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Islamismusprävention

  • Islamismus in Bayern

    Die derzeit dynamischste und aktivste islamistische Strömung ist der Salafismus. Er unterscheidet sich von anderen islamistischen Strömungen im Wesentlichen darin, dass Salafisten ausschließlich Handlungen und Anschauungen des Propheten Muhammad und der ersten drei Generationen der Muslime als handlungsweisend ansehen.

    Der Salafismus bildet die ideologische Grundlage für Radikalisierungsprozesse bis hin zur Ausübung von Gewalttaten. So waren fast alle bisher in Deutschland aufgedeckten islamistisch-terroristischen Netzwerkstrukturen und Einzelpersonen salafistisch geprägt oder stammten aus salafistischen Milieus.

    Auf der Website www.antworten-auf-salafismus.de finden Sie weitere Informationen zum Salafismus und die Hilfsangebote in Bayern.

    Angebote und Strukturen in Bayern

    Neben der Durchführung von Informationsveranstaltungen fördert das Bayerische Sozialministerium im Bereich Islamismusprävention praktische Präventionsprojekte, den Aufbau kommunaler Netzwerke sowie die Fachstelle zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung – ufuq.de Bayern.

    Fachstelle zur Prävention von religiös begründeter Radikalisierung – ufuq.de Bayern

    Seit 2015 ist in Bayern die zivilgesellschaftliche Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung – ufuq.de Bayern tätig. Die Fachstelle des Berliner Vereins Ufuq e.V. (Bedeutung: arabisch „Horizont“/“Perspektive“) bietet landesweit pädagogischen Fachkräften, Einrichtungen und weiteren Multiplikatoren fundierte Beratung und Fortbildung in den Themenfeldern Islam, Islamismus, Salafismus und Islamfeindlichkeit sowie zu Ansätzen der pädagogischen Präventionsarbeit an.

    Ergänzend setzt die Fachstelle im Regierungsbezirk Schwaben, den Städten Nürnberg und Regensburg sowie in Stadt und Landkreis Würzburg auch junge Menschen als „Teamer“ ein, die gezielt in der Arbeit mit Jugendlichen geschult sind. Themenfelder der Workshops sind unter anderem Islam und Demokratie, Salafismus, Islamfeindlichkeit, Geschlechterrollen und digitale Medien im Salafismus.

    Ufuq e.V. ist ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

    Prävention in der Praxis – Projekte in Bayern

    Ansatzpunkt des weltweit tätigen Projekts MotherSchools: Parenting for Peace des Vereins Frauen ohne Grenzen ist die kulturübergreifend bedeutende Rolle der Mutter. Als emotionaler und struktureller Anker der Familie ist sie oft der wichtigste Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche. Selbst während den Anfängen einer Radikalisierung genießt sie oft noch deren Vertrauen. In Workshops schärfen die Mütter ihre Wahrnehmung von Anzeichen einer Radikalisierung und stärken ihr Potential, die Narrative von Extremisten zu durchbrechen und ihr Wissen an andere Mütter weiterzugeben. Zielgruppe des 2017 in Deutschland gestarteten Projekts sind Mütter mit und ohne Migrations- oder Fluchthintergrund, von Jugendlichen ab 12 Jahren und jungen Erwachsenen in patriarchalen Communities.
    Seit 2019 rückte die Familie als ganzheitliches System in den Fokus des Projekts. In diesem Zuge starteten an zwei unterfränkischen Standorten die deutschlandweit ersten FatherSchools: Men Included in Parenting for Peace. Die FatherSchools öffnen das bewährte Konzept der MotherSchools speziell für Väter aus demselben Umfeld.

    Seit 2017 fördert das Bayerische Sozialministerium das bundesweit einmalige Projekt ReThink: Freiheit beginnt im Kopf der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND prevention) GmbH. Das Projekt richtet sich speziell an Jugendliche mit Migrations- oder Fluchterfahrung. Aktiviert durch Theaterszenen tasten sich die Jugendlichen an kritisches Denken und die Reflexion der eigenen kulturellen und gesellschaftlichen Prägung heran. Qualifizierte Teams mit eigenem Migrationshintergrund leiten die Workshops und ermöglichen die Begegnung auf Augenhöhe. Wichtige Themen sind u. a. der Antisemitismus aus dem arabischen Kulturraum sowie häufig in Patriarchaten tabuisierte Themen wie Gleichberechtigung und Männlichkeitskonzepte. ReThink ist ein gemeinsames Projekt der Ressorts Soziales, Inneres und Kultus.

    Das Projekt ReMind – zuhören, verstehen, handeln, sicher der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention (MIND prevention) GmbH (https://www.mind-prevention.com/) bietet seit 2022 ein Fortbildungsangebot zur Vermittlung von psychologischen und lebensweltlichen Kenntnissen von Personen mit Migrationshintergrund für therapeutisch und psychologisch beratende Fachkräfte, wie Psychologinnen und Psychologen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, an. Durch die Sensibilisierung in der Fortbildung soll erreicht werden, dass die Fachkräfte mögliche Radikalisierungstendenzen der Klientinnen und Klienten erkennen und entsprechend gegensteuern. Zudem werden in Rollenspielen Situationen aus dem Berufsalltag der Teilnehmer und Teilnehmerinnen aufgegriffen und dabei Handlungsoptionen diskutiert und erprobt.

    Seit 2022 fördert das Bayerische Sozialministerium das Projekt Radikal im Netz- Extremismus-Prävention und digitale Medien der Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e.V. (https://bayern.jugendschutz.de/)
    Im Rahmen des Projektes werden Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe für ihre Arbeit mit jungen Menschen geschult, sensibilisiert und damit befähigt, extremistische Botschaften im Netz einzuordnen und mit Jugendlichen zu diesem Thema zu arbeiten. Hierzu benötigen sie neben grundlegendem Wissen zu Radikalisierungsprozessen auch konkrete Einblicke in die digitale Welt.

    Das Projekt YouthBridge: Jugend Baut Brücken wirkt gegen alle Formen von Extremismus und Antisemitismus. Jugendliche aus verschiedenen sozialen und kulturellen Kontexten werden seit 2017 im Rahmen des Projekts zu Multiplikatoren ausgebildet. Als solche wirken sie innerhalb ihres Umfelds allen Formen von Antisemitismus entgegen. Dabei beschäftigen sie sich insbesondere mit der Frage: Wie wollen wir gemeinsam in unserer Stadt leben und ihre Zukunft gestalten? Träger des Projekts ist die Europäische Janusz Korczak Akademie.
    Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Webseite von YouthBridge: Jugend baut Brücken.

    Salafistische Propaganda holt Menschen dort ab, wo Zugehörigkeit und Unterstützung fehlen. Das Institut für transkulturelle Verständigung begleitet daher im Projekt MUSA – Muslimische Seelsorge Augsburg seit 2017 Muslime in existentiellen Krisen und Phasen des Umbruchs. An Orten wie Kliniken oder Justizvollzugsanstalten suchen viele Menschen nach Beistand. Unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft spendet das Projekt Betroffenen in diesen herausfordernden Situationen den nötigen Rückhalt, um Unterstützung aus der Gesellschaft zu erfahren und bildet so einen starken Gegenpol zu möglichen salafistischen Anwerbeversuchen.

    Prävention passiert vor Ort. Deshalb rückt Bayern die Kommunen in den Blick der Präventionsarbeit. Die kommunalen Präventionsnetzwerke in Augsburg, Nürnberg und Würzburg gewährleisten, dass Extremismus in den Kommunen keinen Platz hat und Präventionsprojekte in der Fläche wirken.

    Gemeinsam gegen Salafismus

    Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ist Partner im Bayerischen Netzwerk für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus der Bayerischen Staatsregierung. Das Netzwerk setzt auf einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz, basierend auf zwei Säulen: Prävention und Deradikalisierung. Die Zusammenarbeit der vier Ressorts InneresSoziales, Kultus und Justiz erfolgt über eine deutschlandweit einzigartige interministerielle Arbeitsgruppe unter Federführung des Innenministeriums. Herzstück der Arbeitsgruppe ist die Informationsseite www.antworten-auf-salafismus.de, die Interessierten wie Betroffenen mit Antworten auf brennende Fragen zum Thema Salafismus sowie Kontakten zu vertrauensvollen Anlaufstellen und Netzwerkpartnern zur Seite steht.

    Projektarchiv

    Grafik KampagnenstarkDas von 2019 bis 2021 geförderte Projekt „Kampagnenstark – Für Vielfalt und gegen Extremismus" des Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis – JFF stärkte demokratische Werthaltungen und setzte sich mit Radikalisierungsfaktoren auseinander. Teilnehmende Jugendlichen zwischen 13 und 22 Jahren reflektierten ihr eigenes Online-Handeln im Kontext von Filterblasen und Fake News. Sie setzten sich mit Anwerbestrategien extremistischer Gruppierungen auseinander und übten entsprechende Ansprachen – insbesondere auch in sozialen Netzwerken – zu erkennen und damit umzugehen. In unterschiedlichen Kampagnenformaten verliehen die Jugendliche ihren Ideen für das gelingende Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft medialen Ausdruck.

    Einen Überblick zu den Präventionsprojekten des JFF in Bayern sowie die daraus entstandenen Materialien finden Sie unter: https://gegen-extremismus.jff.de

     

    Grafik Eukitea

    „Marco, bist du stark! – Ein Weg durch starke Gefühle“ ist ein Theaterstück zur Prävention von Radikalisierung des Theaters EUKITEA. Im Mittelpunkt des Stücks steht Protagonist Marco. Marco erfährt von seiner Kindheit bis ins Jugendalter große Enttäuschungen und Verletzungen. Sein Leben ist geprägt von Wut, Angst, Trauer und Scham sowie von Einsamkeit und der Suche nach Halt und Orientierung. Er schließt sich der Gruppe „Die Radikalen“ an. Interaktiv bearbeitet das Theaterstück die Frage, warum sich junge Menschen radikalisieren und welche Lösungen und Alternativen es gibt. Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren und ältere Schüler. Das Theaterstück wurde bayernweit aufgeführt – unter anderem an Schulen in Kooperation mit den Respekt-Coaches der Jugendmigrationsarbeit. Ergänzt wurde das Stück durch Workshops, Fortbildungsmodule und Begleitmaterialen, die in Kooperation mit der Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung – ufuq.de Bayern entstanden sind.