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Arbeitsmarktpolitik

Abb. 1: Arbeitslose Personen insgesamt und Arbeitslosenquoten in Bayern im Zeitverlauf

Aktuelles

Bayerns Arbeitsmarkt im August 2022

  • Die Arbeitslosenquote liegt im August mit 3,4 % über dem Niveau des Vormonats (Juli 2022: 3,2 %). Der Arbeitsmarkt präsentiert sich aber trotz der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten robust.
  • Maßgeblich für den Anstieg ist, dass sich viele Schul- und Ausbildungsabsolventen im Sommer arbeitslos melden. Saisonüblich steigt deshalb auch die Jugendarbeitslosigkeit im August deutlich an. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit geht teilweise auch auf die Registrierung ukrainischen Geflüchteten in den Jobcentern zurück, wenngleich der Zustrom an geflüchteten Menschen abnimmt.
  • Die Arbeitslosigkeit erhöht sich auf 252.952 Personen, das sind 14.113 Menschen bzw. + 5,9 % mehr als im Vormonat. Ohne ukrainische Arbeitslose wäre die Arbeitslosigkeit von Juli auf August um 12.613 Arbeitslose gestiegen.
  • Das Niveau des Vorjahres ist fast unverändert und wird nur leicht unterschritten. Gegenüber August 2021 ist die Arbeitslosigkeit um rund 160 Personen bzw. 0,1 % geringer.
Abb. 2: Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken
  • Bayern hat bundesweit die geringste Arbeitslosenquote, sie liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt (5,6 %). Bayern hat auch eine deutlich geringere Arbeitslosenquote als Baden-Württemberg (3,8 %).
  • Im Vergleich der Regierungsbezirke haben Niederbayern und Schwaben mit jeweils 3,1 % die niedrigste Arbeitslosenquote. Die Arbeitslosenquote liegt in allen Regierungsbezirken unter der Marke von vier Prozent. Die Spreizung zwischen den Regierungsbezirken von 0,7 %-Punkten bewegt sich weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.
     

Im Berichtszeitraum können 49 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte (51 %) eine Arbeitslosenquote von unter 3,0 % vorweisen. Der Landkreis Main-Spessart und der Landkreis Günzburg haben mit Arbeitslosenquoten von jeweils lediglich 1,9 % bundesweit die geringsten Werte.

Arbeitslosenquote in den kreisfreien Städten und Landkreise Bayerns im August 2022

unter 2,0 %
2,0 % bis 2,9 %
3,0 % bis 3,9 %
4,0 % bis 4,9 %
5,0 % und höher

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ingolstadt, Stadt3,8 %
München, Landeshauptstadt, Stadt4,7 %
Rosenheim, Stadt4,4 %
Altötting3,2 %
Berchtesgadener Land3,1 %
Bad Tölz-Wolfratshausen2,3 %
Dachau2,7 %
Ebersberg2,2 %
Eichstätt2,0 %
Erding2,1 %
Freising2,6 %
Fürstenfeldbruck3,2 %
Garmisch-Partenkirchen2,9 %
Landsberg am Lech2,7 %
Miesbach2,1 %
Mühldorf a.Inn3,5 %
München2,6 %
Neuburg-Schrobenhausen2,5 %
Pfaffenhofen a.d.Ilm2,2 %
Rosenheim2,6 %
Rosenheim2,6 %
Starnberg3,5 %
Traunstein2,5 %
Weilheim-Schongau2,9 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Landshut, Stadt4,7 %
Passau, Stadt5,1 %
Straubing, Stadt5,0 %
Deggendorf2,8 %
Freyung-Grafenau2,4 %
Kelheim2,7 %
Landshut2,7 %
Passau2,8 %
Regen2,9 %
Rottal-Inn3,4 %
Straubing-Bogen2,6 %
Dingolfing-Landau2,6 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Amberg, Stadt4,6 %
Regensburg, Stadt4,2 %
Weiden i.d.OPf., Stadt4,9 %
Amberg-Sulzbach2,8 %
Cham2,5 %
Neumarkt i.d.OPf.2,2 %
Neustadt a.d.Waldnaab3,1 %
Regensburg2,7 %
Schwandorf3,3 %
Tirschenreuth3,7 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Bamberg, Stadt4,5 %
Bayreuth, Stadt4,6 %
Coburg, Stadt6,1 %
Hof, Stadt5,9 %
Bamberg2,5 %
Bayreuth3,1 %
Coburg3,6 %
Forchheim2,8 %
Hof3,5 %
Kronach3,1 %
Kulmbach3,5 %
Lichtenfels3,7 %
Wunsiedel i.Fichtelgebirge4,4 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ansbach, Stadt4,2 %
Erlangen, Stadt3,8 %
Fürth, Stadt5,2 %
Nürnberg, Stadt5,5 %
Schwabach, Stadt3,6 %
Ansbach2,7 %
Erlangen-Höchstadt2,7 %
Fürth2,8 %
Nürnberger Land2,6 %
Nürnberger Land2,6 %
Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim2,3 %
Roth2,4 %
Weißenburg-Gunzenhausen3,7 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Aschaffenburg, Stadt5,9 %
Schweinfurt, Stadt6,9 %
Würzburg, Stadt4,0 %
Aschaffenburg3,6 %
Bad Kissingen3,3 %
Rhön-Grabfeld2,9 %
Haßberge3,0 %
Kitzingen2,5 %
Miltenberg3,5 %
Main-Spessart1,9 %
Schweinfurt2,9 %
Würzburg2,1 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Augsburg, Stadt5,9 %
Kaufbeuren, Stadt4,6 %
Kempten (Allgäu), Stadt3,7 %
Memmingen, Stadt3,4 %
Aichach-Friedberg2,9 %
Augsburg3,0 %
Dillingen a.d.Donau2,5 %
Günzburg1,9 %
Neu-Ulm2,4 %
Lindau (Bodensee)2,4 %
Ostallgäu2,6 %
Unterallgäu2,0 %
Unterallgäu2,0 %
Donau-Ries2,1 %
Oberallgäu2,3 %
Abb. 3: Arbeitslose im August 2022 mit Vergleich zum Vorjahresmonat: Bayern insgesamt und ausgewählte Personengruppen
  • Es zeigt sich weiterhin ein sehr hoher Arbeits- und Fachkräftebedarf in fast allen Branchen. Der Bestand an offenen Stellen liegt weit über dem Niveau vor der Corona-Krise. Mit einem historisch hohen Wert von rund 163.900 gemeldeten offenen Stellen sind im Vergleich zum Juli rund 1.700 bzw. 1,0 % mehr Stellen im Bestand. Es wurden deutlich mehr Arbeitsstellen gemeldet als im Vorjahr (+ 22,6 %).
  • Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern liegt nach den aktuellen hochgerechneten Werten im Juni 2022 bei 5,87 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein deutliches Plus von 115.400 bzw. 2,0 %.
  • Auch die Ausbildungsbereitschaft der bayerischen Wirtschaft ist erfreulicherweise hoch. Im Freistaat haben junge Menschen eine große Auswahl: 8.272 unversorgte Bewerber haben die Auswahl unter 38.582 nicht besetzten Ausbildungsstellen.
  • Bei einer Jugendarbeitslosenquote von 3,6 % sind rund 50 junge Menschen weniger arbeitslos als im Vorjahr. Dies ist eine leichte Reduzierung um 0,2 %. Die Arbeitslosigkeit der Älteren (50 Jahre und älter) reduziert sich zum Vorjahr um 2,0 % bzw. absolut um rund 1.900 Personen. Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen reduziert sich im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 % bzw. absolut um rund 1.060 Menschen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt bei rund 60.900 und ist erfreulicherweise deutlich geringer als im Vorjahr (- 16,5 % bzw. absolut rund - 12.000). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer liegt bei rund 98.500 Personen. Dies ist im Vorjahresvergleich ein deutlicher Anstieg um rund 21.900 Personen bzw. 28,6 %.

Die Quote (vorläufig hochgerechnete Werte) der erwerbsfähigen Hartz IV-Bezieher im Verhältnis zur Einwohnerzahl unter 65 Jahren ist in Bayern mit 3,5 % die mit großem Abstand niedrigste im Vergleich aller Bundesländer. Im Bund ist dieser Wert im Vergleich zu Bayern doppelt so hoch und beträgt 7,0 %.

Informationen

Hier erhalten Sie aktuelle Meldungen, Zahlen und Statistiken zu Bayerns Arbeitsmarkt:

Gesetzlicher Mindestlohn

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie (Tarifautonomiestärkungsgesetz) vom 11.08.2014 wurde zum 01.01.2015 ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet eingeführt (Art. 1 Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns – MiLOG). Zum 01.01.2017 wurde der Mindestlohn auf 8,84 Euro erhöht.
Ausnahmen sind u. a. für Auszubildende, ehrenamtliche Tätigkeiten, Orientierungspraktika, verpflichtende Praktika im Rahmen einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung, Jugendliche bis 18 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung, Langzeitarbeitslose für die ersten 6 Monate der Beschäftigung sowie befristet für Zeitungszustellerinnen und Zeitungszusteller vorgesehen.

Abweichungen waren in einer Übergangszeit für maximal drei Jahre bis 31.12.2017 durch bundesweite Tarifverträge repräsentativer Tarifpartner auf Branchenebene möglich, wenn sie als Mindestentgeltsätze nach den Regeln des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) erstreckt oder als Lohnuntergrenze nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgelegt wurden. Seit 01.01.2017 mussten abweichende Regelungen mindestens ein Entgelt von brutto 8,50 Euro pro Stunde vorsehen. Seit 01.01.2018 gilt das bundesweite gesetzliche Mindestlohnniveau uneingeschränkt.

Die Höhe des Mindestlohns wird regelmäßig (erstmals erfolgt mit Wirkung zum 01.01.2017) von einer paritätisch besetzten und unabhängigen Kommission der Tarifpartner überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Mindestlohnkommission besteht aus einer/einem Vorsitzenden, sechs stimmberechtigten Mitgliedern und zwei beratenden Mitgliedern aus Kreisen der Wissenschaft (ohne Stimmrecht). Die stimmberechtigten Mitglieder der Kommission werden durch die Bundesregierung auf Vorschlag der Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer berufen.

Information

Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finden Sie weitere Informationen zum Mindestlohn.

Bilanz 2021

Die Corona-Pandemie hat 2021 auf dem bayerischen Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Bayerns Arbeitsmarkt 2021

Bilanz 2021

Arbeitsmarkt 

Die Verbesserung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktrelevanten Rahmenbedingungen ist eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe. Bayern bringt sich hier aktiv auf Bundesebene ein und entwickelt beispielsweise im Bereich der Langzeitarbeitslosen, Jugendlichen und älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch eigene Konzepte (wie die Arbeitsmarktinitiative Ältere und Arbeitswelt).

Auf Landesebene arbeitet die Bayerische Staatsregierung eng mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Die Zusammenarbeit wurde Ende 2004 in einer Vereinbarung geregelt und erfolgt seitdem im Wesentlichen über einen regelmäßigen Informationsaustausch und gemeinsame Initiativen.

Instrumente 

Für eine nachhaltige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist darüber hinaus eine innovative und für den bayerischen Arbeitsmarkt maßgeschneiderte aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. Die wichtigsten Instrumente dafür sind der Arbeitsmarktfonds (AMF) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Kontinuierliche Beobachtungen des bayerischen Arbeitsmarkts, u. a. durch Auswertungen aus dem IAB-Betriebspanel für Bayern geben wichtige Hinweise zum Einsatz der Fördermittel. Ziel der Arbeitsmarktpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist stets die Integration bzw. der Verbleib der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am ersten Arbeitsmarkt. Zielgruppen sind sowohl Arbeitslosengeld-I-Empfänger als auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Grundsicherung für Arbeitsuchende). Bereiche der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind beispielsweise berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung, Stärkung der Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Erwerbstätigen und kleinen und mittleren Unternehmen sowie arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.

Fazit

Basis für eine positive Entwicklung am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt ist ein effizientes Zusammenwirken von Wirtschafts-, Fiskal-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Entscheidend ist letztlich, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze nicht durch die Politik, sondern durch die Unternehmen geschaffen werden. Ein wesentlicher Teil der Verantwortung für Beschäftigung trifft deshalb die Sozialpartner. Ihre Lohn- und Tarifpolitik entscheidet maßgeblich über die Arbeitsbedingungen und damit auch über die Verhältnisse am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt und den Umfang von Arbeitslosigkeit. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist in einer sozialen Marktwirtschaft eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der alle gesellschaftlichen Kräfte beitragen müssen.