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Scharf: „Erinnerung ist richtungsweisend – Versöhnung verlangt Verantwortung“
Brünner Friedensmarsch setzt ein politisches Zeichen
Bayerns Sozialministerin und Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen Ulrike Scharf hat heute gemeinsam mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt am Gedenkakt für die Opfer des Brünner Todesmarschs am Massengrab in Pohrlitz/Pohořelice und dem anschließenden Brünner Friedensmarsch teilgenommen. Dieses Jahr fand der Gedenkakt mit Kranzniederlegung im Rahmen des 76. Sudetendeutschen Tages statt.
Scharf mahnte in ihrer Rede: „Das Massengrab steht für die unfassbaren Schrecken von Flucht und Vertreibung. Ein unaussprechliches Grauen, ein furchtbares Schicksal.“ Sie betonte die Notwendigkeit von Gedenken und Erinnern: „Wir gedenken, wir erinnern, wir verschweigen nichts. Denn Erinnerung ist nicht rückwärtsgewandt, sie ist richtungsweisend.“ Scharf hob dabei die Bedeutung des anschließend stattfindenden Brünner Friedensmarsches hervor: „Dass wir heute gemeinsam diesen Weg gehen, ist ein starkes Zeichen. Wir halten die Erinnerung wach. Wir trauern miteinander. Wir bauen Brücken, wo früher Gräben waren. Versöhnung statt Vergeltung. Dialog, Austausch und Verständnis statt Hass, Ausgrenzung und Gewalt.“ Sie dankte der Initiative von Meeting Brno für die Organisation des Brünner Friedensmarsches als wichtiges Symbol der Versöhnung: „Der Brünner Friedensmarsch erfüllt mich mit Hoffnung. Hoffnung, dass wir gemeinsam eine Zukunft gestalten, die geprägt ist von Respekt, Miteinander und Frieden. Der Brünner Friedensmarsch ist ein politisches Zeichen: Versöhnung ist möglich und sie verlangt Verantwortung. Dass wir heute hier gemeinsam sind – Deutsche und Tschechen – ist ein starkes Signal für Europa und für die Welt.“
Der Sudetendeutsche Tag findet seit 76 Jahren am Pfingstwochenende statt und ist die jährliche Zusammenkunft der sudetendeutschen Volksgruppe. Zum ersten Mal in der Geschichte wird der Sudetendeutsche Tag in der Tschechischen Republik ausgerichtet. Der sogenannte Brünner Todesmarsch am 31.05.1945 war Teil der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus Mähren. Tausende Menschen verstarben auf dem Weg von Brünn nach Niederösterreich. Zum Gedenken daran findet seit mehr als zehn Jahren der Brünner Friedensmarsch statt. Auf diesem gehen Deutsche und Tschechen ab Pohrlitz/Pohořelice zusammen den Weg des Brünner Todesmarsches rückwärts nach Brünn.