Wenn Menschen zusammenkommen, entstehen Lösungen – für ein gutes Miteinander vor Ort, das Leben im Alter oder für Inklusion. Sozialgenossenschaften machen genau das möglich. Das Bayerische Sozialministerium unterstützt diese Initiativen gezielt mit einer Anschubfinanzierung.
Sozialgenossenschaften in Bayern

Gemeinsam handeln – statt allein kämpfen
Überall in Bayern schließen sich Menschen zusammen, um vor Ort etwas zu bewegen – im sozialen Bereich, in der Pflege, bei neuen Wohnformen oder regionaler Nahversorgung. Sozialgenossenschaften schaffen genau dafür den Rahmen.
Der Freistaat Bayern stärkt diesen Weg. Wer eine Sozialgenossenschaft gründet, kann dafür eine Anschubfinanzierung von bis zu 30.000 Euro durch das Bayerische Sozialministerium erhalten. Damit aus Engagement echte Strukturen werden. Und aus starken Ideen starke Gemeinschaften.
Gemeinsam mehr erreichen
Wenn Menschen sich zusammenschließen, entsteht daraus Kraft: für Ideen, für Projekte, für ein gutes Miteinander. Genau das ist der Kern der Genossenschaftsidee – seit über 150 Jahren. Friedrich Wilhelm Raiffeisen brachte es auf den Punkt: „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.“
Genossenschaften verbinden wirtschaftliches Handeln mit klaren Werten: Solidarität, Mitbestimmung und Selbsthilfe. Sie tragen sich aus eigener Kraft, sind unabhängig von Subventionen oder Renditedruck – und genau deshalb oft besonders beweglich, nah an den Menschen und stark in der Umsetzung. Ein Modell, das damals wie heute überzeugt.
Miteinander stemmen, was allein zu schwer wäre
Wenn soziale Ideen an den Start gehen, braucht es aber mehr als Überzeugung – nämlich Kapital, Planung und viele helfende Hände. Genau hier setzen Sozialgenossenschaften an: Menschen schließen sich zusammen, bringen Wissen, Engagement und Geld ein – und verwirklichen gemeinsam, was allein kaum möglich wäre.
So entstehen Kitas, Dorfläden oder Pflegeangebote mit echtem Mehrwert für die Region. Sozialgenossenschaften stärken das Miteinander, beleben das Ehrenamt und bereichern die soziale Infrastruktur in Bayern – als starker Partner neben Wohlfahrt, Zivilgesellschaft und Sozialunternehmen.
Darum lohnen sich Sozialgenossenschaften
Sozialgenossenschaften stehen für ein einfaches, aber starkes Prinzip: gemeinsam machen, was allein kaum gelingt. Wer mitmacht, gestaltet mit – von der Idee bis zur Finanzierung. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Gewinne gemeinsam genutzt.
Die erwirtschafteten Überschüsse fließen nicht an Dritte, sondern direkt an die Mitglieder oder kommen dem gemeinsamen Zweck zugute. Das schafft echten Mehrwert.
In einer Genossenschaft haben alle Mitglieder dasselbe Mitspracherecht – unabhängig von der Höhe ihrer Anteile. Das erfordert manchmal mehr Abstimmung, bringt aber auch mehr Beteiligung und Rückhalt.
Wer mitmachen will, kann das unkompliziert tun – und bei Bedarf auch wieder aussteigen. Anders als bei anderen Rechtsformen ist die Mitgliedschaft flexibel. Nur drei Mitglieder braucht es dauerhaft, damit die Genossenschaft bestehen kann.
Auch ohne Eigenkapital kann’s losgehen. Eine Sozialgenossenschaft braucht kein Mindestkapital – das macht sie besonders für Gründerinnen und Gründer attraktiv. Notarkosten fallen natürlich trotzdem an.
Die Haftung bleibt auf das Vermögen der Genossenschaft begrenzt. Wer gründet, geht also kein privates Risiko ein – ein weiterer Pluspunkt für alle, die gemeinsam Verantwortung übernehmen wollen.
Sozialgenossenschaften in Aktion
Wer wissen will, wie Sozialgenossenschaften funktionieren – und warum sie so viel bewegen –, bekommt hier filmische Einblicke: mit echten Beispielen, klugen Ideen und starken Gründerinnen und Gründern.
Genossenschaften – viele Formen, ein Prinzip
Sozialgenossenschaften entstehen dort, wo Menschen anpacken, statt abzuwarten – solidarisch, eigenverantwortlich, mit Blick aufs Wesentliche. Sie dienen ganz unterschiedlichen Zwecken, etwa:
- zur Selbsthilfe von Betroffenen
- als Plattform für ehrenamtlich Engagierte
- für Leistungen, die bisher noch fehlen
In einer Sozialgenossenschaft kann grundsätzlich jede natürliche und juristische Person Mitglied werden – also engagierte Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Vereine, Organisationen, Unternehmen und Gemeinden.
Was Sozialgenossenschaften möglich machen
Sie schaffen Lösungen für viele Lebenslagen – zum Beispiel:
- Mehrgenerationenhäuser und Dorfcafés als Treffpunkt für Jung und Alt
- Unterstützung im Familienalltag
- berufliche Perspektiven für Jugendliche
- selbstbestimmtes Leben im Alter, durch neue Mobilitäts- oder Wohnformen
- Wohnprojekte für Menschen mit Behinderung, gemeinschaftlich organisiert
- Pflegeangebote, die bestehende Lücken schließen
- Nachbarschaftshilfen, die Nähe und Verlässlichkeit bieten
- Angebote für Menschen mit Migrationsgeschichte, die Teilhabe erleichtern
- Seniorentreffs oder Dorfläden, die Nahversorgung sichern
Jede Genossenschaft ist anders – aber eines haben sie gemeinsam: Sie entstehen aus Engagement. Und sie bringen Menschen zusammen, die Verantwortung teilen.
Gemeinschaft hat Geschichte – und Zukunft
Genossenschaften haben in Deutschland eine lange Tradition – und sie sind aktueller denn je. Schon seit 1889 regelt das Genossenschaftsgesetz, wie sich Menschen zusammenschließen können, um gemeinsam wirtschaftlich aktiv zu sein. Einen wichtigen Schub gab es 2006: Eine Gesetzesreform hat die Rechtsform ausdrücklich auch für soziale und kulturelle Zwecke geöffnet – ein Meilenstein für Sozialgenossenschaften.
Auch die Bayerische Verfassung erkennt ihre Bedeutung: In Artikel 153 steht, dass der Staat den genossenschaftlichen Gedanken fördern soll.
Bayern setzt ein Zeichen
2012 hat das Bayerische Sozialministerium die Zukunftsinitiative Sozialgenossenschaften gestartet – mit dem Ziel: diesen Gedanken stärken und den Aufbau sozialer Genossenschaften gezielt fördern.
Wie Sozialgenossenschaften den Freistaat stärken
Gute Ideen brauchen Starthilfe. Das Sozialministerium unterstützt die Gründung von Sozialgenossenschaften mit einer Anschubfinanzierung von bis zu 30.000 Euro. Diese soll helfen, finanzielle Hürden zu überwinden – denn auf lange Sicht sollen sich Sozialgenossenschaften aus eigener Kraft tragen.
Fragen zur Förderung beantwortet das Team des StMAS Bayern unter:
Starke Partner im Gründungsprozess
Wer über eine Genossenschaftsgründung nachdenkt, findet in Bayern fundierte Unterstützung:
- Erfahrene Fachleute in Prüfungsverbänden begleiten Gründungsteams bei rechtlichen, wirtschaftlichen und strukturellen Fragen. Die Verbände sind oft regional oder branchenspezifisch aufgestellt.
- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Finanzämter helfen bei steuerlichen Themen – insbesondere, wenn es darum geht, Gemeinnützigkeit anzuerkennen.
Bei der Gründung von Sozialgenossenschaften zählt auch die lokale Einbindung. Vor Ort beraten und vernetzen unter anderem:
- kommunale Ansprechpartner
- Wohlfahrtsverbände
- Koordinierungszentren Bürgerschaftliches Engagement
- Freiwilligenagenturen in Bayern
So wird aus einer Idee ein funktionierendes Modell – getragen von Expertise und Erfahrung.
Wer tiefer einsteigen will, findet hier weitere Informationen zur Genossenschaftsgründung. Diese Seiten bieten praxisnahe Tipps, rechtliche Grundlagen und weiterführende Kontakte:
- Website des Deutschen Genossenschafts- und RaiffeisenverbandsExterner Link öffnet in neuem Fenster
- Informationen über die Unternehmensform Genossenschaft beim Genossenschaftsverein Bayern (GVB)Externer Link öffnet in neuem Fenster
- Informationen über den Gründungsprozess beim GVBExterner Link öffnet in neuem Fenster
- zur Gründungsberatung des GVBExterner Link öffnet in neuem Fenster
Gefördert. Gegründet. Gestaltet.
Zwölf Sozialgenossenschaften in Bayern haben bislang eine Anschubfinanzierung vom Sozialministerium erhalten:
- W.I.R. Wohnen Inklusiv eG (Regensburg, Oberpfalz): inklusives Wohnprojekt für Menschen mit und ohne Behinderung
- Hand-in-Hand Mehrgenerationengenossenschaft eG (München, Oberbayern): soziales Netz für ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen
- MutMacherMenschen e. G. (Augsburg, Schwaben): Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen
- SAPV Südfranken eG (Landkreise Roth und Weißenburg-Gunzenhausen, Mittelfranken): ambulante Palliativversorgung auf höchstem Niveau
- Spiegelfabrik Baugenossenschaft eG (Mittelfranken): innovatives Wohnprojekt – inklusiv, integrativ, gemeinschaftlich
- raumFAIR eG – Projekt „Z’am in Freiham“ (München, Oberbayern): bezahlbares Wohnen für Menschen in prekären Lebenssituationen
- variado eG (Würzburg, Unterfranken): soziales Bildungs- und Freizeitangebot für alle Generationen
Folgende Genossenschaften sind nicht mehr aktiv – aber Teil der Entwicklung:
- Gemeinsam eG (Nittendorf, Oberpfalz): soziale Infrastruktur im ländlichen Raum
- Werkstatt für Barrierefreiheit eG (Abensberg, Niederbayern): Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung
- DomagkPark eG (München, Oberbayern): Quartiersentwicklung mit Fokus auf Gemeinschaft
- Wir für uns – Wohnen im Hirtenbachtal eG (Landkreis Forchheim, Oberfranken): selbstbestimmtes Leben im Alter, gemeinschaftlich organisiert
- digital vital e. G. (Landkreis Miltenberg, Unterfranken): digitale Plattform rund um Gesundheit und Soziales
So geht’s: gute Praxis aus dem Freistaat
Vier Sozialgenossenschaften zeigen, wie viel Menschen bewegen. Ob inklusives Wohnen, Palliativversorgung, neue Nachbarschaften oder Teilhabe: Diese Beispiele machen das soziale Bayern spürbar lebenswerter.
Wie soll ein Zuhause für Kinder mit mehrfacher Behinderung aussehen, wenn sie erwachsen sind? Eltern, die genau diese Frage bewegt, haben die Initiative ergriffen – und W.I.R. gegründet. Heute leben Menschen mit und ohne Behinderung, Paare, Familien und Alleinstehende unter einem Dach.
Wer unheilbar erkrankt ist, wünscht sich meist nur eines: weiterhin zu Hause – im gewohnten Umfeld - bleiben zu können. Die SAPV Südfranken macht genau das möglich – mit spezialisierter ambulanter Palliativversorgung. Klinikträger und Hospizvereine in den Landkreisen Roth und Weißenburg-Gunzenhausen haben sich zusammengeschlossen, um Würde, Selbstbestimmung und Lebensqualität zu sichern – bis zuletzt.
In Fürth ist aus einer alten Spiegelfabrik ein Ort der Begegnung geworden: ein Mehrfamilienhaus mit Gemeinschaftsräumen, das bezahlbares Wohnen mit neuen Formen des Miteinanders verbindet. Menschen mit Behinderung, Geflüchtete, Jung und Alt leben hier in einem solidarischen Wohnprojekt – offen, inklusiv und zukunftsorientiert.
In Augsburg entstehen unter den Händen von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen liebevoll gefertigte Nistkästen, Wildbienenhäuser und Vogelfutterstationen. Die MutMacherMenschen zeigen: Arbeit schafft Sinn – und Teilhabe ist möglich.

