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Piloterhebung zur Wohnungslosigkeit in Bayern

Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales hat mit Unterstützung des Bayerischen Landesamts für Statistik zum Stichtag 30.06.2014 eine Piloterhebung zur Wohnungslosigkeit in Bayern durchgeführt. Im Rahmen dieser flächendeckenden Umfrage wurden neben kommunal und ordnungsrechtlich untergebrachten wohnungslosen Personen bzw. Haushalten auch Personen erfasst, die bei den freien Trägern der Wohnungslosenhilfe untergebracht worden waren. Zusätzlich wurden bei den freien Trägern der Wohnungslosenhilfe auch Personen erfasst, die bei rein ambulanten Fachberatungsstellen „anhängig“ waren, d. h. zu denen im Laufe des Monats Juni 2014 ein Beratungskontakt bestand, aber bei denen der Beratungsprozess nicht abgeschlossen wurde. Im Jahr 2014 wurde diese Erhebung für Bayern zum ersten Mal durchgeführt. Zum Stichtag 30.06.2017 erfolgte die zweite flächendeckende Erhebung zum Ausmaß der Wohnungslosigkeit in Bayern.

Wohnungslosigkeit

Zum Stichtag 30.06.2014 wurden in Bayern 12.053 wohnungslose Personen gemeldet, die von den Gemeinden (bzw. den Verwaltungsgemeinschaften) und von den Einrichtungen der freien Träger der Wohnungslosenhilfe untergebracht worden waren. Damit ergibt sich eine Quote von knapp zehn Wohnungslosen je 10.000 Einwohner (9,6).

Weitere Informationen finden Sie in Kapitel 6 des Datenreports Soziale Lage in Bayern 2014 sowie in Kapitel 12 des Vierten Berichts der Bayerischen Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern.

Als wohnungslos gelten Menschen, die nicht über eigenen Wohnraum verfügen, die vorübergehend in Unterkünften oder unterstützenden Einrichtungen untergebracht sind oder auf der Straße leben.
Die Wahrscheinlichkeit wohnungslos zu werden wird größer, je mehr Risikofaktoren zusammentreffen:

  • besondere Belastungen durch Ereignisse wie Trennung, Scheidung, Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes, Unfall, Tod einer nahestehenden Person,
  • erschwerter Zugang zum Bildungssystem und schlechte Startchancen ins Berufsleben,
  • Einschränkungen und Belastungen durch Sucht und psychische Erkrankungen.

Dadurch können Notlagen entstehen, die einen Menschen existenziell bedrohen und überfordern. Wohnungslosigkeit ist damit die Folge einer lang andauernden Benachteiligung und einer Spirale von Misserfolgen und Scheitern, Verarmung und Ausgrenzung. Zuständig für die Wohnungslosenhilfe in Bayern sind die Kommunen.

Differenziertes Hilfesystem

Dieses differenzierte Ursachenverständnis führt dazu, dass zum einen falsche Vorstellungen einer individuellen Schuld oder Fehlerhaftigkeit der Betroffenen zurückgedrängt werden und zum anderen das Hilfesystem sich von der Armenhilfe und Nichtsesshaftenhilfe hin zur differenzierten Wohnungslosenhilfe gewandelt hat.

Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten brauchen ein qualifiziertes, differenziertes und vernetztes Hilfeangebot, das sie zu einer dauerhaften Eingliederung motiviert und befähigt. Ein wichtiges Instrument hierzu ist die Konferenz der Wohnungslosenhilfe in Bayern, ein Gremium, in dem sich ambulante Dienste und stationäre Einrichtungen zusammengeschlossen haben, um gemeinsam die Belange wohnungsloser Menschen zu vertreten.

Einen Überblick über das derzeitige Hilfeangebot gibt das von den Koordinatoren der Wohnungslosenhilfe Nord- und Südbayern herausgegebene Onlineverzeichnis der Wohnungslosenhilfe in Bayern. Danach gibt es in Bayern derzeit über 200 Einrichtungen, Dienste und Beratungsstellen für wohnungslose Menschen.

Für wohnungslose Menschen gibt es ein Hilfesystem, das von Beratung über teilstationäre und stationäre Angebote reicht.

Wohnungslosenhilfe

Zur Mitwirkung am Aufbau eines landesweiten flächendeckenden Hilfesystems wurde außerdem der Fachausschuss Wohnungslosenhilfe der Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege eingerichtet, der ein Rahmenkonzept erarbeitet hat mit dem Ziel, die Situation wohnungsloser Menschen in Bayern zu verbessern.

Bereits verwirklicht werden konnte die Forderung des Fachausschusses nach zentraler Koordinierung der Hilfen auf überörtlicher Ebene durch die Errichtung der beiden Koordinationsstellen Nord- und Südbayern mit Sitz in Nürnberg bzw. München.

Das Onlineverzeichnis der Koordination Wohnungslosenhilfe Nord- und Südbayern gibt einen Überblick über unterschiedliche Hilfsangebote für wohnungslose und für Menschen, die von der Wohnungslosigkeit bedroht sind.