Hauptinhalt

Arbeitsmarktpolitik

Abb. 1: Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken

Aktuelles

Bayerns Arbeitsmarkt im Oktober 2020

  • Mit einer Arbeitslosenquote von 3,7 % liegt die Quote im Oktober 2020 erfreulicherweise unter dem Niveau des Vormonats (September 2020: 3,9 %).
     
  • 277.963 Arbeitslose - absolut sinkt die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat September um - 5,1 % (14.956 Personen). Im Vormonatsvergleich sinkt die Arbeitslosigkeit vor allem durch den Start des Ausbildungs- und Studienjahres saisonüblich. Der Rückgang fällt in diesem Jahr sogar vergleichsweise stark aus, was auf Nachholeffekte u.a. in der Gastronomie, im Verkauf und der Logistik zurückzuführen ist.
     
  • Die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind aber weiterhin sehr deutlich: Verglichen mit Oktober 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 77.467 Personen bzw. 38,6 %. Auch die Arbeitslosenquote von 3,7 % liegt weiterhin deutlich über der Quote des Vorjahres (Oktober 2019: 2,7 %). Jedoch stabilisiert sich der Arbeitsmarkt weiter und erholt sich leicht: Der Anstieg zum Vorjahr fällt seit Juni zunehmend geringer aus. Trotz der positiven Signale bleibt die Lage durch die derzeit stark steigenden Infektionszahlen fragil.
     
  • Im Bundesländervergleich belegt Bayern mit einer Quote von 3,7 % weiterhin den Spitzenplatz, mit deutlich großem Abstand vor Baden-Württemberg mit 4,3 %.
     
  • Mit einer Arbeitslosenquote von jeweils 3,3 % kann die Oberpfalz im Berichtszeitraum auf die niedrigste Arbeitslosigkeit verweisen. Die Spreizung zwischen den Regierungsbezirken von aktuell 1,0 %-Punkten bewegt sich weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.
     
  • Das Kurzarbeitergeld vermeidet weiterhin eine höhere Arbeitslosigkeit und sichert Beschäftigung. Während der Pandemie sind in Bayern bislang rund 151.800 Anzeigen auf konjunkturelles Kurzarbeitergeld eingegangen. Insgesamt beziehen sich die Anzeigen auf rund 2.282.600 Personen. Die Zahl neuer Anzeigen ist jedoch in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen (Oktober rund 1.500 Anzeigen bzw. rund 18.300 Personen).

    Ergänzender Hinweis: Aus den Anzeigen auf Kurzarbeit lässt sich noch nicht schließen, wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich in Kurzarbeit waren und in welchem Stundenumfang. Diese Angaben liegen erst mit Zeitverzögerung vor, da für die Auszahlung nach der Anzeige noch ein Antrag auf Kurzarbeitergeld zu stellen ist.
     
  • Im Berichtszeitraum können 33 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte (34 %) eine Arbeitslosenquote von unter 3,0 % vorweisen. Der Landkreis Eichstätt liegt mit einer Arbeitslosenquote von 1,9 % bundesweit weiterhin an der Spitze.

     

Arbeitlosenquote in den kreisfreien Städten und Landkreise Bayerns im September 2020

unter 2,0%
2,0% bis 2,9%
3,0% bis 3,9%
4,0% bis 4,9%
5,0% und höher

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ingolstadt, Stadt4,2%
München, Landeshauptstadt, Stadt5,4%
Rosenheim, Stadt5,5%
Altötting3,4%
Berchtesgadener Land3,8%
Bad Tölz-Wolfratshausen3,0%
Dachau3,0%
Ebersberg2,6%
Eichstätt2,1%
Erding2,7%
Freising3,1%
Fürstenfeldbruck3,7%
Garmisch-Partenkirchen3,2%
Landsberg am Lech3,4%
Miesbach2,8%
Mühldorf a.Inn4,0%
München3,5%
Neuburg-Schrobenhausen2,7%
Pfaffenhofen a.d.Ilm2,5%
Rosenheim3,2%
Rosenheim3,2%
Starnberg3,7%
Traunstein3,1%
Weilheim-Schongau3,1%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Landshut, Stadt5,3%
Passau, Stadt5,9%
Straubing, Stadt6,1%
Deggendorf3,3%
Freyung-Grafenau2,8%
Kelheim3,1%
Landshut3,1%
Passau3,3%
Regen3,2%
Rottal-Inn3,6%
Straubing-Bogen2,8%
Dingolfing-Landau3,5%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Amberg, Stadt5,5%
Regensburg, Stadt5,0%
Weiden i.d.OPf., Stadt5,9%
Amberg-Sulzbach3,0%
Cham2,8%
Neumarkt i.d.OPf.2,3%
Neustadt a.d.Waldnaab3,3%
Regensburg2,9%
Schwandorf3,5%
Tirschenreuth3,2%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Bamberg, Stadt4,7%
Bayreuth, Stadt5,4%
Coburg, Stadt6,0%
Hof, Stadt6,8%
Bamberg2,7%
Bayreuth3,1%
Coburg3,8%
Forchheim3,1%
Hof3,6%
Kronach3,8%
Kulmbach3,9%
Lichtenfels4,3%
Wunsiedel i.Fichtelgebirge5,3%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ansbach, Stadt4,9%
Erlangen, Stadt4,4%
Fürth, Stadt6,0%
Nürnberg, Stadt6,9%
Schwabach, Stadt4,2%
Ansbach2,8%
Erlangen-Höchstadt2,6%
Fürth3,4%
Nürnberger Land3,2%
Nürnberger Land3,2%
Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim2,7%
Roth2,8%
Weißenburg-Gunzenhausen3,4%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Aschaffenburg, Stadt6,5%
Schweinfurt, Stadt7,2%
Würzburg, Stadt4,5%
Aschaffenburg3,7%
Bad Kissingen3,6%
Rhön-Grabfeld3,3%
Haßberge3,4%
Kitzingen2,8%
Miltenberg3,7%
Main-Spessart2,7%
Schweinfurt2,8%
Würzburg2,6%

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Augsburg, Stadt6,7%
Kaufbeuren, Stadt4,9%
Kempten (Allgäu), Stadt4,5%
Memmingen, Stadt4,6%
Aichach-Friedberg2,7%
Augsburg3,3%
Dillingen a.d.Donau2,7%
Günzburg2,9%
Neu-Ulm3,5%
Lindau (Bodensee)3,3%
Ostallgäu3,0%
Unterallgäu2,6%
Unterallgäu2,6%
Donau-Ries2,3%
Oberallgäu2,6%
Abb. 3: Entwicklung der Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken in den vergangenen zehn Jahren
  • Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist im Vorjahresvergleich deutlich zurückgegangen: Der Stellenbestand liegt mit bayernweit 97.037 gemeldeten offenen Stellen um - 21,9 % bzw. rund 27.200 Stellen deutlich unter dem Vorjahreswert. Erfreulicherweise erhöhte sich aber der Stellenpool gegenüber dem Vormonat um + 2.304 Stellen bzw. 2,4 %.
     
  • Nach aktuellen Hochrechnungen waren im August 2020 5.671.300 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren etwas mehr (+ 3.200 Beschäftigte) als noch im Juli. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Beschäftigtenzahl um rd. - 18.900 Beschäftigte bzw. - 0,3 % verringert.
     
  • Im Rückblick der vergangenen zehn Jahre zeigt sich für den Oktober folgendes Bild: Die Arbeitslosenquote von 3,7 % ist die höchste Quote in Bayern seit Oktober 2010. Im Oktober 2010 war die Quote mit 3,8 % jedoch noch höher.

Arbeitslosenquoten im Oktober 2010 bis 2014 (Angaben in %)

- 2010 2011 2012 2013 2014
Oberbayern 3,6 3,2 3,2 3,4 3,4
Niederbayern 3,3 2,8 2,8 2,9 2,9
Oberpfalz 3,5 2,9 3,1 3,2 3,0
Oberfranken 4,4 3,8 3,8 3,9 3,9
Mittelfranken 4,8 4,2 4,4 4,5 4,5
Unterfranken 3,6 3,1 3,3 3,3 3,2
Schwaben 3,7 3,1 3,2 3,2 3,3
Bayern 3,8 3,3 3,4 3,5 3,4


Arbeitslosenquoten im Oktober 2015 bis 2020 (Angaben in %)

- 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Oberbayern 3,2 3,1 2,9 2,6 2,5 3,8
Niederbayern 2,9 2,9 2,6 2,4 2,5 3,4
Oberpfalz 2,9 2,8 2,5 2,3 2,4 3,3
Oberfranken 3,6 3,5 3,2 3,0 3,1 3,7
Mittelfranken 4,1 3,9 3,6 3,3 3,3 4,3
Unterfranken 3,1 3,1 2,7 2,6 2,6 3,4
Schwaben 3,0 2,9 2,6 2,4 2,5 3,4
Bayern 3,3 3,2 2,9 2,6 2,7 3,7


HINWEIS: Im Zeitverlauf haben Änderungen im Sozialrecht wie in der Organisation der Sozialverwaltungen Einfluss auf die Höhe der Arbeitslosigkeit. Dies ist bei der Interpretation der Daten zu berücksichtigen.

Abb. 3: Arbeitslose im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat: Bayern insgesamt und ausgewählte Personengruppen

Die nebenstehende Tabelle zeigt:

  • Mit einer Jugendarbeitslosenquote von 3,2 % sind im Berichtszeitraum rd. 7.800 junge Menschen mehr arbeitslos als im Vorjahr (+ 40,5 %). Die Arbeitslosigkeit der Älteren (50 Jahre und älter) steigt um + 32,6 % bzw. absolut um rd. 24.500 Personen. Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen steigt um 19,1 % bzw. absolut um rd. 4.000 Menschen. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit steigt an (+ 36,5 % bzw. absolut um rd. 15.800 langzeitarbeitslose Personen). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer liegt bei rund 86.100 Personen. Dies ist im Vorjahresvergleich ein Anstieg um rd. 25.900 Personen bzw. 43,0 %.
     
  • Die Quote (vorläufig hochgerechnete Werte) der erwerbsfähigen Hartz IV-Bezieher im Verhältnis zur Einwohnerzahl unter 65 Jahren ist in Bayern mit 3,2 % weiterhin die mit großem Abstand niedrigste im Vergleich aller Bundesländer (vor Baden-Württemberg mit 4,1 %). Im Bund ist dieser Wert im Vergleich zu Bayern mehr als doppelt so hoch und beträgt 7,0 %.
     

Informationen

Hier erhalten Sie aktuelle Meldungen, Zahlen und Statistiken zu Bayerns Arbeitsmarkt:

Gesetzlicher Mindestlohn

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie (Tarifautonomiestärkungsgesetz) vom 11.08.2014 wurde zum 01.01.2015 ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet eingeführt (Art. 1 Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns – MiLOG). Zum 01.01.2017 wurde der Mindestlohn auf 8,84 Euro erhöht.
Ausnahmen sind u. a. für Auszubildende, ehrenamtliche Tätigkeiten, Orientierungspraktika, verpflichtende Praktika im Rahmen einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung, Jugendliche bis 18 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung, Langzeitarbeitslose für die ersten 6 Monate der Beschäftigung sowie befristet für Zeitungszustellerinnen und Zeitungszusteller vorgesehen.

Abweichungen waren in einer Übergangszeit für maximal drei Jahre bis 31.12.2017 durch bundesweite Tarifverträge repräsentativer Tarifpartner auf Branchenebene möglich, wenn sie als Mindestentgeltsätze nach den Regeln des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) erstreckt oder als Lohnuntergrenze nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgelegt wurden. Seit 01.01.2017 mussten abweichende Regelungen mindestens ein Entgelt von brutto 8,50 Euro pro Stunde vorsehen. Seit 01.01.2018 gilt das bundesweite gesetzliche Mindestlohnniveau uneingeschränkt.

Die Höhe des Mindestlohns wird regelmäßig (erstmals erfolgt mit Wirkung zum 01.01.2017) von einer paritätisch besetzten und unabhängigen Kommission der Tarifpartner überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Mindestlohnkommission besteht aus einer/einem Vorsitzenden, sechs stimmberechtigten Mitgliedern und zwei beratenden Mitgliedern aus Kreisen der Wissenschaft (ohne Stimmrecht). Die stimmberechtigten Mitglieder der Kommission werden durch die Bundesregierung auf Vorschlag der Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer berufen.

Information

Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finden Sie weitere Informationen zum Mindestlohn.

Bilanz 2019

2019 weiterhin rekordverdächtig

Trotz einer sich abkühlenden Konjunktur und steigender Arbeitslosigkeit seit Juli 2019 kann Bayern im Jahresdurchschnitt 2019 auf die geringste Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten verweisen.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Bayerns Arbeitsmarkt 2019

Bilanz 2019: Spitzenwerte an Bayerns Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt 

Die Verbesserung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktrelevanten Rahmenbedingungen ist eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe. Bayern bringt sich hier aktiv auf Bundesebene ein und entwickelt beispielsweise im Bereich der Langzeitarbeitslosen, Jugendlichen und älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch eigene Konzepte (wie die Arbeitsmarktinitiative Ältere und Arbeitswelt).

Auf Landesebene arbeitet die Bayerische Staatsregierung eng mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Die Zusammenarbeit wurde Ende 2004 in einer Vereinbarung geregelt und erfolgt seitdem im Wesentlichen über einen regelmäßigen Informationsaustausch und gemeinsame Initiativen.

Instrumente 

Für eine nachhaltige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist darüber hinaus eine innovative und für den bayerischen Arbeitsmarkt maßgeschneiderte aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. Die wichtigsten Instrumente dafür sind der Arbeitsmarktfonds (AMF) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Kontinuierliche Beobachtungen des bayerischen Arbeitsmarkts, u. a. durch Auswertungen aus dem IAB-Betriebspanel für Bayern geben wichtige Hinweise zum Einsatz der Fördermittel. Ziel der Arbeitsmarktpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist stets die Integration bzw. der Verbleib der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am ersten Arbeitsmarkt. Zielgruppen sind sowohl Arbeitslosengeld-I-Empfänger als auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Grundsicherung für Arbeitsuchende). Bereiche der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind beispielsweise berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung, Stärkung der Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Erwerbstätigen und kleinen und mittleren Unternehmen sowie arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.

Fazit

Basis für eine positive Entwicklung am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt ist ein effizientes Zusammenwirken von Wirtschafts-, Fiskal-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Entscheidend ist letztlich, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze nicht durch die Politik, sondern durch die Unternehmen geschaffen werden. Ein wesentlicher Teil der Verantwortung für Beschäftigung trifft deshalb die Sozialpartner. Ihre Lohn- und Tarifpolitik entscheidet maßgeblich über die Arbeitsbedingungen und damit auch über die Verhältnisse am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt und den Umfang von Arbeitslosigkeit. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist in einer sozialen Marktwirtschaft eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der alle gesellschaftlichen Kräfte beitragen müssen.