Hauptinhalt
Islamismusprävention
Islamismus in Bayern
Islamismus stellt eine extremistische Strömung dar, die unter Berufung auf den Islam darauf abzielt, die freiheitliche demokratische Grundordnung in Deutschland zu beseitigen. Anhängerinnen und Anhänger dieser Ideologie sind überzeugt davon, dass der Islam die Grundlage für das gesellschaftliche Zusammenleben und für die staatliche Ordnung bilden sollte. Im Mittelpunkt steht die Vorstellung einer gottgewollten und universellen Ordnung, die über den von Menschen geschaffenen Gesetzen und Regeln steht. Islamistische Positionen stehen im Gegensatz zu zentralen Prinzipien des Grundgesetzes, wie der Volkssouveränität, der Trennung von Staat und Religion, der Meinungsfreiheit und der Gleichberechtigung aller Menschen. Ein Hauptmerkmal des Islamismus stellt der Antisemitismusdar.
Angebote und Strukturen in Bayern
Fachstelle zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung – ufuq.de Bayern
Die in Bayern tätige „Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung – ufuq.de Bayern“ des Berliner Vereins „Ufuq e.V.“ (Bedeutung: arabisch „Horizont“/„Perspektive“) bietet landesweit pädagogischen Fachkräften, Einrichtungen und weiteren Multiplikatorinnen und Multiplikatoren fundierte Beratung und Fortbildung in den Themenfeldern Islam, Islamismus, Online-Radikalisierung, Nahost-Konflikt, LGBTIQ und Islamfeindlichkeit sowie zu Ansätzen der pädagogischen Präventionsarbeit an. Neben Aus- und Fortbildungsangeboten bietet die Fachstelle im Rahmen eines Peer-to-Peer-Ansatzes auch Workshops für Jugendliche an Schulen und Jugendeinrichtungen an.
Prävention in der Praxis – Projekte in Bayern
Ansatzpunkt des weltweit tätigen Projekts „MotherSchools: Parenting for Peace“ des Vereins Frauen ohne Grenzen ist die kulturübergreifend bedeutende Rolle der Mutter. Selbst während den Anfängen einer Radikalisierung genießt sie oft noch das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen. In Workshops schärfen die Mütter ihre Wahrnehmung von Anzeichen einer Radikalisierung und stärken ihr Potential, die Narrative von Extremistinnen und Extremisten zu durchbrechen und ihr Wissen an andere Mütter weiterzugeben.
Im weiteren Projektverlauf rückte die Familie als ganzheitliches System in den Fokus des Projekts. In diesem Zuge starteten in Bayern die deutschlandweit ersten „FatherSchools: Men Included in Parenting for Peace“.
Das Projekt „ReThink: Freiheit beginnt im Kopf“ der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND) gGmbH richtet sich speziell an Jugendliche mit Migrations- oder Fluchterfahrung. Aktiviert durch Theaterszenen tasten sich die Jugendlichen an kritisches Denken und die Reflexion der eigenen kulturellen und gesellschaftlichen Prägung heran. „ReThink" ist ein gemeinsames Projekt der Ressorts Soziales, Inneres und Kultus.
Das Projekt „ReMind – zuhören, verstehen, handeln“ der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND) gGmbH bietet ein Fortbildungsangebot zur Vermittlung von psychologischen und lebensweltlichen Kenntnissen von Personen mit Migrationshintergrund für therapeutisch und psychologisch beratende Fachkräfte an. Durch die Sensibilisierung lernen die Fachkräfte, mögliche Radikalisierungstendenzen der Klientinnen und Klienten zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern.
Im Rahmen des Projektes „DigitalMIND“ der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND) gGmbH werden junge Menschen mit und ohne Flucht- und/oder Migrationserfahrungen aus muslimisch und/oder patriarchal geprägten Heimatländern mit einem interaktiven, niedrigschwelligen und humorvollen Angebot zur Islamismusprävention digital auf den Sozialen Medien wie Instagram, TikTok und YouTube erreicht. Ziel ist, die jungen Menschen zum Reflektieren ihrer Haltungen und zum Hinterfragen stereotypischer Rollenbilder anzuregen.
Das Projekt „YouthBridge: Jugend Baut Brücken“ der Europäischen Janusz Korczak Akademie wirkt gegen alle Formen von Extremismus und Antisemitismus. Jugendliche aus verschiedenen sozialen und kulturellen Kontexten werden im Rahmen des Projekts zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet. Dabei beschäftigen sie sich insbesondere mit der Frage: Wie wollen wir gemeinsam in unserer Stadt leben und ihre Zukunft gestalten?
Prävention passiert vor Ort. Deshalb rückt Bayern die Kommunen in den Blick der Präventionsarbeit. Die Kommunalen Präventionsnetzwerke in Nürnberg, Würzburg und der Nördlichen Oberpfalz gewährleisten, dass Präventionsprojekte in der Fläche wirken und kommunale Akteurinnen und Akteure vernetzt arbeiten.
Gemeinsam gegen Salafismus
Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ist Partner im „Bayerischen Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus“ der Bayerischen Staatsregierung. Das Netzwerk setzt auf einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz, basierend auf zwei Säulen: Prävention und Deradikalisierung. Die Zusammenarbeit der vier Ressorts Inneres, Soziales, Kultus und Justiz erfolgt über eine deutschlandweit einzigartige interministerielle Arbeitsgruppe unter Federführung des Innenministeriums. Herzstück der Arbeitsgruppe ist die Informationsseite www.antworten-auf-salafismus.de, die Interessierten wie Betroffenen mit Antworten auf Fragen zum Thema Salafismus und Islamismus sowie Kontakten zu vertrauensvollen Anlaufstellen und Netzwerkpartnerinnen und -partnern zur Seite steht.
Informationen und Materialien
Weitere Informationen und Materialien zum Download finden Sie auf der Webseite www.antworten-auf-salafismus.de.
Projektarchiv

Salafistische Propaganda holt Menschen dort ab, wo Zugehörigkeit und Unterstützung fehlen. Das Institut für transkulturelle Verständigung begleitete daher im Projekt „MUSA – Muslimische Seelsorge Augsburg“ Musliminnen und Muslime in existentiellen Krisen und Phasen des Umbruchs. An Orten wie Kliniken oder Justizvollzugsanstalten suchen viele Menschen nach Beistand. Unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft spendete das Projekt Betroffenen in diesen herausfordernden Situationen den nötigen Rückhalt, um Unterstützung aus der Gesellschaft zu erfahren und bildete so einen starken Gegenpol zu möglichen salafistischen Anwerbeversuchen.
Im Projekt „Kampagnenstark – Für Vielfalt und gegen Extremismus" des JFF – Jugend Film Fernsehen e.V. wurden teilnehmende Jugendliche in ihren demokratischen Werthaltungen gestärkt und setzten sich mit Radikalisierungsfaktoren auseinander. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reflektierten ihr eigenes Online-Handeln im Kontext von Filterblasen und Fake News. Sie setzten sich mit Anwerbestrategien extremistischer Gruppierungen auseinander und übten entsprechende Ansprachen – insbesondere auch in sozialen Netzwerken – zu erkennen und damit umzugehen. In unterschiedlichen Kampagnenformaten verliehen die Jugendlichen ihren Ideen für das gelingende Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft medialen Ausdruck.
Einen Überblick zu den Präventionsprojekten des JFF in Bayern sowie die daraus entstandenen Materialien finden Sie unter: https://gegen-extremismus.jff.de

„Marco, bist du stark! – Ein Weg durch starke Gefühle“ war ein Theaterstück zur Prävention von Radikalisierung des Theaters EUKITEA. Interaktiv bearbeitete das Theaterstück die Frage, warum sich junge Menschen radikalisieren und welche Lösungen und Alternativen es gibt. Zielgruppe waren Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren und ältere Schülerinnen und Schüler. Das Theaterstück wurde bayernweit aufgeführt – u.a. an Schulen in Kooperation mit den Respekt-Coaches der Jugendmigrationsarbeit. Ergänzt wurde das Stück durch Workshops, Fortbildungsmodule und Begleitmaterialen, die in Kooperation mit der Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung – ufuq.de Bayern entstanden sind.