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Arbeitsmarktpolitik

Abb. 1: Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken

Aktuelles

Bayerns Arbeitsmarkt im Dezember 2020

  • Mit einer Arbeitslosenquote von 3,6 % liegt die Quote im Dezember 2020 auf dem Niveau des Vormonats (November 2020: 3,6 %).
     
  • 275.067 Arbeitslose - absolut steigt die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat November leicht um 1,6 % (4.385 Personen). Ein Anstieg zum Vormonat ist im Dezember aufgrund des einsetzenden Winters saisonüblich, jedoch fällt der Anstieg in diesem Jahr vergleichsweise gering aus. Dennoch trifft der aktuelle Lockdown einzelne Branchen wie den Handel oder die Gastronomie hart, er betrifft dieses Mal aber weniger Wirtschaftsbereiche als im Frühjahr. Hinzu kommt, dass der Stichtag für die aktuellen Arbeitsmarktzahlen (10. Dezember) noch vor Beginn des aktuellen Lockdown liegt.
     
  • Die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind weiterhin sehr deutlich, dies zeigt der Vergleich zum Vorjahr: Verglichen mit Dezember 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 66.646 Personen bzw. 32,0 %. Auch die Arbeitslosenquote von 3,6 % liegt weiterhin deutlich über der Quote des Vorjahres (Dezember 2019: 2,8 %).
     
  • Im Bundesländervergleich belegt Bayern mit einer Quote von 3,6 % weiterhin den Spitzenplatz, mit deutlich großem Abstand vor Baden-Württemberg mit 4,2 %.
     
  • Mit einer Arbeitslosenquote von 3,2 % kann die Oberpfalz im Berichtszeitraum auf die niedrigste Arbeitslosigkeit verweisen. Die Spreizung zwischen den Regierungsbezirken von aktuell 1,0 %-Punkten bewegt sich weiterhin auf sehr niedrigem Niveau
     
  • Das Kurzarbeitergeld vermeidet eine höhere Arbeitslosigkeit und sichert Beschäftigung. Während der Pandemie sind in Bayern bislang rund 174.600 Anzeigen auf konjunkturelles Kurzarbeitergeld eingegangen. Insgesamt beziehen sich die Anzeigen auf rund 2.481.100 Personen. Die Zahl neuer Anzeigen ist im Dezember infolge des Lockdown gegenüber den vorausgegangenen Monaten wieder spürbar angestiegen (Dezember 2020 rund 12.400 Anzeigen bzw. rund 108.700 Personen; zum Vergleich: November 2020 rund 9.700 Anzeigen bzw. rund 82.800 Personen).

Ergänzender Hinweis: Aus den Anzeigen auf Kurzarbeit lässt sich noch nicht schließen, wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich in Kurzarbeit waren und in welchem Stundenumfang. Diese Angaben liegen erst mit Zeitverzögerung vor, da für die Auszahlung nach der Anzeige noch ein Antrag auf Kurzarbeitergeld zu stellen ist.

  • Im Berichtszeitraum können 31 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte (rd. 32 %) eine Arbeitslosenquote von unter 3,0 % vorweisen. Der Landkreis Eichstätt liegt mit einer Arbeitslosenquote von 2,0 % bundesweit weiterhin an der Spitze.
Arbeitslosenquote in den kreisfreien Städten und Landkreise Bayerns im Dezember 2020

2,0 % bis 2,9 %
3,0 % bis 3,9 %
4,0 % bis 4,9 %
5,0 % und höher

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ingolstadt, Stadt3,7 %
München, Landeshauptstadt, Stadt4,8 %
Rosenheim, Stadt5,0 %
Altötting3,6 %
Berchtesgadener Land4,5 %
Bad Tölz-Wolfratshausen2,9 %
Dachau2,7 %
Ebersberg2,4 %
Eichstätt2,0 %
Erding2,5 %
Freising2,7 %
Fürstenfeldbruck3,5 %
Garmisch-Partenkirchen4,0 %
Landsberg am Lech3,0 %
Miesbach2,9 %
Mühldorf a.Inn3,7 %
München3,1 %
Neuburg-Schrobenhausen2,6 %
Pfaffenhofen a.d.Ilm2,4 %
Rosenheim2,9 %
Rosenheim2,9 %
Starnberg3,5 %
Traunstein3,3 %
Weilheim-Schongau2,9 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Landshut, Stadt4,7 %
Passau, Stadt5,5 %
Straubing, Stadt5,8 %
Deggendorf3,3 %
Freyung-Grafenau3,2 %
Kelheim3,0 %
Landshut2,9 %
Passau3,5 %
Regen3,8 %
Rottal-Inn3,6 %
Straubing-Bogen2,9 %
Dingolfing-Landau3,3 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Amberg, Stadt5,1 %
Regensburg, Stadt4,5 %
Weiden i.d.OPf., Stadt5,6 %
Amberg-Sulzbach2,8 %
Cham2,9 %
Neumarkt i.d.OPf.2,2 %
Neustadt a.d.Waldnaab3,2 %
Regensburg2,6 %
Schwandorf3,2 %
Tirschenreuth3,2 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Bamberg, Stadt4,7 %
Bayreuth, Stadt4,6 %
Coburg, Stadt5,6 %
Hof, Stadt6,1 %
Bamberg2,8 %
Bayreuth3,1 %
Coburg3,7 %
Forchheim3,0 %
Hof3,6 %
Kronach3,6 %
Kulmbach3,6 %
Lichtenfels3,8 %
Wunsiedel i.Fichtelgebirge4,7 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ansbach, Stadt4,3 %
Erlangen, Stadt4,2 %
Fürth, Stadt5,8 %
Nürnberg, Stadt6,2 %
Schwabach, Stadt4,1 %
Ansbach2,7 %
Erlangen-Höchstadt2,5 %
Fürth3,3 %
Nürnberger Land2,8 %
Nürnberger Land2,8 %
Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim2,6 %
Roth2,6 %
Weißenburg-Gunzenhausen3,6 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Aschaffenburg, Stadt5,9 %
Schweinfurt, Stadt6,5 %
Würzburg, Stadt4,2 %
Aschaffenburg3,4 %
Bad Kissingen3,5 %
Rhön-Grabfeld3,0 %
Haßberge3,1 %
Kitzingen2,6 %
Miltenberg3,4 %
Main-Spessart2,5 %
Schweinfurt2,7 %
Würzburg2,4 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Augsburg, Stadt6,1 %
Kaufbeuren, Stadt4,2 %
Kempten (Allgäu), Stadt4,0 %
Memmingen, Stadt4,1 %
Aichach-Friedberg2,6 %
Augsburg3,1 %
Dillingen a.d.Donau2,5 %
Günzburg3,0 %
Neu-Ulm3,3 %
Lindau (Bodensee)3,3 %
Ostallgäu3,0 %
Unterallgäu2,4 %
Unterallgäu2,4 %
Donau-Ries2,2 %
Oberallgäu3,1 %
Abb. 3: Entwicklung der Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken in den vergangenen zehn Jahren
  • Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist im Vorjahresvergleich deutlich zurückgegangen: Der Stellenbestand liegt mit bayernweit 93.613 gemeldeten offenen Stellen um - 19,1 % bzw. rund 22.100 Stellen deutlich unter dem Vorjahreswert. Auch gegenüber dem Vormonat geht die Zahl der Arbeitsstellen um 3.029 Stellen bzw. 3,1 % zurück. Am rückläufigen Personalbedarf der Unternehmen macht sich der Lockdown bemerkbar, insbesondere in den betroffenen Branchen wie dem Handel und dem Gastgewerbe.
     
  • Nach aktuellen Hochrechnungen waren im Oktober 2020 5.758.300 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren etwas mehr (+ 5.100 Beschäftigte bzw. + 0,1 %) als noch im September. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Beschäftigtenzahl um rd. - 25.400 Beschäftigte bzw. - 0,4 % verringert.
     
  • Im Rückblick der vergangenen zehn Jahre zeigt sich für den Dezember folgendes Bild: Die Arbeitslosenquote von 3,6 % ist die höchste Quote in einem Dezember in Bayern seit dem Dezember 2014. Im Dezember 2010 war die Quote mit 4,0 % jedoch noch deutlich höher.

Arbeitslosenquoten im Dezember 2010 bis 2014 (Angaben in %)

- 2010 2011 2012 2013 2014
Oberbayern 3,7 3,3 3,4 3,6 3,4
Niederbayern 4,0 3,2 3,5 3,4 3,3
Oberpfalz 3,9 3,2 3,5 3,4 3,3
Oberfranken 4,7 4,0 4,2 4,2 4,0
Mittelfranken 4,9 4,3 4,6 4,6 4,5
Unterfranken 3,7 3,1 3,4 3,5 3,4
Schwaben 3,8 3,1 3,4 3,3 3,4
Bayern 4,0 3,4 3,6 3,7 3,6


Arbeitslosenquoten im Dezember 2015 bis 2020 (Angaben in %)

- 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Oberbayern 3,5 3,2 2,9 2,6 2,6 3,7
Niederbayern 3,4 3,2 2,9 2,8 2,8 3,5
Oberpfalz 3,1 2,9 2,6 2,5 2,6 3,2
Oberfranken 3,7 3,6 3,3 3,1 3,2 3,8
Mittelfranken 4,2 4,0 3,6 3,3 3,3 4,2
Unterfranken 3,1 3,1 2,7 2,6 2,7 3,4
Schwaben 3,2 3,0 2,7 2,5 2,7 3,5
Bayern 3,4 3,3 2,9 2,7 2,8 3,6


HINWEIS: Im Zeitverlauf haben Änderungen im Sozialrecht wie in der Organisation der Sozialverwaltungen Einfluss auf die Höhe der Arbeitslosigkeit. Dies ist bei der Interpretation der Daten zu berücksichtigen.

Abb. 4: Arbeitslose im Dezember 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat: Bayern insgesamt und ausgewählte Personengruppen

Die nebenstehende Tabelle zeigt:

  • Mit einer Jugendarbeitslosenquote von 2,9 % sind im Berichtszeitraum rd. 5.700 junge Menschen mehr arbeitslos als im Vorjahr (+ 30,5 %). Die Arbeitslosigkeit der Älteren (50 Jahre und älter) steigt um + 30,0 % bzw. absolut um rd. 23.600 Personen. Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen steigt um 16,9 % bzw. absolut um rd. 3.500 Menschen. Die Langzeitarbeitslosigkeit steigt deutlich an (+ 47,1 % bzw. absolut um 19.900 langzeitarbeitslose Personen). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer liegt bei rund 85.000 Personen. Dies ist im Vorjahresvergleich ein Anstieg um rd. 21.800 Personen bzw. 34,5 %.
     
  • Die Quote (vorläufig hochgerechnete Werte) der erwerbsfähigen Hartz IV-Bezieher im Verhältnis zur Einwohnerzahl unter 65 Jahren ist in Bayern mit 3,2 % weiterhin die mit großem Abstand niedrigste im Vergleich aller Bundesländer (vor Baden-Württemberg mit 4,1 %). Im Bund ist dieser Wert im Vergleich zu Bayern mehr als doppelt so hoch und beträgt 7,0 %.

Informationen

Hier erhalten Sie aktuelle Meldungen, Zahlen und Statistiken zu Bayerns Arbeitsmarkt:

Gesetzlicher Mindestlohn

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie (Tarifautonomiestärkungsgesetz) vom 11.08.2014 wurde zum 01.01.2015 ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet eingeführt (Art. 1 Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns – MiLOG). Zum 01.01.2017 wurde der Mindestlohn auf 8,84 Euro erhöht.
Ausnahmen sind u. a. für Auszubildende, ehrenamtliche Tätigkeiten, Orientierungspraktika, verpflichtende Praktika im Rahmen einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung, Jugendliche bis 18 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung, Langzeitarbeitslose für die ersten 6 Monate der Beschäftigung sowie befristet für Zeitungszustellerinnen und Zeitungszusteller vorgesehen.

Abweichungen waren in einer Übergangszeit für maximal drei Jahre bis 31.12.2017 durch bundesweite Tarifverträge repräsentativer Tarifpartner auf Branchenebene möglich, wenn sie als Mindestentgeltsätze nach den Regeln des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) erstreckt oder als Lohnuntergrenze nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgelegt wurden. Seit 01.01.2017 mussten abweichende Regelungen mindestens ein Entgelt von brutto 8,50 Euro pro Stunde vorsehen. Seit 01.01.2018 gilt das bundesweite gesetzliche Mindestlohnniveau uneingeschränkt.

Die Höhe des Mindestlohns wird regelmäßig (erstmals erfolgt mit Wirkung zum 01.01.2017) von einer paritätisch besetzten und unabhängigen Kommission der Tarifpartner überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Mindestlohnkommission besteht aus einer/einem Vorsitzenden, sechs stimmberechtigten Mitgliedern und zwei beratenden Mitgliedern aus Kreisen der Wissenschaft (ohne Stimmrecht). Die stimmberechtigten Mitglieder der Kommission werden durch die Bundesregierung auf Vorschlag der Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer berufen.

Information

Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finden Sie weitere Informationen zum Mindestlohn.

Bilanz 2019

2019 weiterhin rekordverdächtig

Trotz einer sich abkühlenden Konjunktur und steigender Arbeitslosigkeit seit Juli 2019 kann Bayern im Jahresdurchschnitt 2019 auf die geringste Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten verweisen.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Bayerns Arbeitsmarkt 2019

Bilanz 2019: Spitzenwerte an Bayerns Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt 

Die Verbesserung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktrelevanten Rahmenbedingungen ist eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe. Bayern bringt sich hier aktiv auf Bundesebene ein und entwickelt beispielsweise im Bereich der Langzeitarbeitslosen, Jugendlichen und älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch eigene Konzepte (wie die Arbeitsmarktinitiative Ältere und Arbeitswelt).

Auf Landesebene arbeitet die Bayerische Staatsregierung eng mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Die Zusammenarbeit wurde Ende 2004 in einer Vereinbarung geregelt und erfolgt seitdem im Wesentlichen über einen regelmäßigen Informationsaustausch und gemeinsame Initiativen.

Instrumente 

Für eine nachhaltige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist darüber hinaus eine innovative und für den bayerischen Arbeitsmarkt maßgeschneiderte aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. Die wichtigsten Instrumente dafür sind der Arbeitsmarktfonds (AMF) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Kontinuierliche Beobachtungen des bayerischen Arbeitsmarkts, u. a. durch Auswertungen aus dem IAB-Betriebspanel für Bayern geben wichtige Hinweise zum Einsatz der Fördermittel. Ziel der Arbeitsmarktpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist stets die Integration bzw. der Verbleib der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am ersten Arbeitsmarkt. Zielgruppen sind sowohl Arbeitslosengeld-I-Empfänger als auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Grundsicherung für Arbeitsuchende). Bereiche der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind beispielsweise berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung, Stärkung der Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Erwerbstätigen und kleinen und mittleren Unternehmen sowie arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.

Fazit

Basis für eine positive Entwicklung am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt ist ein effizientes Zusammenwirken von Wirtschafts-, Fiskal-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Entscheidend ist letztlich, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze nicht durch die Politik, sondern durch die Unternehmen geschaffen werden. Ein wesentlicher Teil der Verantwortung für Beschäftigung trifft deshalb die Sozialpartner. Ihre Lohn- und Tarifpolitik entscheidet maßgeblich über die Arbeitsbedingungen und damit auch über die Verhältnisse am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt und den Umfang von Arbeitslosigkeit. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist in einer sozialen Marktwirtschaft eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der alle gesellschaftlichen Kräfte beitragen müssen.