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Arbeitsmarktpolitik

Abb. 1: Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken

Aktuelles

Bayerns Arbeitsmarkt im April 2020

  • Mit einer Arbeitslosenquote von 3,6 % erhöht sich die Quote gegenüber dem Vormonat deutlich (März 2020: 3,1 %). Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich nunmehr auch auf dem Bayerischen Arbeitsmarkt. Gegenüber März 2020 ist ein Anstieg um 17,6 % (40.738 Personen) zu verzeichnen. Die im April saisonüblich einsetzende Frühjahrsbelebung bleibt aus.
     
  • Noch stärker fällt das Plus im Vergleich zum Vorjahr aus: 271.853 Arbeitslose - verglichen mit dem Vorjahr (April 2019) steigt die Arbeitslosigkeit um 67.745 Personen bzw. 33,2 %. Auch die Quote von 3,6 % liegt sehr deutlich über der (Rekord-)Quote des Vorjahres (April 2019: 2,8 %).
     
  • Im Bundesländervergleich belegt Bayern mit einer Quote von 3,6 % dennoch weiterhin den Spitzenplatz, vor Baden-Württemberg mit 4,0 %.
     
  • Sowohl im Vormonats- als auch im Vorjahresvergleich steigt die Arbeitslosigkeit in allen Regierungsbezirken. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,3 % kann die Oberpfalz im Berichtszeitraum dabei auf die niedrigste Arbeitslosigkeit verweisen. Die Spreizung zwischen den Regierungsbezirken von aktuell 0,9 %-Punkten bewegt sich weiterhin auf niedrigem Niveau.
     
  • Das Kurzarbeitergeld vermeidet eine höhere Arbeitslosigkeit und sichert Beschäftigung: Im März und April 2020 sind fast 120.000 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld in Bayern eingegangen. Insgesamt beziehen sich die Anzeigen auf rund 1,76 Mio. Personen.
     
  • Im Berichtszeitraum können 31 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte
    (rd. 32 %) eine Arbeitslosenquote von unter 3,0 % vorweisen. Der Landkreis Eichstätt liegt mit einer Arbeitslosenquote von 2,0 % bundesweit weiterhin an der Spitze.
Arbeitlosenquote in den kreisfreien Städten und Landkreise Bayerns im April 2020

unter 2,0%
2,0% bis 2,9%
3,0% bis 3,9%
4,0% bis 4,9%
5,0% und höher

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ingolstadt, Stadt3,8%
München, Landeshauptstadt, Stadt4,6%
Rosenheim, Stadt5,1%
Altötting 3,4%
Berchtesgadener Land 4,8%
Bad Tölz-Wolfratshausen 2,8%
Dachau 2,7%
Ebersberg 2,4%
Eichstätt 2,0%
Erding 2,4%
Freising 2,7%
Fürstenfeldbruck 3,1%
Garmisch-Partenkirchen 4,2%
Landsberg am Lech 3,0%
Miesbach 3,2%
Mühldorf a.Inn 3,7%
München 2,9%
Neuburg-Schrobenhausen 2,5%
Pfaffenhofen a.d.Ilm 2,1%
Rosenheim 3,0%
Rosenheim 3,0%
Starnberg 3,0%
Traunstein 3,4%
Weilheim-Schongau 2,8%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Landshut, Stadt5,0%
Passau, Stadt5,5%
Straubing, Stadt5,5%
Deggendorf 3,3%
Freyung-Grafenau 3,3%
Kelheim 2,7%
Landshut 2,9%
Passau 3,8%
Regen 3,8%
Rottal-Inn 3,7%
Straubing-Bogen 3,0%
Dingolfing-Landau 3,5%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Amberg, Stadt5,4%
Regensburg, Stadt4,1%
Weiden i.d.OPf., Stadt5,9%
Amberg-Sulzbach 2,9%
Cham 3,2%
Neumarkt i.d.OPf. 2,2%
Neustadt a.d.Waldnaab 3,3%
Regensburg 2,4%
Schwandorf 3,4%
Tirschenreuth 3,5%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Bamberg, Stadt4,4%
Bayreuth, Stadt5,4%
Coburg, Stadt5,8%
Hof, Stadt7,2%
Bamberg 2,6%
Bayreuth 3,4%
Coburg 3,7%
Forchheim 2,9%
Hof 3,8%
Kronach 3,9%
Kulmbach 4,0%
Lichtenfels 4,2%
Wunsiedel i.Fichtelgebirge 5,5%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ansbach, Stadt4,6%
Erlangen, Stadt3,9%
Fürth, Stadt5,7%
Nürnberg, Stadt6,2%
Schwabach, Stadt3,9%
Ansbach 2,9%
Erlangen-Höchstadt 2,4%
Fürth 3,1%
Nürnberger Land 2,9%
Nürnberger Land 2,9%
Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim 2,6%
Roth 2,5%
Weißenburg-Gunzenhausen 3,6%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Aschaffenburg, Stadt6,0%
Schweinfurt, Stadt7,1%
Würzburg, Stadt4,0%
Aschaffenburg 3,3%
Bad Kissingen 3,5%
Rhön-Grabfeld 3,2%
Haßberge 3,4%
Kitzingen 2,7%
Miltenberg 3,6%
Main-Spessart 2,5%
Schweinfurt 2,9%
Würzburg 2,2%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Augsburg, Stadt6,1%
Kaufbeuren, Stadt4,5%
Kempten (Allgäu), Stadt4,2%
Memmingen, Stadt4,2%
Aichach-Friedberg 2,6%
Augsburg 3,0%
Dillingen a.d.Donau 2,6%
Günzburg 2,4%
Neu-Ulm 3,2%
Lindau (Bodensee) 3,3%
Ostallgäu 3,2%
Unterallgäu 2,5%
Unterallgäu 2,5%
Donau-Ries 2,1%
Oberallgäu 3,2%
Abb. 2: Entwicklung der Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken in den vergangenen zehn Jahren
  • Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften geht aufgrund der Corona-Pandemie deutlich zurück: Der Stellenbestand liegt mit bayernweit 103.837 gemeldeten offenen Stellen um 19,0 % bzw. rd. 24.400 Stellen deutlich unter dem Vorjahreswert. Gegenüber dem Vormonat März 2020 ging der Bestand an Stellen um rund 11.500 Stellen zurück.
     
  • Nach aktuellen Hochrechnungen waren im Februar 2020 5.707.700 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Da die aktuellsten hochgerechneten Zahlen nur bis Februar 2020 vorliegen, werden die Auswirkungen der Corona-Pandemie bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten jedoch noch nicht deutlich.
     
  • m Rückblick der vergangenen zehn Jahre zeigt sich folgendes Bild: Die aktuelle Arbeitslosenquote von 3,6 % in Bayern ist so hoch wie zuletzt im April 2016. Im April 2010 lag sie jedoch noch deutlich höher bei 4,8 %.

Arbeitslosenquoten im April 2010 bis 2014 (Angaben in %)

- 2010 2011 2012 2013 2014
Oberbayern 4,4 3,7 3,5 3,7 3,7
Niederbayern 4,6 3,6 3,4 3,5 3,4
Oberpfalz 4,8 3,7 3,4 3,8 3,5
Oberfranken 5,6 4,6 4,3 4,5 4,3
Mittelfranken 5,6 4,9 4,7 4,9 4,8
Unterfranken 4,6 3,6 3,4 3,7 3,5
Schwaben 4,7 3,6 3,4 3,6 3,5
Bayern 4,8 3,9 3,7 3,9 3,8


Arbeitslosenquoten im April 2015 bis 2020 (Angaben in %)

- 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Oberbayern 3,6 3,4 3,2 2,9 2,6 3,6
Niederbayern 3,3 3,6 3,0 2,8 2,7 3,6
Oberpfalz 3,4 3,2 2,9 2,6 2,5 3,3
Oberfranken 4,2 3,8 3,6 3,3 3,1 4,0
Mittelfranken 4,6 4,4 3,9 3,6 3,4 4,2
Unterfranken 3,4 3,4 3,0 2,7 2,7 3,4
Schwaben 3,5 3,4 2,9 2,7 2,5 3,5
Bayern 3,7 3,6 3,2 2,9 2,8 3,6

Hinweis: Im Zeitverlauf haben Änderungen im Sozialrecht wie in der Organisation der Sozialverwaltungen Einfluss auf die Höhe der Arbeitslosigkeit. Dies ist bei der Interpretation der Daten zu berücksichtigen.

Abb. 3: Arbeitslose im April 2020 mit Vergleich zum Vorjahresmonat: Bayern insgesamt und ausgewählte Personengruppen

Die nebenstehende Tabelle zeigt:

  • Bei einer Jugendarbeitslosenquote von 3,5 % sind im Berichtszeitraum rund 10.000 junge Menschen mehr arbeitslos als im Vorjahr (+52,3 %). Die Arbeitslosigkeit der Älteren (50 Jahre und älter) steigt um 25,5 % bzw. absolut um rd. 19.500 Personen. Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen steigt um 15,2 % bzw. absolut um rd. 3.100 Menschen. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit steigt an (+5,0 % bzw. absolut um rd. 2.200 langzeitarbeitslose Personen). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer liegt bei rund 85.200 Personen. Dies ist im Vorjahresvergleich ein Anstieg um rd. 23.800 Personen bzw. 38,7 %.
     
  • Die Quote der erwerbsfähigen Hartz IV-Bezieher im Verhältnis zur Einwohnerzahl unter 65 Jahren ist in Bayern mit 3,2 % weiterhin die mit großem Abstand niedrigste im Vergleich aller Bundesländer (vor Baden-Württemberg mit 4,1 %). Im Bund ist dieser Wert mehr als doppelt so hoch und beträgt 7,1 %.

Informationen

Hier erhalten Sie aktuelle Meldungen, Zahlen und Statistiken zu Bayerns Arbeitsmarkt:

Gesetzlicher Mindestlohn

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie (Tarifautonomiestärkungsgesetz) vom 11.08.2014 wurde zum 01.01.2015 ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet eingeführt (Art. 1 Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns – MiLOG). Zum 01.01.2017 wurde der Mindestlohn auf 8,84 Euro erhöht.
Ausnahmen sind u. a. für Auszubildende, ehrenamtliche Tätigkeiten, Orientierungspraktika, verpflichtende Praktika im Rahmen einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung, Jugendliche bis 18 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung, Langzeitarbeitslose für die ersten 6 Monate der Beschäftigung sowie befristet für Zeitungszustellerinnen und Zeitungszusteller vorgesehen.

Abweichungen waren in einer Übergangszeit für maximal drei Jahre bis 31.12.2017 durch bundesweite Tarifverträge repräsentativer Tarifpartner auf Branchenebene möglich, wenn sie als Mindestentgeltsätze nach den Regeln des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) erstreckt oder als Lohnuntergrenze nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgelegt wurden. Seit 01.01.2017 mussten abweichende Regelungen mindestens ein Entgelt von brutto 8,50 Euro pro Stunde vorsehen. Seit 01.01.2018 gilt das bundesweite gesetzliche Mindestlohnniveau uneingeschränkt.

Die Höhe des Mindestlohns wird regelmäßig (erstmals erfolgt mit Wirkung zum 01.01.2017) von einer paritätisch besetzten und unabhängigen Kommission der Tarifpartner überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Mindestlohnkommission besteht aus einer/einem Vorsitzenden, sechs stimmberechtigten Mitgliedern und zwei beratenden Mitgliedern aus Kreisen der Wissenschaft (ohne Stimmrecht). Die stimmberechtigten Mitglieder der Kommission werden durch die Bundesregierung auf Vorschlag der Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer berufen.

Information

Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finden Sie weitere Informationen zum Mindestlohn.

Bilanz 2019

2019 weiterhin rekordverdächtig

Trotz einer sich abkühlenden Konjunktur und steigender Arbeitslosigkeit seit Juli 2019 kann Bayern im Jahresdurchschnitt 2019 auf die geringste Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten verweisen.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Bayerns Arbeitsmarkt 2019

Bilanz 2019: Spitzenwerte an Bayerns Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt 

Die Verbesserung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktrelevanten Rahmenbedingungen ist eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe. Bayern bringt sich hier aktiv auf Bundesebene ein und entwickelt beispielsweise im Bereich der Langzeitarbeitslosen, Jugendlichen und älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch eigene Konzepte (wie die Arbeitsmarktinitiative Ältere und Arbeitswelt).

Auf Landesebene arbeitet die Bayerische Staatsregierung eng mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Die Zusammenarbeit wurde Ende 2004 in einer Vereinbarung geregelt und erfolgt seitdem im Wesentlichen über einen regelmäßigen Informationsaustausch und gemeinsame Initiativen.

Instrumente 

Für eine nachhaltige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist darüber hinaus eine innovative und für den bayerischen Arbeitsmarkt maßgeschneiderte aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. Die wichtigsten Instrumente dafür sind der Arbeitsmarktfonds (AMF) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Kontinuierliche Beobachtungen des bayerischen Arbeitsmarkts, u. a. durch Auswertungen aus dem IAB-Betriebspanel für Bayern geben wichtige Hinweise zum Einsatz der Fördermittel. Ziel der Arbeitsmarktpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist stets die Integration bzw. der Verbleib der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am ersten Arbeitsmarkt. Zielgruppen sind sowohl Arbeitslosengeld-I-Empfänger als auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Grundsicherung für Arbeitsuchende). Bereiche der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind beispielsweise berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung, Stärkung der Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Erwerbstätigen und kleinen und mittleren Unternehmen sowie arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.

Fazit

Basis für eine positive Entwicklung am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt ist ein effizientes Zusammenwirken von Wirtschafts-, Fiskal-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Entscheidend ist letztlich, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze nicht durch die Politik, sondern durch die Unternehmen geschaffen werden. Ein wesentlicher Teil der Verantwortung für Beschäftigung trifft deshalb die Sozialpartner. Ihre Lohn- und Tarifpolitik entscheidet maßgeblich über die Arbeitsbedingungen und damit auch über die Verhältnisse am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt und den Umfang von Arbeitslosigkeit. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist in einer sozialen Marktwirtschaft eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der alle gesellschaftlichen Kräfte beitragen müssen.