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Scharf: „Kultur schafft Begegnung – Wo Gräben waren, baut sie Brücken“

Verleihung der Sudetendeutschen Kulturpreise beim Sudentendeutschen Tag in Brünn/Brno – Veranstaltung erstmals in Tschechien

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Einsatz als Brückenbauer für ein vereintes Europa und Meeting Brno für die Im Rahmen des 76. Sudetendeutschen Tages und der Verleihung der Kulturpreise betont die Bayerische Sozialministerin und Schirmherrschaftsministerin Ulrike Scharf: „Heute wird Geschichte geschrieben. Die diesjährige Preisverleihung ist mehr als eine Preisverleihung. Sie ist Begegnung. Hier und heute in Brünn. Wo lange Schweigen war, sprechen die Menschen nun miteinander.“ Zum ersten Mal in der Geschichte wird der Sudetendeutsche Tag in der Tschechischen Republik ausgerichtet. In diesem besonderen Rahmen wurde das Wirken von Frau Petra Laurin mit dem Großen Sudetendeutschen Kulturpreis ausgezeichnet, Herr Thimothée Demeillers erhielt den Sudetendeutschen Kulturpreis für Literatur und Publizistik, Frau Vlasta Reittererová den Sudetendeutschen Kulturpreis für Wissenschaft und Herr Dr. Ralf Heimrath den Sudetendeutschen Kulturpreis für Volkstums- und Heimatpflege.

Scharf hob dabei die Bedeutung von Kulturpflege hervor: „Mit der Verleihung der Kulturpreise setzen wir ein Zeichen: für Menschlichkeit, für Europa, für Versöhnung. Kultur schafft Begegnung. Wo Gräben waren, baut Kultur Brücken – über Grenzen hinweg, generationenübergreifend.“ Sie gratulierte den Preisträgerinnen und Preisträgern zu ihrer Auszeichnung und ihrem wertvollen Beitrag zum Erhalt der sudetendeutschen Kultur: „Ihre Werke spiegeln die Vielfalt der sudetendeutschen Kultur auf eindrucksvolle Weise wider. Sie verbinden Gegenwart und Vergangenheit und sind ein Ausdruck der tiefen Verbundenheit zur Heimat.“

Die Ministerin dankte den Sudetendeutschen für ihren jahrzehntelangen unermüdlichen Einladung der Sudetendeutschen nach Brünn: „Durch die Verbrechen des Nationalsozialismus haben die Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen im 20. Jahrhundert einen tiefen Bruch erlitten. Heute reichen sich die Menschen beider Länder die Hände – zur Versöhnung, zur Partnerschaft, zu einer gemeinsamen Zukunft Europa. Dieser gelebte Weg des Dialogs ist beeindruckend.“ Der Ausbau des grenzüberschreitenden Miteinanders zwischen Bayern und Tschechien sei ihr ein großes Anliegen. Scharf betonte die Leistung der Sudetendeutschen für Bayern: „Ohne die Sudetendeutschen wäre Bayern heute nicht so schön und erfolgreich. Wir haben eine großartige bayerische Kultur – die Kultur der Sudetendeutschen ist ein Teil davon. Sie bereichert unser Land.“

Der Sudetendeutsche Tag findet seit 76 Jahren am Pfingstwochenende statt und ist die jährliche Zusammenkunft der sudetendeutschen Volksgruppe. Zum Programm zählen dieses Jahr unter anderem die Kulturpreisverleihung am Freitag, der Gedenkakt am Massengrab in Pohrlitz/Pohořelice mit dem anschließenden Brünner Friedensmarsch von Pohrlitz nach Brünn am Samstag und die traditionelle Hauptkundgebung am Sonntag.

In Folge des Zweiten Weltkriegs und der Schrecken des Nationalsozialismus sind drei Millionen Deutsche aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben worden. In der Bundesrepublik fanden viele von ihnen eine neue Heimat. Seit 1954 hat Bayern die Schirmherrschaft über die Volksgruppe der Sudetendeutschen inne. Über Jahrzehnte waren die Beziehungen zwischen Sudetendeutschen und Tschechen stark belastet.