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Arbeitsmarktpolitik

Aktuelles

Bayerns Arbeitsmarkt im März 2020

 

Vorbemerkungen:

  • Die aktuellen Arbeitsmarktdaten beziehen sich auf den 12. März 2020, da dies der statistische Zähltag für den Berichtsmonat März 2020 der Bundesagentur für Arbeit ist.
  • Zu diesem Zeitpunkt stand Bayern noch am Beginn der Coronavirus-Pandemie. Die notwendigen Maßnahmen, die die wirtschaftlichen Aktivitäten stark eingeschränkt haben, setzten erst danach ein.
  • Der erste Anhaltspunkt, um die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt derzeit abzuschätzen, ist die Zahl der Anzeigen, die in den Arbeitsagenturen eingehen: Die Regionaldirektion Bayern geht davon aus, dass in Bayern bis Ende 13. Kalenderwoche insgesamt 64.000 Anzeigen von Betrieben zu Kurzarbeit eingegangen sind.

Die tatsächliche Lage am Arbeitsmarkt aufgrund der Coronavirus-Krise wird durch den Stichtag am 12. März 2020 in den vorliegenden Arbeitsmarktdaten jedoch noch nicht abgebildet:

  • Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 % verbessert sich die Quote durch die Anfang März einsetzende Frühjahrsbelebung um 0,1 %-Punkte gegenüber dem Vormonat (Februar 2020: 3,2 %). Gegenüber Februar 2020 ist ein saisonbedingter Rückgang um - 5,2 % (rd. - 12.700 Personen) zu verzeichnen.
  • Die Quote von 3,1 % liegt jedoch - infolge der sich fortsetzenden konjunkturellen Abkühlung vor der Corona-Pandemie - leicht über der (Rekord-)Quote des Vorjahres (März 2019: 3,0 %).
  • 231.115 Arbeitslose - verglichen mit dem Vorjahr (März 2019) ist, wie bereits in den Vormonaten, ein Anstieg zu verzeichnen: Gegenüber März 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um rund + 10.100 Personen bzw. + 4,6 %.
  • Im Bundesländervergleich belegt Bayern mit einer Quote von 3,1 % den Spitzenplatz, vor Baden-Württemberg mit 3,4 %.
  • Schwaben ist im Berichtszeitraum mit einer Arbeitslosenquote von 2,8 % Spitzenreiter unter Bayerns Regierungsbezirken. Darüber hinaus zeigt sich eine sehr geringe Spreizung von aktuell nur 0,8 %-Punkten zwischen den Regierungsbezirken.
  • Im Berichtszeitraum können 47 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte (rd. 49 %) eine Arbeitslosenquote von unter 3,0 % vorweisen. Der Landkreis Eichstätt liegt zu diesem Zeitpunkt mit einer Arbeitslosenquote von 1,6 % bundesweit an der Spitze.
Arbeitlosenquote in den kreisfreien Städten und Landkreise Bayerns im März 2020

unter 2,0%
2,0% bis 2,9%
3,0% bis 3,9%
4,0% bis 4,9%
5,0% und höher

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ingolstadt, Stadt3,1%
München, Landeshauptstadt, Stadt3,7%
Rosenheim, Stadt4,2%
Altötting 3,0%
Berchtesgadener Land 3,8%
Bad Tölz-Wolfratshausen 2,2%
Dachau 2,1%
Ebersberg 1,9%
Eichstätt 1,6%
Erding 1,9%
Freising 2,1%
Fürstenfeldbruck 2,6%
Garmisch-Partenkirchen 2,9%
Landsberg am Lech 2,4%
Miesbach 2,6%
Mühldorf a.Inn 3,3%
München 2,4%
Neuburg-Schrobenhausen 2,2%
Pfaffenhofen a.d.Ilm 1,7%
Rosenheim 2,4%
Rosenheim 2,4%
Starnberg 2,5%
Traunstein 2,9%
Weilheim-Schongau 2,3%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Landshut, Stadt4,4%
Passau, Stadt4,7%
Straubing, Stadt4,8%
Deggendorf 3,0%
Freyung-Grafenau 3,7%
Kelheim 2,6%
Landshut 2,8%
Passau 3,4%
Regen 4,0%
Rottal-Inn 3,4%
Straubing-Bogen 2,9%
Dingolfing-Landau 3,0%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Amberg, Stadt4,9%
Regensburg, Stadt3,6%
Weiden i.d.OPf., Stadt5,2%
Amberg-Sulzbach 2,6%
Cham 3,6%
Neumarkt i.d.OPf. 2,0%
Neustadt a.d.Waldnaab 3,2%
Regensburg 2,2%
Schwandorf 3,2%
Tirschenreuth 3,5%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Bamberg, Stadt3,9%
Bayreuth, Stadt4,7%
Coburg, Stadt5,1%
Hof, Stadt5,9%
Bamberg 2,2%
Bayreuth 3,2%
Coburg 3,3%
Forchheim 2,6%
Hof 3,5%
Kronach 3,5%
Kulmbach 3,5%
Lichtenfels 3,7%
Wunsiedel i.Fichtelgebirge 4,9%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ansbach, Stadt3,6%
Erlangen, Stadt3,5%
Fürth, Stadt4,9%
Nürnberg, Stadt5,2%
Schwabach, Stadt3,5%
Ansbach 2,5%
Erlangen-Höchstadt 2,1%
Fürth 2,6%
Nürnberger Land 2,5%
Nürnberger Land 2,5%
Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim 2,0%
Roth 2,1%
Weißenburg-Gunzenhausen 3,1%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Aschaffenburg, Stadt5,1%
Schweinfurt, Stadt6,4%
Würzburg, Stadt3,3%
Aschaffenburg 2,8%
Bad Kissingen 3,1%
Rhön-Grabfeld 2,8%
Haßberge 3,0%
Kitzingen 2,3%
Miltenberg 3,0%
Main-Spessart 2,1%
Schweinfurt 2,5%
Würzburg 1,9%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Augsburg, Stadt5,3%
Kaufbeuren, Stadt4,0%
Kempten (Allgäu), Stadt3,4%
Memmingen, Stadt3,6%
Aichach-Friedberg 2,2%
Augsburg 2,5%
Dillingen a.d.Donau 2,1%
Günzburg 2,2%
Neu-Ulm 2,5%
Lindau (Bodensee) 2,6%
Ostallgäu 2,5%
Unterallgäu 2,0%
Unterallgäu 2,0%
Donau-Ries 1,7%
Oberallgäu 2,2%
Abb. 2: Entwicklung der Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken in den vergangenen zehn Jahren
  • Der Stellenbestand liegt mit bayernweit 115.296 gemeldeten offenen Stellen um - 10,2 % bzw. rd. - 13.100 Stellen deutlich unter dem Vorjahreswert. Gegenüber dem Vormonat Februar 2020 blieb der Bestand an Stellen nahezu unverändert.
  • Nach aktuellen Hochrechnungen waren im Januar 2020 5.710.900 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vorjahresvergleich ist dies ein leichtes Plus von 78.900 Beschäftigten bzw. + 1,4 %, der Beschäftigungsaufwuchs verlangsamte sich.

  • Die Zahl der Arbeitslosen wurde innerhalb der letzten zehn Jahre um rd. 35 % reduziert. Die Arbeitslosenquote ging von 5,3 % (März 2010) auf 3,1 % zurück.

Arbeitslosenquoten im März 2010 bis 2014 (Angaben in %)

- 2010 2011 2012 2013 2014
Oberbayern 4,7 4,0 3,7 3,9 3,9
Niederbayern 5,8 4,6 4,2 4,4 4,1
Oberpfalz 5,8 4,4 3,9 4,4 4,1
Oberfranken 6,3 5,1 4,7 5,0 4,9
Mittelfranken 6,0 5,1 4,8 5,1 5,0
Unterfranken 5,0 3,9 3,6 3,9 3,8
Schwaben 5,1 4,0 3,5 3,8 3,7
Bayern 5,3 4,3 4,0 4,2 4,1


Arbeitslosenquoten im März 2015 bis 2020 (Angaben in %)

- 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Oberbayern 3,8 3,6 3,4 3,1 2,8 2,9
Niederbayern 4,1 4,3 3,6 3,4 3,3 3,3
Oberpfalz 4,0 3,7 3,3 3,0 2,9 3,1
Oberfranken 4,6 4,3 3,9 3,6 3,4 3,5
Mittelfranken 4,8 4,6 4,2 3,8 3,5 3,6
Unterfranken 3,6 3,6 3,3 2,9 2,8 2,9
Schwaben 3,7 3,6 3,1 2,8 2,7 2,8
Bayern 4,0 3,9 3,5 3,2 3,0 3,1

Hinweis: Im Zeitverlauf haben Änderungen im Sozialrecht wie in der Organisation der Sozialverwaltungen Einfluss auf die Höhe der Arbeitslosigkeit. Dies ist bei der Interpretation der Daten zu berücksichtigen.

Abb. 3: Arbeitslose im März 2020 mit Vergleich zum Vorjahresmonat: Bayern insgesamt und ausgewählte Personengruppen

Die nebenstehende Tabelle zeigt:

  • Bei einer Jugendarbeitslosenquote von 2,7 % sind im Berichtszeitraum 1.494 bzw. + 7,1 % mehr junge Menschen arbeitslos als im Vorjahr.
     
  • Bei allen weiteren Personengruppen zeigt sich gegenüber dem Vorjahr folgendes Bild: Die Arbeitslosigkeit der Älteren (50 Jahre und älter) steigt um + 4,5 % bzw. absolut um rd. 3.700 Personen. Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen steigt um + 4,3 % bzw. absolut um rd. 900 Menschen. Darüber hinaus zeigt sich im Berichtszeitraum ein ausgeprägter Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit (- 3,6 % bzw. absolut: rd. - 1.600 langzeitarbeitslose Personen). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer liegt bei rund 70.400 Personen. Dies ist im Vorjahresvergleich ein Anstieg um rd. + 4.500 Personen bzw. + 6,8 %.
     
  • Die Quote der erwerbsfähigen Hartz IV-Bezieher im Verhältnis zur Einwohnerzahl unter 65 Jahren ist in Bayern mit 3,0 % die mit großem Abstand niedrigste im Vergleich aller Bundesländer (vor Baden-Württemberg mit 3,9 %). Im Bund ist dieser Wert mehr als doppelt so hoch und beträgt 6,9 %.
     

Informationen

Hier erhalten Sie aktuelle Meldungen, Zahlen und Statistiken zu Bayerns Arbeitsmarkt:

Gesetzlicher Mindestlohn

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie (Tarifautonomiestärkungsgesetz) vom 11.08.2014 wurde zum 01.01.2015 ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet eingeführt (Art. 1 Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns – MiLOG). Zum 01.01.2017 wurde der Mindestlohn auf 8,84 Euro erhöht.
Ausnahmen sind u. a. für Auszubildende, ehrenamtliche Tätigkeiten, Orientierungspraktika, verpflichtende Praktika im Rahmen einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung, Jugendliche bis 18 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung, Langzeitarbeitslose für die ersten 6 Monate der Beschäftigung sowie befristet für Zeitungszustellerinnen und Zeitungszusteller vorgesehen.

Abweichungen waren in einer Übergangszeit für maximal drei Jahre bis 31.12.2017 durch bundesweite Tarifverträge repräsentativer Tarifpartner auf Branchenebene möglich, wenn sie als Mindestentgeltsätze nach den Regeln des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) erstreckt oder als Lohnuntergrenze nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgelegt wurden. Seit 01.01.2017 mussten abweichende Regelungen mindestens ein Entgelt von brutto 8,50 Euro pro Stunde vorsehen. Seit 01.01.2018 gilt das bundesweite gesetzliche Mindestlohnniveau uneingeschränkt.

Die Höhe des Mindestlohns wird regelmäßig (erstmals erfolgt mit Wirkung zum 01.01.2017) von einer paritätisch besetzten und unabhängigen Kommission der Tarifpartner überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Mindestlohnkommission besteht aus einer/einem Vorsitzenden, sechs stimmberechtigten Mitgliedern und zwei beratenden Mitgliedern aus Kreisen der Wissenschaft (ohne Stimmrecht). Die stimmberechtigten Mitglieder der Kommission werden durch die Bundesregierung auf Vorschlag der Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer berufen.

Information

Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finden Sie weitere Informationen zum Mindestlohn.

Bilanz 2019

2019 weiterhin rekordverdächtig

Trotz einer sich abkühlenden Konjunktur und steigender Arbeitslosigkeit seit Juli 2019 kann Bayern im Jahresdurchschnitt 2019 auf die geringste Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten verweisen.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Bayerns Arbeitsmarkt 2019

Bilanz 2019: Spitzenwerte an Bayerns Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt 

Die Verbesserung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktrelevanten Rahmenbedingungen ist eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe. Bayern bringt sich hier aktiv auf Bundesebene ein und entwickelt beispielsweise im Bereich der Langzeitarbeitslosen, Jugendlichen und älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch eigene Konzepte (wie die Arbeitsmarktinitiative Ältere und Arbeitswelt).

Auf Landesebene arbeitet die Bayerische Staatsregierung eng mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Die Zusammenarbeit wurde Ende 2004 in einer Vereinbarung geregelt und erfolgt seitdem im Wesentlichen über einen regelmäßigen Informationsaustausch und gemeinsame Initiativen.

Instrumente 

Für eine nachhaltige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist darüber hinaus eine innovative und für den bayerischen Arbeitsmarkt maßgeschneiderte aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. Die wichtigsten Instrumente dafür sind der Arbeitsmarktfonds (AMF) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Kontinuierliche Beobachtungen des bayerischen Arbeitsmarkts, u. a. durch Auswertungen aus dem IAB-Betriebspanel für Bayern geben wichtige Hinweise zum Einsatz der Fördermittel. Ziel der Arbeitsmarktpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist stets die Integration bzw. der Verbleib der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am ersten Arbeitsmarkt. Zielgruppen sind sowohl Arbeitslosengeld-I-Empfänger als auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Grundsicherung für Arbeitsuchende). Bereiche der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind beispielsweise berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung, Stärkung der Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Erwerbstätigen und kleinen und mittleren Unternehmen sowie arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.

Fazit

Basis für eine positive Entwicklung am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt ist ein effizientes Zusammenwirken von Wirtschafts-, Fiskal-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Entscheidend ist letztlich, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze nicht durch die Politik, sondern durch die Unternehmen geschaffen werden. Ein wesentlicher Teil der Verantwortung für Beschäftigung trifft deshalb die Sozialpartner. Ihre Lohn- und Tarifpolitik entscheidet maßgeblich über die Arbeitsbedingungen und damit auch über die Verhältnisse am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt und den Umfang von Arbeitslosigkeit. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist in einer sozialen Marktwirtschaft eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der alle gesellschaftlichen Kräfte beitragen müssen.