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Scharf: „Antisemitismus in Schulen ist unerträglich“
Neue RIAS-Publikation zu Antisemitismus im Schulalltag
Verbale Beschimpfungen, judenfeindliche Witze und Gewaltandrohungen – wie erschreckend alltäglich der Antisemitismus in bayerischen Klassenzimmern ist, führt eine neue Publikation der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern) vor Augen. Basierend auf einer qualitativen Befragung von jüdischen Schülerinnen und Schülern, Absolventinnen und Absolventen, Lehrkräften und Eltern weist die Publikation „Antisemitismus zwischen Klassenzimmer und Freizeit. Jüdische Erfahrungen und Perspektiven in Bayern“ auf einen strukturellen Antisemitismus an bayerischen Schulen hin, der seit dem 7. Oktober 2023 deutlich an Intensität gewonnen hat.
Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf zeigt sich betroffen: „Antisemitismus in Schulen, unseren freiheitlichen, demokratischen Bildungsorten, finde ich unerträglich. Jüdische Schülerinnen und Schüler müssen besser geschützt werden – sie sollen sicher lernen können. Es ist mir deshalb wichtig, die Präventionsarbeit weiter auszubauen, um zu sensibilisieren und Zivilcourage zu fördern. Ich danke RIAS Bayern für diese Auswertung und insbesondere den Betroffenen für ihre Offenheit, ihre persönlichen Erfahrungen und Perspektiven. Die Ergebnisse sind unser Auftrag."
Der erlebte Antisemitismus reicht laut der Studie von stereotypischen Zuschreibungen über judenfeindliche Witze bis hin zu Gewaltandrohungen. Besonders verletzend empfanden die Befragten Aussagen, die den Nationalsozialismus verherrlichen, die Schoah verharmlosen oder Vernichtungsfantasien ausdrücken. Manche der antisemitischen Äußerungen stammten auch von Lehrkräften. In den meisten der geschilderten Situationen schwiegen die Umstehenden, was die Betroffenen zusätzlich belastet.
Seit 2019 dokumentiert RIAS Bayern, gefördert vom bayerischen Sozialministerium, antisemitische Vorfälle auch unterhalb der Strafbarkeitsgrenze, um so einerseits ein Bewusstsein der bestehenden Antisemitismus-Problematik in der Gesellschaft zu erreichen und andererseits auch Betroffenen und Zeuginnen und Zeugen antisemitischer Vorfälle eine Anlaufstelle anzubieten. Zudem steht RIAS Bayern für Vorträge und Workshops zur Verfügung. Um Aufklärungsarbeit zu leisten und die Zivilcourage zu stärken, unterstützt die Staatsregierung im Rahmen der Radikalisierungsprävention viele weitere verschiedene Maßnahmen. Jugendprojekte, wie YouthBridge der Europäischen Janusz Korczak Akademie oder Workshops für Jugendliche des Max Mannheimer Studienzentrums, sensibilisieren junge Menschen bezüglich antisemitischer Mechanismen und fördern Zivilcourage. Das Projekt „ReThink“ der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention bietet Workshops zur Radikalisierungsprävention für Jugendliche mit Flucht- und Migrationserfahrung an. Mit Hilfe von Rollenspielen werden Reflektion und kritisches Denken angeregt, insbesondere auch zu Themen wie Antisemitismus und Israel.
Wie die neue RIAS-Publikation zeigt, ist Antisemitismus im Schulalltag kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem. Bei vielen Lehrkräften fehlt das notwendige Wissen, um Antisemitismus zu erkennen oder angemessen auf antisemitische Vorfälle zu reagieren. Die Publikation richtet sich als Aufklärungsmittel an Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Vermittlerinnen und Vermittler im Bildungsbereich und Lehramtsstudierende. Die enthaltenen Illustrationen können sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Kontext eingesetzt werden.
Alle Interessierten können die Publikation gebührenfrei unter info@rias-bayern.de anfordern.