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Antisemitismusprävention

Antisemitismus in Bayern

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und in allen Regionen und Gesellschaftsschichten zu finden. Auch in Bayern ist Antisemitismus eine alltägliche Erfahrung für jüdische Bürgerinnen und Bürger. In der Radikalisierungsprävention zeigt sich Antisemitismus als integraler Bestandteil aller extremistischen Erscheinungsformen – also des Rechts- und Linksextremismussowie des Islamismus. Ihm muss daher breit entgegengewirkt werden.

Das Bayerische Kabinett beschloss im Mai 2019 die Antisemitismusdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) anzunehmen:

„Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort und Tat gegen jüdische und nicht-jüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein."

Angebote und Strukturen in Bayern

Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus – RIAS Bayern

Das Bayerische Sozialministerium fördert die „Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Bayern“. Sie fungiert in erster Linie als niedrigschwellige Meldestelle für antisemitische Vorfälle in Bayern und dokumentiert diese – auch unterhalb der Straffälligkeit. Darüber hinaus leistet RIAS Bayern als unabhängiger Verein auch praktische Unterstützung, z.B. für Betroffene bei der Anzeigenerstattung.

Mit Informationsveranstaltungen sowie fachlichen Veröffentlichungen trägt der Verein zur Sensibilisierung der Gesellschaft bei. Detaillierte Hintergründe zur Arbeit der Recherchestelle und den dokumentierten Vorfällen sowie die Meldefunktion finden Sie auf der Homepage von RIAS Bayern.

Die Förderung von RIAS Bayern erfolgt in enger Kooperation mit dem Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Herrn Dr. Ludwig Spaenle.

 

Prävention in der Praxis – Projekte in Bayern

Das Projekt „YouthBridge: Jugend Baut Brücken“ der Europäischen Janusz Korczak Akademie wirkt gegen alle Formen von Extremismus und Antisemitismus. Jugendliche aus verschiedenen sozialen und kulturellen Kontexten werden seit 2017 im Rahmen des Projekts zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet. Als solche wirken sie innerhalb ihres Umfelds allen Formen von Antisemitismus entgegen.

Antisemitismus ist auch im Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsbereich allgegenwärtig. Es können antisemitische Stereotype in künstlerischen Werken oder Begleitprogrammen reproduziert werden, aber auch Mitarbeitende in Institutionen sowie die Institutionen selbst können Ziel von antisemitischen Angriffen wie etwa Boykottaufrufen werden. Das Projekt „Kunst & Funktion – Antisemitismuskritische Unterstützung für künstlerische Produktionen und Kulturinstitutionen“ des Instituts für Neue Soziale Plastik (Bayern) e.V. erstellt hierfür spezifisch zugeschnittene Sensibilisierungskonzepte und bietet Fortbildungsprogramme an.

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo Arche Musica

Der Verein Arche Musica führt das Projekt „Alef-Bet – das Alphabet zum jüdischen Leben“ durch. Ziel ist die frühzeitige Prävention von Antisemitismus in Kitas, Horten und Schulen durch Wissen über jüdische Kultur, Geschichte und Religion. Mit musikalisch aufbereiteten niedrigschwelligen Materialien, die das pädagogische Personal mit den Kindern bearbeitet, werden unter anderem Vorurteile abgebaut und ein respektvolles Miteinander gefördert.

Das Projekt „unpacking online Bias“ des Vereins democ e.V. setzt sich gezielt mit israelbezogenem Antisemitismus in den sozialen Medien auseinander. Im Mittelpunkt steht die Unterstützung und Stärkung pädagogischer Fachkräfte, um antisemitische Narrative im digitalen Raum zu erkennen, zu verstehen und ihnen altersgerecht entgegenzutreten. Ziel des Projekts ist die Entwicklung praxisnaher Materialien und Handreichungen für unterschiedliche Altersgruppen.

Vergrößerungsansichten für Bild:

Im Projekt „Blickwechsel – Antisemitismusprävention im Ehrenamt und Vereinen“ werden durch das Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern (LBE) in Zusammenarbeit mit den israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Bayern Seminartage für Ehrenamtliche in Bayern entwickelt und durchgeführt. Vor Ort tauschen sich Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus dem Bereich des bürgerschaftlichen Engagements mit jüdischen Gemeinden aus und stärken ihr Bewusstsein für sowie ihre Handlungsoptionen gegen Antisemitismus.

Das Bayerische Sozialministerium fördert das bundesweit einmalige Projekt „ReThink: Freiheit beginnt im Kopf“ der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND) gGmbH. Das Projekt richtet sich speziell an Jugendliche mit Migrations- oder Fluchterfahrung. Aktiviert durch Theaterszenen tasten sich die Jugendlichen an kritisches Denken und die Reflexion der eigenen kulturellen und gesellschaftlichen Prägung heran. „ReThink" ist ein gemeinsames Projekt der Ressorts Soziales, Inneres und Kultus.

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo EJKA

Mit dem Projekt „Kunst mit Haltung – eine kulturelle Initiative gegen Antisemitismus“ der Europäischen Janusz Korczak Akademie (EJKA) werden kreative Räume geschaffen, in denen antisemitische Narrative, die teilweise in kulturellen und akademischen Kontexten bestehen, erkannt, kritisch reflektiert und künstlerisch hinterfragt werden. Es entstehen kulturelle Produktionen, die sich gezielt mit aktuellen Formen des Antisemitismus auseinandersetzen und zur Sensibilisierung beitragen.

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo Max Mannheimer Studienzentrum

Um Antisemitismus informiert entgegentreten zu können, bedarf es einer kritischen Auseinandersetzung mit diesem Thema. Das StMAS unterstützt daher verschiedene Projekte für junge Menschen sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Stiftung Max Mannheimer Haus, wie z.B. das Projekt „Digital Storytelling zur Antisemitismusprävention“. In diesem Projekt werden Workshops für junge Menschen entwickelt, in welchen Biografien jüdischer Holocaustüberlebender und junger jüdischer Personen im Fokus stehen. Anhand der Biografien werden zum einen Antisemitismus und seine Kontinuitäten verdeutlicht und zum anderen jüdisches Leben näher beleuchtet.

In dem Projekt „Pädagogisches Handeln gegen Antisemitismus in Bayern – Herausforderungen, Ressourcen und Präventionsstrategien (PHAB)“ untersucht die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg die Herausforderungen und den Unterstützungsbedarf pädagogischer Fachkräfte im Umgang mit Antisemitismus und erarbeitet Handlungsstrategien für die pädagogische Praxis.

Das Wanderausstellungsprojekt mit dem Arbeitstitel „Das ist Antisemitismus – Judenhass in Bayern hier und heute“ informiert über aktuellen Antisemitismus in Bayern anhand der Dokumentationen und Recherchen der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Bayern. 

Gemeinsam gegen Antisemitismus

Der Einsatz gegen das gesamtgesellschaftliche Problem des Antisemitismus kann nur im Schulterschluss gelingen. Neben der Förderung von zivilgesellschaftlichen Initiativen und Projekten ist daher auch die Vernetzung unter den Behörden von zentraler Bedeutung. Im Bereich der Antisemitismusprävention steht das Bayerische Sozialministerium daher in regelmäßigem Austausch mit dem Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Dr. Ludwig Spaenle. Neben dem Antisemitismusbeauftragten besteht eine wertvolle Zusammenarbeit mit dem federführenden Kultusministerium, sowie dem Innen- und dem Justizministerium.

Zur Bekämpfung des Antisemitismus hat der Ministerrat in seiner Sitzung am 10. Mai 2022 ein Gesamtkonzept „Jüdisches Leben und Bekämpfung des Antisemitismus“ (unter Federführung des Kultusministeriums) beschlossen. Dazu wird neben der Einrichtung einer interministeriellen Arbeitsgruppe ein Internetportal mit Materialien, Präsentationsangeboten und Hilfestellungen für Betroffene angeboten.

Fachtage Antisemitismus

Regelmäßig veranstaltet das Bayerische Sozialministerium Fachtage zum Thema Antisemitismus. Stets wird dabei ein anderer Fokus in den Blick genommen. 

Fachtag „Kritik oder Hetze? Israelbezogener Antisemitismus: erkennen, handeln, vorbeugen!“

Am 19. Mai 2025 beleuchtete der Fachtag die vielschichtigen Erscheinungsformen von israelbezogenem Antisemitismus und erarbeitete Strategien zu dessen Bekämpfung. Neben informativen Vorträgen und Podiumsdiskussionen bot die Veranstaltung praxisorientierte Workshops, die sich mit methodischen Ansätzen zur Sensibilisierung und Prävention beschäftigten.

Fachtag „Antisemitismus im Islamismus – eine Gefahr für unsere Gesellschaft“

Am 4. Juli 2024 veranstalteten das Bayerische Sozialministerium zusammen mit dem Bayerischen Innenministerium eine Fachtagung zu islamistischem Antisemitismus. 
Die Aufzeichnungen der Beiträge von Prof. Karin Stögner (Universität Passau), Dr. Burkhard Körner (Präsident des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz), Beatrice Mansour (Geschäftsführerin von MIND prevention) sowie von Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch (Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern K.d.ö.R.) finden Sie online.

Fachtag „Links und antisemitisch – ein Widerspruch?“

Das Bayerische Schullandheimwerk nahm am 5. und 6. Dezember 2023 in Kooperation mit dem Bayerischen Sozialministerium Haltungen und Organisationen in den Blick, die überwiegend in progressiven und eher als „links“ verstandenen Teilen unserer Gesellschaft anzutreffen sind.
Die Aufzeichnung der Veranstaltung, u.a. mit einem Beitrag von Dr. Wolfgang Kraushaar (Politikwissenschaftler, Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur), und eine Podiumsdiskussion zur Debatte über Antisemitismus in Kunst und Kultur finden Sie auf der Webseite des Fachtages. 

Fachtag „Die extreme Rechte – auf Antisemitismus gebaut”

Gemeinsam mit der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus (LKS) beleuchtete das Bayerische Sozialministerium am 10. und 11. November 2022 die Zusammenhänge von Rechtsextremismus und Antisemitismus. 
Die Aufzeichnung des Fachtags mit den Beiträgen von Alexandra Dratva (Verein für Aufklärung und Demokratie VAD e.V.), Monty Ott (Politik- und Religionswissenschaftler, Aktivist und Publizist), Dr. Matthias Pöhlmann (Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), Evangelischer Theologe und Publizist) und Dr. Mirjam Zadoff (Historikerin, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München) finden Sie online. 

Fachtag „Alltäglicher Antisemitismus – Was tun?“

Die Beiträge des digitale Fachtag von u.a. Dr. Ludwig Spaenle (Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung gegen Antisemitismus), Dr. Josef Schuster (Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland), Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch (Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern K.d.ö.R.), Andreas Franck (Antisemitismusbeauftragter der Generalstaatsanwaltschaft München), Prof. Dr. Julia Bernstein (Frankfurt University of Applied Sciences), Dr. Annette Seidel-Arpacı (Leiterin von RIAS Bayern) und Levi Israel Ufferfilge (Schulleiter des Jüdischen Gymnasiums München) finden Sie online.

Projektarchiv

Mit einer bayerweiten, interaktiven Wanderausstellung stellte sich das Projekt „Mit Davidstern und Lederhose – Jüdische G’schichtn on Tour“ der Europäischen Janusz Korczak Akademie dem zunehmend offen zutage tretenden Antisemitismus entgegen und machte jüdisches Leben in Bayern bewusst sichtbar. Anhand von künstlerischen Darstellungsmitteln wie Fotografien, Objekten oder Performances wurden spannende Geschichten verschiedenster Persönlichkeiten aus der Vergangenheit und Gegenwart vorgestellt.

Das Jugendtheaterstück mit Reflexionsworkshop zur Antisemitismusprävention „Tacheles“ des Jungen Theaters Augsburg thematisierte die phänomenübergreifenden Ausprägungen von Antisemitismus und die individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen davon. Das Stück war angedockt an die Lebens- und Erfahrungswelten des jugendlichen Publikums und wurde anschließend in einem theaterpädagogischen Reflexionsworkshop aufgearbeitet und besprochen.  

Das Max Mannheimer Studienzentrum (MMSZ) entwickelte ein Workshopangebot für Jugendliche zur Antisemitismusprävention in leichter und verständlicher Sprache. Hierfür wurde mit dem Medium der Graphic-Novel gearbeitet. Die Jugendlichen lernten in den Workshops, Antisemitismus zu erkennen und sich entsprechend dagegen zu positionieren.