Hauptinhalt

Arbeitsmarktpolitik

Abb. 1: Arbeitslose in Bayern und den Regierungsbezirken

Aktuelles

Bayerns Arbeitsmarkt im Januar 2020

Die nebenstehende Tabelle zeigt:

  • Der bayerische Arbeitsmarkt zeigt sich - trotz einer Abkühlung der Konjunktur - weiterhin robust. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,3 % und damit unverändert auf dem gleichen Rekordniveau des Vorjahres (Januar 2019: 3,3 %).
     
  • 249.502 Arbeitslose - verglichen mit dem Vorjahr (Januar 2019) ist, wie bereits in den Vormonaten, ein Anstieg zu verzeichnen; die konjunkturbedingte Abkühlung setzt sich fort: Gegenüber Januar 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um + 6.824 Personen bzw. + 2,8 %. Ausschlaggebend für den Anstieg ist die Entwicklung im Rechtskreis SGB III: Die Zahl der Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung ist im Vorjahresvergleich um 11.864 bzw. 8,1 % angestiegen, während sie in der Grundsicherung um 5.040 bzw. 5,2 % zurückgegangen ist.
     
  • Im Vormonatsvergleich steigt die Arbeitslosigkeit saisonbedingt deutlich. Gegenüber Dezember 2019 ist ein Anstieg um + 19,7 % (rd. + 41.100 Personen) zu verzeichnen. Entsprechend dem saisonalen Muster steigt die Arbeitslosigkeit bei Männern deutlicher an (+ 32.512 bzw. 27,8 %) als bei Frauen (+ 8.571 bzw. 9,4 %), da Männer eher in witterungsbedingten Branchen und Außenberufen arbeiten.
     
  • Im Bundesländervergleich belegt Bayern mit einer Quote von 3,3 % den Spitzenplatz, vor Baden-Württemberg mit 3,5 %.
     
  • Schwaben ist im Januar 2020 mit einer Arbeitslosenquote von 3,0 % Spitzenreiter unter Bayerns Regierungsbezirken. Darüber hinaus zeigt sich eine sehr geringe Spreizung von aktuell nur
    0,9 %-Punkten zwischen den Regierungsbezirken.

Aktuell können 40 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte (rd. 42 %) eine Arbeitslosenquote von unter 3,0 % vorweisen. Der Landkreis Eichstätt liegt mit einer Arbeitslosenquote von 1,7 % bundesweit weiterhin an der Spitze.

Arbeitlosenquote in den kreisfreien Städten und Landkreise Bayerns im Januar 2020

unter 2,0%
2,0% bis 2,9%
3,0% bis 3,9%
4,0% bis 4,9%
5,0% und höher

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ingolstadt, Stadt3,2%
München, Landeshauptstadt, Stadt3,8%
Rosenheim, Stadt4,4%
Altötting 3,5%
Berchtesgadener Land 4,3%
Bad Tölz-Wolfratshausen 2,6%
Dachau 2,3%
Ebersberg 2,1%
Eichstätt 1,7%
Erding 2,1%
Freising 2,5%
Fürstenfeldbruck 2,7%
Garmisch-Partenkirchen 3,1%
Landsberg am Lech 2,6%
Miesbach 2,7%
Mühldorf a.Inn 3,6%
München 2,5%
Neuburg-Schrobenhausen 2,5%
Pfaffenhofen a.d.Ilm 2,1%
Rosenheim 2,6%
Rosenheim 2,6%
Starnberg 2,7%
Traunstein 3,2%
Weilheim-Schongau 2,6%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Landshut, Stadt4,7%
Passau, Stadt5,0%
Straubing, Stadt5,5%
Deggendorf 3,6%
Freyung-Grafenau 4,2%
Kelheim 3,0%
Landshut 3,2%
Passau 4,2%
Regen 4,8%
Rottal-Inn 4,1%
Straubing-Bogen 3,6%
Dingolfing-Landau 3,2%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Amberg, Stadt5,3%
Regensburg, Stadt3,7%
Weiden i.d.OPf., Stadt5,7%
Amberg-Sulzbach 2,9%
Cham 4,4%
Neumarkt i.d.OPf. 2,2%
Neustadt a.d.Waldnaab 3,6%
Regensburg 2,4%
Schwandorf 3,5%
Tirschenreuth 3,6%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Bamberg, Stadt4,2%
Bayreuth, Stadt5,0%
Coburg, Stadt5,2%
Hof, Stadt6,1%
Bamberg 2,4%
Bayreuth 3,4%
Coburg 3,5%
Forchheim 3,0%
Hof 3,8%
Kronach 3,9%
Kulmbach 3,8%
Lichtenfels 4,0%
Wunsiedel i.Fichtelgebirge 5,2%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ansbach, Stadt4,4%
Erlangen, Stadt3,7%
Fürth, Stadt5,2%
Nürnberg, Stadt5,4%
Schwabach, Stadt3,5%
Ansbach 2,8%
Erlangen-Höchstadt 2,2%
Fürth 2,9%
Nürnberger Land 2,6%
Nürnberger Land 2,6%
Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim 2,3%
Roth 2,3%
Weißenburg-Gunzenhausen 3,5%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Aschaffenburg, Stadt5,4%
Schweinfurt, Stadt6,7%
Würzburg, Stadt3,5%
Aschaffenburg 2,9%
Bad Kissingen 3,2%
Rhön-Grabfeld 2,8%
Haßberge 3,2%
Kitzingen 2,6%
Miltenberg 3,1%
Main-Spessart 2,2%
Schweinfurt 2,6%
Würzburg 2,1%
KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Augsburg, Stadt5,4%
Kaufbeuren, Stadt4,5%
Kempten (Allgäu), Stadt3,5%
Memmingen, Stadt3,8%
Aichach-Friedberg 2,6%
Augsburg 2,6%
Dillingen a.d.Donau 2,2%
Günzburg 2,6%
Neu-Ulm 2,6%
Lindau (Bodensee) 3,0%
Ostallgäu 2,5%
Unterallgäu 2,2%
Unterallgäu 2,2%
Donau-Ries 2,0%
Oberallgäu 2,3%
Abb. 2: Entwicklung der Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken in den vergangenen zehn Jahren
  • Der Stellenbestand liegt mit bayernweit 112.234 gemeldeten offenen Stellen um - 9,1 % bzw.  
    - 11.200 Stellen deutlich unter dem Vorjahreswert. Gegenüber dem Vormonat Dezember 2019 ging der Bestand an Stellen um - 3,0 % bzw. - 3.455 Stellen zurück. Die Nachfrage nach Arbeitskräften in Bayern ist zwar weiterhin auf hohem Niveau, schwächt sich aber konjunkturbedingt weiter ab und konzentriert sich hauptsächlich auf Fachkräfte.
     
  • Die noch grundsätzlich positive Arbeitsmarktlage in Bayern spiegelt sich in den Beschäftigtenzahlen wider. Nach aktuellen Hochrechnungen waren im November 2019 5.786.100 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vorjahresvergleich ist dies ein leichtes Plus von 86.500 Beschäftigten bzw. + 1,5 %, der Beschäftigungsaufwuchs verlangsamt sich.
     
  • Die Zahl der Arbeitslosen wurde innerhalb der letzten zehn Jahre um rd. 32 % reduziert. Die Arbeitslosenquote ging von 5.5 % (Januar 2010) auf 3,3 % zurück.

Arbeitslosenzahlen im Januar 2010-2014

- 2010 2011 2012 2013 2014
Oberbayern 5,0 4,3 3,9 4,1 4,1
Niederbayern 6,3 5,5 4,8 4,9 4,7
Oberpfalz 6,0 5,1 4,3 4,6 4,4
Oberfranken 6,4 5,7 5,0 5,1 5,1
Mittelfranken 6,2 5,5 5,0 5,3 5,2
Unterfranken 5,0 4,3 3,7 4,0 4,0
Schwaben 5,2 4,4 3,7 3,9 3,8
Bayern 5,5 4,8 4,2 4,4 4,4


Arbeitslosenzahlen im Dezember 2015-20

- 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Oberbayern 4,0 3,8 3,6 3,3 3,1 3,1
Niederbayern 4,7 4,7 4,3 4,0 3,9 3,9
Oberpfalz 4,3 4,1 3,8 3,4 3,3 3,4
Oberfranken 5,0 4,5 4,3 3,9 3,7 3,8
Mittelfranken 5,1 4,8 4,5 4,0 3,8 3,8
Unterfranken 3,8 3,7 3,5 3,1 3,0 3,1
Schwaben 3,9 3,7 3,4 3,1 2,0 3,0
Bayern 4,3 4,1 3,8 3,5 3,3 3,3

Hinweis: Im Zeitverlauf haben Änderungen im Sozialrecht wie in der Organisation der Sozialverwaltungen Einfluss auf die Höhe der Arbeitslosigkeit. Dies ist bei der Interpretation der Daten zu berücksichtigen.

Abb. 3: Arbeitslose im Januar 2020 mit Vergleich zum Vorjahresmonat: Bayern insgesamt und ausgewählte Personengruppen

Die nebenstehende Tabelle zeigt:

  • Bayern bekämpft erfolgreich die Jugendarbeitslosigkeit, junge Menschen finden in Bayern weiterhin beste Voraussetzungen für einen gelingenden Start ins Erwerbsleben. Bei einer Jugendarbeitslosenquote von 2,7 % sind aktuell allerdings 1.187 bzw. + 5,6 % mehr junge Menschen arbeitslos als im Vorjahr.
     
  • Bei allen weiteren Personengruppen zeigt sich gegenüber dem Vorjahr folgendes Bild: Die Arbeitslosigkeit der Älteren (50 Jahre und älter) steigt um + 3,2 % bzw. absolut um rd. 2.900 Personen. Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen steigt um + 3,2 % bzw. absolut um rd. 700 Menschen. Erfreulich ist weiterhin der ausgeprägte Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit (- 5,2% bzw. absolut: rd. - 2.400 langzeitarbeitslose Personen). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer liegt bei 75.733 Personen. Dies ist im Vorjahresvergleich ein Anstieg um rd. + 3.900 Personen bzw. + 5,4 %.
     
  • Die Quote der erwerbsfähigen Hartz IV-Bezieher im Verhältnis zur Einwohnerzahl unter 65 Jahren ist in Bayern mit 3,0 % weiterhin die mit großem Abstand niedrigste im Vergleich aller Bundesländer (vor Baden-Württemberg mit 3,9 %). Im Bund ist dieser Wert mehr als doppelt so hoch und beträgt 6,9 %.

Informationen

Hier erhalten Sie aktuelle Meldungen, Zahlen und Statistiken zu Bayerns Arbeitsmarkt:

Gesetzlicher Mindestlohn

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie (Tarifautonomiestärkungsgesetz) vom 11.08.2014 wurde zum 01.01.2015 ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet eingeführt (Art. 1 Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns – MiLOG). Zum 01.01.2017 wurde der Mindestlohn auf 8,84 Euro erhöht.
Ausnahmen sind u. a. für Auszubildende, ehrenamtliche Tätigkeiten, Orientierungspraktika, verpflichtende Praktika im Rahmen einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung, Jugendliche bis 18 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung, Langzeitarbeitslose für die ersten 6 Monate der Beschäftigung sowie befristet für Zeitungszustellerinnen und Zeitungszusteller vorgesehen.

Abweichungen waren in einer Übergangszeit für maximal drei Jahre bis 31.12.2017 durch bundesweite Tarifverträge repräsentativer Tarifpartner auf Branchenebene möglich, wenn sie als Mindestentgeltsätze nach den Regeln des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) erstreckt oder als Lohnuntergrenze nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgelegt wurden. Seit 01.01.2017 mussten abweichende Regelungen mindestens ein Entgelt von brutto 8,50 Euro pro Stunde vorsehen. Seit 01.01.2018 gilt das bundesweite gesetzliche Mindestlohnniveau uneingeschränkt.

Die Höhe des Mindestlohns wird regelmäßig (erstmals erfolgt mit Wirkung zum 01.01.2017) von einer paritätisch besetzten und unabhängigen Kommission der Tarifpartner überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Mindestlohnkommission besteht aus einer/einem Vorsitzenden, sechs stimmberechtigten Mitgliedern und zwei beratenden Mitgliedern aus Kreisen der Wissenschaft (ohne Stimmrecht). Die stimmberechtigten Mitglieder der Kommission werden durch die Bundesregierung auf Vorschlag der Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer berufen.

Information

Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finden Sie weitere Informationen zum Mindestlohn.

Bilanz 2019

2019 weiterhin rekordverdächtig

Trotz einer sich abkühlenden Konjunktur und steigender Arbeitslosigkeit seit Juli 2019 kann Bayern im Jahresdurchschnitt 2019 auf die geringste Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten verweisen.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Bayerns Arbeitsmarkt 2019

Bilanz 2019: Spitzenwerte an Bayerns Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt 

Die Verbesserung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktrelevanten Rahmenbedingungen ist eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe. Bayern bringt sich hier aktiv auf Bundesebene ein und entwickelt beispielsweise im Bereich der Langzeitarbeitslosen, Jugendlichen und älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch eigene Konzepte (wie die Arbeitsmarktinitiative Ältere und Arbeitswelt).

Auf Landesebene arbeitet die Bayerische Staatsregierung eng mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Die Zusammenarbeit wurde Ende 2004 in einer Vereinbarung geregelt und erfolgt seitdem im Wesentlichen über einen regelmäßigen Informationsaustausch und gemeinsame Initiativen.

Instrumente 

Für eine nachhaltige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist darüber hinaus eine innovative und für den bayerischen Arbeitsmarkt maßgeschneiderte aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. Die wichtigsten Instrumente dafür sind der Arbeitsmarktfonds (AMF) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Kontinuierliche Beobachtungen des bayerischen Arbeitsmarkts, u. a. durch Auswertungen aus dem IAB-Betriebspanel für Bayern geben wichtige Hinweise zum Einsatz der Fördermittel. Ziel der Arbeitsmarktpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist stets die Integration bzw. der Verbleib der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am ersten Arbeitsmarkt. Zielgruppen sind sowohl Arbeitslosengeld-I-Empfänger als auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Grundsicherung für Arbeitsuchende). Bereiche der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind beispielsweise berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung, Stärkung der Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Erwerbstätigen und kleinen und mittleren Unternehmen sowie arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.

Fazit

Basis für eine positive Entwicklung am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt ist ein effizientes Zusammenwirken von Wirtschafts-, Fiskal-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Entscheidend ist letztlich, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze nicht durch die Politik, sondern durch die Unternehmen geschaffen werden. Ein wesentlicher Teil der Verantwortung für Beschäftigung trifft deshalb die Sozialpartner. Ihre Lohn- und Tarifpolitik entscheidet maßgeblich über die Arbeitsbedingungen und damit auch über die Verhältnisse am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt und den Umfang von Arbeitslosigkeit. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist in einer sozialen Marktwirtschaft eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der alle gesellschaftlichen Kräfte beitragen müssen.