfalls zur Stärkung der Fachlichkeit und Stellung der Pflegefachpersonen bei. 

Die derzeit in Planung und Umsetzung befindlichen Bundesgesetzgebungsverfahren zum Pflegekompetenzgesetzt (PflKompG) und Pflegestudiumstärkungsgesetz (PflStuStG) sehen eine Erweiterung der Kompetenzen von Pflegefachkräften vor. Hierbei liegt der Fokus insbesondere auf der Übertragung heilkundlicher Tätigkeiten an hierfür ausgebildete Pflegefachpersonen und zielt zudem auf eine verbesserte Kooperation der Berufsgruppen im Sinne einer Interprofessionalität und damit zu einer verbesserten Versorgung sowie einem ressourcenschonenderen Personaleinsatz ab.

Besonders bedeutend für Pflegekräfte sind verlässliche und individuell zur Lebenssituation passende Dienstpläne. Wichtig ist, dass die Pflegekräfte auf die Arbeitsgestaltung Einfluss nehmen können und sie verlässlich Freizeit haben. Das StMGP fördert dazu mit rund 630.000 Euro ein Forschungsvorhaben der Universität Bayreuth, in dessen Rahmen mögliche partizipativ gestaltete und allgemein akzeptierte Dienstplanmodelle für Pflegekräfte in Krankenhäusern identifiziert und evaluiert werden, um eine Basis für eine Einführung auf breiter Ebene zu schaffen.

Springerkonzepte sind ein wichtiger Baustein für mehr Gesundheit und Zufriedenheit des Pflegepersonals. Sie stehen für verlässliche Ruhezeiten und Dienstpläne und sind damit geeignet, die vielfach kritisierten Rahmenbedingungen in der Pflege zu verbessern und einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu leisten. Sie tragen auch dazu bei, den Einsatz von Leiharbeit einzudämmen, vorhandenes Personal zu halten und neues zu gewinnen. 
Das StMGP fördert daher mit einer Summe von bis zu 7,5 Mio. Euro ein Modellprojekt, in dem mehr als 30 innovative Springerkonzepte in Langzeitpflegeeinrichtungen (im ambulanten und stationären Bereich) in den Jahren 2023/2024 erprobt, wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden. Ein Ziel des Projekts ist es, Möglichkeiten und Konsequenzen der Finanzierung von einrichtungseigenen Springerkonzepten im Regelbetrieb über Pflegesatz- bzw. Pflegevergütungsverhandlungen aufzuzeigen. Dies ist erforderlich, um perspektivisch eine flächendeckende Umsetzung zu ermöglichen.

Zudem ist wichtig, dass Krankenhäuser spürbar von Bürokratie entlastet werden, damit sich die Pflegekräfte in den Kliniken wieder mehr Zeit für die Patientenversorgung nehmen können. Dazu hat das StMGP im Jahr 2023 das „Modellprojekt Bürokratieabbau in Bayerischen Krankenhäusern“ durchgeführt, gemeinsam mit allen wesentlichen Akteuren. Krankenhäuser, MD Bayern und die AOK Bayern haben dabei selbst Lösungen im Rahmen des geltenden Rechts erarbeitet, die nun in den Krankenhäusern umgesetzt werden und diese nach eigener Auskunft wirksam bei Dokumentation und Mehrfachmeldungen entlasten. Weitere Maßnahmen müssen nun auf Seiten des Bundesgesetzgebers ergriffen werden. Der Ergebnisbericht mit dem erstellten Handlungsplan kann unter folgendem Link bestellt werden:

Ebenfalls in der Langzeitpflege ist der Abbau von Bürokratie ein großes und wichtiges Thema des StMGP. Grundsätzlich ist das Führen einer Dokumentation zuallererst eine pflegefachliche Notwendigkeit, um eine strukturierte angemessene Pflege und Betreuung für die versorgten Pflegebedürftigen sicherzustellen. Dafür ist die Pflegedokumentation unerlässlich. Sie ermöglicht ein einheitliches Vorgehen aller an der Pflege und Betreuung beteiligten Personen und sie erleichtert die Evaluation und Anpassung der pflegerischen Maßnahmen. In der Praxis ergeben sich zahlreiche Dokumentationsanforderungen gerade im ambulanten Bereich allerdings faktisch aus den Vorgaben für die Abrechnung von Leistungen. Das Pflegeversicherungsrecht muss nach Ansicht des Bayerischen Gesundheitsministeriums konsequent vereinfacht und flexibilisiert werden. Es beruht jedoch auf Bundesrecht, dass nur durch die Bundesregierung und nicht auf Landesebene geändert werden kann.

Seit 2013 unterstützt das Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention das auf Bundesebene installierte „Projekt zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation in der ambulanten und stationären Langzeitpflege“ und das daraus entstandene Strukturmodell zur Entbürokratisierung. Um die Belastung der Pflegenden durch unnötige Dokumentationsanforderungen einzudämmen und um die Pflegekräfte zu entlasten, arbeiten das Bayerische Gesundheitsministerium, das Landesamt für Pflege, der Medizinische Dienst Bayern und die Fachstellen für Pflege- und Behinderteneinrichtungen – Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA) in der „Initiative Klartext Pflegedokumentation“ (IKP) gemeinsam an den vielfältigen Herausforderungen zur Pflegedokumentation. Die IKP wird auf einer Homepage abgestimmte Informationen zur Pflegedokumentation allen bayerischen Einrichtungen zur Verfügung stellen, damit überbordende Dokumentationen in der eigenen Einrichtung identifiziert und abgebaut werden können. Auf der Homepage soll zudem ein Fakten-Check Pflegedokumentation veröffentlicht werden.

Ein weiterer wichtiger Baustein zur Gewinnung von Fachkräften ist die Bereitstellung von angemessenem und vor allem auch bezahlbarem Wohnraum.

Die Staatsregierung unterstützt deshalb öffentliche und private Bauherren durch verschiedene Wohnraumförderprogramme, die auch von Einrichtungsträgern im Krankenhaus- und Pflegebereich in Anspruch genommen werden können. Ganz wesentlich sind auch die Kommunen gefordert. Unter der Federführung des zuständigen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr wurde deshalb Anfang des Jahres 2024 nach Beratungen mit dem StMGP ein neuer Zuschuss „Förderbonus Daseinsvorsorge“ im Kommunalen Wohnraumförderungsprogramm (KommWFP) umgesetzt, mit dem Kommunen noch besser beim Bau von Wohnungen für Berufsangehörige der Daseinsvorsorge, also auch für Pflegekräfte, unterstützt werden.

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