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Rechtsextremismusprävention

Rechtsextremismus in Bayern

Die rechtsextremistische Szene in Deutschland ist keine einheitliche Bewegung. Sie setzt sich u.a. zusammen aus Vereinen, informellen Zusammenschlüssen und Subkulturen. Was Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten eint, ist eine ideologische Einigkeit darüber, dass die Herkunft oder Ethnie über den Wert eines Menschen entscheidet. Neben Rassismus sind auch Antisemitismus und Nationalismus zentrale Bestandteile der rechtsextremistischen Weltanschauung.

Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten stehen damit im direkten Widerspruch zu unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung und den im Grundgesetz verankerten Werten. Die Ideologie richtet sich gegen die Gleichheit der Menschen und ist somit verfassungsfeindlich.

Angebote und Strukturen in Bayern

Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus

Eine wichtige Schnittstelle zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren in der Rechtsextremismusprävention ist die „Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus“ (LKS), eine eigenständige Einrichtung des Bayerischen Jugendrings. Neben der aktiven Vermittlungs- und Unterstützungsarbeit in der Auseinandersetzung mit dem Gesamtthemenbereich Rechtsextremismus koordiniert die LKS außerdem das Beratungsnetzwerk Bayern gegen Rechtsextremismus, bestehend aus der „Mobilen Beratung“, „Familien-, Umfeld- und Elternberatung“ und „Beratung. Unterstützung. Dokumentation. Für Betroffene rechter Gewalt“.

Prävention in der Praxis – Projekte in Bayern

Die „Mobile Beratung Bayern gegen Rechtsextremismus“ (MB) unterstützt alle Ratsuchenden – insbesondere Kommunen, Verbände und zivilgesellschaftliche Initiativen – bei Vorfällen mit neonazistischem, rechtsextremistischem, rechtspopulistischem und rassistischem Hintergrund. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung passgenauer Lösungsstrategien. Dies umfasst Einmalauskünfte und Informationen zur Einschätzung der Lage vor Ort ebenso wie langfristige Strategieentwicklungs- und Vernetzungsleistungen.

Das Angebot der „Familien-, Umfeld- und Elternberatung zu Rechtsextremismus“ (F.U.E.R.) richtet sich an Familien, Angehörige und nahestehende Personen sowie an pädagogische Fachkräfte. Zur Beratungsleistung zählen u.a. die Einschätzung von Situationen oder auffälligen Veränderungen sowie die Information über rechtsextremistische Gruppierungen und Bewegungen in Bayern mit dem Ziel der Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten.

Die bayernweite Beratungsstelle „Beratung. Unterstützung. Dokumentation. Für Betroffene rechter Gewalt. B.U.D.“ des Vereins B.U.D. Bayern e.V.  bietet Betroffenen, deren Umfeld sowie Zeuginnen und Zeugen von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt individuelle Beratung an, die unabhängig von einer Anzeigenerstattung und staatlichen Behörden agiert.

Das Memorium Nürnberger Prozesse erstellte die Sonderausstellung „Rechtsterrorismus: Verschwörung und Selbstermächtigung 1945 bis heute“. Ausgehend von bekannten wie unbekannten regionalen Terrorakten macht sie die internationalen Verstrickungen und ideologischen Verbindungen der Taten sichtbar. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung beim Memorium Nürnberger Prozesse ausleihbar.

Das Projekt „YouthBridge: Jugend Baut Brücken“ der Europäischen Janusz Korczak Akademie wirkt gegen alle Formen von Extremismus und Antisemitismus. Jugendliche aus verschiedenen sozialen und kulturellen Kontexten werden im Rahmen des Projekts zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet. Dabei beschäftigen sie sich insbesondere mit der Frage: Wie wollen wir gemeinsam in unserer Stadt leben und ihre Zukunft gestalten?

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo Aktion Jugendschutz

Im Rahmen des Projekts „Radikal im Netz – Extremismus-Prävention und digitale Medien“ der Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e.V. werden Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe für ihre Arbeit mit jungen Menschen geschult, sensibilisiert und damit befähigt, extremistische Botschaften im Netz einzuordnen und mit Jugendlichen zu diesem Thema zu arbeiten. Hierzu benötigen sie neben grundlegendem Wissen zu Radikalisierungsprozessen auch konkrete Einblicke in die digitale Welt.

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo Werteraum

Ziel des Projektes „WerteRaum – Stark gegen Extremismus!“ der Brochier Stiftung ist die Radikalisierungsprävention bei der Zielgruppe der 7- bis 9-jährigen. An Grundschulen, Horten und anderen geeigneten Organisationen in Bayern werden pädagogisch begleitete und altersgerechte Workshops zu Werten wie Gemeinschaft, Gleichberechtigung, Toleranz oder Empathie spielerisch vermittelt, um so Radikalisierungen frühzeitig vorzubeugen.

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo widerständig - gegen Polarisierung und Parolen

Im Projekt „widerständig – gegen Polarisierung und Parolen“ des JFF – Jugend Film Fernsehen e.V. werden strukturelle Angebote zur Förderung von Informations- und Medienkompetenz in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe entwickelt. Ziel des Projekts ist ein sicherer Umgang der Kinder und Jugendlichen in der digitalen Welt und das Erkennen extremistischer Ansprachen.

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo Responsible Technology Hub

Das Projekt „TikTalks: Programm zur Akteur- und Sprachanalyse radikaler Inhalte auf TikTok“ des Responsible Technology Hub e.V. widmet sich extremistischen Inhalten und Radikalisierungsprozessen auf der digitalen Plattform TikTok. Zunächst werden die Verbreitung und Eigenschaften radikaler Inhalte und Personen auf der Plattform untersucht, insbesondere mit Blick auf Mechanismen der künstlichen Intelligenz, welche die angezeigten Inhalte für die Nutzerinnen und Nutzer auswählt. Diese Erkenntnisse werden der Öffentlichkeit und Fachkräften zur Verfügung gestellt. In einem weiteren Schritt sollen pädagogische Konzepte zur Stärkung Jugendlicher gegen die erforschten Mechanismen entwickelt und umgesetzt werden.

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo Einmischen!

Das Projekt „Einmischen!“ des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement setzt bei der Förderung politischen Engagements junger Menschen an. Teilnehmende Schulklassen können ein eigenes Engagement-Projekt in ihrem Umfeld realisieren. Dadurch stärken die Jugendlichen ihr eigenes Bewusstsein für gesellschaftliche Probleme, erfahren demokratische Werte und verankern Radikalisierungsprävention an ihren Schulen.

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo Junges Theater Augsburg

Das Junge Theater Augsburg entwickelt ein neues Theaterstück zur Radikalisierungsprävention für die 5. und 6. Jahrgangsstufen. Ziel ist es, junge Menschen für extremistische Inhalte, Fake News und Verschwörungserzählungen zu sensibilisieren, ihre Medienkompetenz zu stärken und ihre Widerstandskraft gegenüber digitaler Manipulation zu fördern. Das Projekt umfasst das Theaterstück, einen begleitenden Workshop für Schülerinnen und Schüler und eine Fortbildung für Lehrkräfte zur Medienreflexion und Radikalisierungsprävention im digitalen Raum.

Prävention passiert vor Ort. Deshalb rückt Bayern die Kommunen in den Blick der Präventionsarbeit. Die Kommunalen Präventionsnetzwerke in Nürnberg, Würzburg und der Nördlichen Oberpfalz gewährleisten, dass Präventionsprojekte in der Fläche wirken und kommunale Akteurinnen und Akteure vernetzt arbeiten.

Im Rahmen des Bundesförderprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ kofinanziert das Bayerische Sozialministerium Projekte in Bayern, welche die demokratische Praxis in Verbänden und Vereinen stärken und sich in den eigenen Strukturen gegen Extremismus einsetzen:

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo Wellenbrecher

Das Projekt „Wellenbrecher – für neue Perspektiven im Verband“ der DLRG-Jugend Bayern wird durch das Bayerische Sozialministerium kofinanziert. Das Programm zielt darauf ab, demokratische Kultur und Praxis in Vereinen und Verbänden zu stärken. Der Fokus liegt dabei besonders auf strukturschwachen und ländlichen Regionen.

Vergrößerungsansichten für Bild: Logo NaturFreunde Bayern

Das Projekt „Miteinander stark vor Ort“ der NaturFreunde Bayern unterstützt NaturFreunde-Ortsgruppen dabei, ihre Vereinsstrukturen inklusiver und demokratischer zu gestalten. In ländlichen Regionen werden Orte der Begegnung geschaffen, Netzwerke gestärkt und aktive Beteiligung gefördert.

Gemeinsam gegen Rechtsextremismus

Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ist Partner im „Bayerischen Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus“ der Bayerischen Staatsregierung. Im Rahmen der interministeriellen Zusammenarbeit zwischen dem federführenden Innenministerium und den Ressorts Justiz, Kultus, Wissenschaft und Soziales wurden die bestehenden präventiven und repressiven Maßnahmen in Bayern gebündelt und in das Handlungskonzept mit den drei Säulen Vorbeugen – Unterstützen – Eingreifen eingebettet. Es wird unter Berücksichtigung neuer Erfahrungen und aktueller Erkenntnisse stetig weiterentwickelt und bedarfsgerecht angepasst.

Das Bayerische Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus steht über das Broschürenportal der Bayerischen Staatsregierung als Kurzinformation und in einer ausführlichen Langfassung zum Download und zur kostenlosen Bestellung zur Verfügung.

Projektarchiv

In Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) wurde im Rahmen eines Forschungsgutachtens zum Thema „(Rechts-)Extremismus und Online-Games" die Frage untersucht, ob es eine etablierte (rechts-)extreme Gaming-Szene in Deutschland gibt. Darüber hinaus wurden bereits etablierte präventive Handlungsansätze in der Gaming-Szene erforscht. Dabei wurden nicht nur Videospiele und deren Inhalte selbst, sondern auch die unterschiedlichen Kommunikationskanäle sowie begleitende Themenforen von Online-Games auf extremistische Inhalte und Anwerbeversuche untersucht. Darüber hinaus wurden verschiedene Gaming-Plattformen in den Blick genommen, um etwaige Unterschiede zwischen dem Spieleangebot, dem Spiel- und Kommunikationsverhalten der Nutzerinnen und Nutzer sowie die Beliebtheit der Plattformen in einschlägigen Szenen zu erforschen.

Im Projekt „Power Skills @ DJH - Radikalisierungsprävention und Förderung sozialer Kompetenzen am Lernort Jugendherberge“ wurde die soziale Kompetenz junger Menschen gestärkt, um sie gegen extremistische Ansprachen unempfänglich zu machen.

Grafik Kampagnenstark

Im Projekt „kampagnenstark – Für Vielfalt und gegen Extremismus" des JFF – Jugend Film Fernsehen e.V. wurden teilnehmende Jugendliche in ihren demokratischen Werthaltungen gestärkt und setzten sich mit Radikalisierungsfaktoren auseinander. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer reflektierten ihr eigenes Online-Handeln im Kontext von Filterblasen und Fake News. Sie setzten sich mit Anwerbestrategien extremistischer Gruppierungen auseinander und übten entsprechende Ansprachen – insbesondere auch in sozialen Netzwerken – zu erkennen und damit umzugehen. In unterschiedlichen Kampagnenformaten verliehen die Jugendlichen ihren Ideen für das gelingende Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft medialen Ausdruck.

Einen Überblick zu den aktuellen und vergangenen Präventionsprojekten des JFF in Bayern sowie die daraus entstandenen Materialien finden Sie online.

Grafik Max Mannheimer Haus Studienzentrum

Ausgrenzungsideologien und antisemitische Verschwörungsmythen führen langfristig zu einer Schwächung der demokratischen Strukturen. Das Max Mannheimer Studienzentrum setzt hier mit seiner historisch-politischen Bildungsarbeit an und stärkt Jugendliche für die Demokratie und gegen Antisemitismus. Mit Bildungsmaterialien wird anhand historischer Beispiele ein Bezug zu aktuellen Formen des Antisemitismus hergestellt. Sie sollen für die Existenz und Funktionsweisen antisemitischer Verschwörungsfantasien – damals wie heute – sensibilisieren und unter anderem auf Studientagen und in internetbasierten Formaten für Jugendliche und junge Erwachsene zum Einsatz kommen.