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Scharf: „Die Gräueltaten dürfen wir nie vergessen“

Steigende Anzahl an antisemitischen Vorfällen: Zivilcourage gefragt

021.26

Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar mahnt Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf: „Was als Ausgrenzung im Alltag begann und unter den Nationalsozialisten zur Norm wurde, mündete im Grauen der Konzentrations- und Vernichtungslager. Diese Gräueltaten dürfen wir nie vergessen. Erinnern heißt: Begreifen, was war, was ist, was werden kann. Insbesondere angesichts der steigenden Anzahl antisemitischer Vorfälle, liegt es an jeder und jedem einzelnen von uns, Antisemitismus in jeglicher Ausprägung aktiv entgegenzutreten. Um Zivilcourage zu stärken, ist mir eine frühzeitige Prävention besonders wichtig.“

Im Rahmen der Radikalisierungsprävention fördert die Staatsregierung viele verschiedene Maßnahmen: Jugendprojekte, wie YouthBridge der Europäischen Janusz Korczak Akademie oder Workshops für Jugendliche des Max Mannheimer Studienzentrums, sensibilisieren junge Menschen bezüglich antisemitischer Mechanismen und stärken sie in ihrer Zivilcourage. Das Projekt „ReThink“ der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention bietet Workshops zur Radikalisierungsprävention für Jugendliche mit Flucht- und Migrationserfahrung an. Mit Hilfe von Rollenspielen werden Reflektion und kritisches Denken angeregt, insbesondere auch zu Themen wie Antisemitismus und Israel.

In den vergangenen Jahren sind die antisemitischen Vorfälle fast um das Vierfache gestiegen, wie die Zahlen der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern) zeigen, bei der entsprechende Vorfälle gemeldet werden können. Während im Jahr 2022 noch 424 Vorfälle registriert wurden, waren es 2024 bereits 1.515. Auffällig und besorgniserregend ist, dass der Holocaust gerade in Bezug zu Israel sehr oft relativiert oder instrumentalisiert wird. In rund 73 Prozent der 2024 gemeldeten Vorfälle überschneidet sich der israelbezogene Antisemitismus mit dem Post-Shoah-Antisemitismus: Holocaust-Mahnmale werden beschmiert, Jüdinnen, Juden und Israelis wird der Tod in der Gaskammer gewünscht, oder es wird ein Schlussstrich unter das Erinnern und Gedenken gefordert.

Für Scharf stellt ein Angriff auf die Erinnerung des Holocaust einen Angriff auf unsere Gesellschaft dar: „Wer Jüdinnen und Juden angreift, den Holocaust relativiert, instrumentalisiert oder gar leugnet, greift uns alle an, unsere Werte und unsere Menschlichkeit. Antisemitismus vereint alle Radikalen – von rechts und links außen, bis hin zum Islamismus. Wir sehen hin und handeln. Die Geschichte lehrt uns, dass sich Auschwitz nie wiederholen darf. Umso wichtiger ist das Erinnern, um die Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten.“

Der 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee und seit dem Jahr 2005 der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. In Auschwitz wurden zwischen 1941 und 1945 über eine Million Menschen ermordet. Insgesamt fielen dem Holocaust rund sechs Millionen Menschen zum Opfer.