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Arbeitsmarktpolitik

Abb. 1: Arbeitslose Personen insgesamt und Arbeitslosenquoten in Bayern im Zeitverlauf

Aktuelles

Bayerns Arbeitsmarkt im Juli 2022

  • Die Arbeitslosenquote liegt im Juli mit 3,2 % über dem Niveau des Vormonats (Juni 2022: 3,1 %).
  • Der Anstieg geht darauf zurück, dass im Juli die Arbeitslosigkeit saisonüblich aufgrund der Arbeitslosmeldung von Schul- und Ausbildungsabsolventen leicht ansteigt. Weiterhin wird die Arbeitsmarktstatistik durch die Registrierung der ukrainischen Geflüchteten in den Jobcentern beeinflusst.
  • Die Arbeitslosigkeit erhöht sich auf 238.839 Personen (+ 8.233 Menschen bzw. + 3,6 % im Vergleich zum Vormonat). Besonders deutlich zeigt sich der Anstieg erwartungsgemäß bei der Arbeitslosigkeit der Ausländer. Ohne die ukrainischen Arbeitslosen wäre die Arbeitslosigkeit – wie saisonal üblich – von Juni auf Juli nur leicht um 4.116 bzw. 2,0 Prozent gestiegen.
  • Das Niveau des Vorjahres wird weiterhin unterschritten. Gegenüber Juli 2021 ist die Arbeitslosigkeit um rund 11.000 Personen bzw. 4,4 % geringer. Die Quote reduziert sich um 0,1 %-Punkte (Juli 2021: 3,3 %).
Abb. 2: Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken
  • Bayern hat bundesweit die geringste Arbeitslosenquote, sie liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt (5,4 %). Bayern hat auch eine deutlich geringere Arbeitslosenquote als Baden-Württemberg (3,6 %).
  • Im Vergleich der Regierungsbezirke hat die Oberpfalz und Niederbayern mit jeweils 2,9 % die niedrigste Arbeitslosenquote. Die Arbeitslosenquote liegt in allen Regierungsbezirken deutlich unter der Marke von vier Prozent. Die Spreizung zwischen den Regierungsbezirken von 0,8 %-Punkten bewegt sich weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.

Im Berichtszeitraum können 52 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte (rd. 54 %) eine Arbeitslosenquote von unter 3,0 % vorweisen. Der Landkreis Main-Spessart liegt mit einer Arbeitslosenquote von 1,7 % in diesem Monat bundesweit an der Spitze.

Arbeitslosenquote in den kreisfreien Städten und Landkreise Bayerns im Juli 2022

unter 2,0 %
2,0 % bis 2,9 %
3,0 % bis 3,9 %
4,0 % bis 4,9 %
5,0 % und höher

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ingolstadt, Stadt3,2 %
München, Landeshauptstadt, Stadt4,5 %
Rosenheim, Stadt4,2 %
Altötting3,0 %
Berchtesgadener Land3,1 %
Bad Tölz-Wolfratshausen2,2 %
Dachau2,6 %
Ebersberg2,0 %
Eichstätt1,8 %
Erding2,0 %
Freising2,2 %
Fürstenfeldbruck3,0 %
Garmisch-Partenkirchen2,8 %
Landsberg am Lech2,6 %
Miesbach2,0 %
Mühldorf a.Inn3,3 %
München2,4 %
Neuburg-Schrobenhausen2,3 %
Pfaffenhofen a.d.Ilm2,1 %
Rosenheim2,6 %
Rosenheim2,6 %
Starnberg3,4 %
Traunstein2,2 %
Weilheim-Schongau2,7 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Landshut, Stadt4,2 %
Passau, Stadt4,8 %
Straubing, Stadt5,0 %
Deggendorf2,7 %
Freyung-Grafenau2,2 %
Kelheim2,5 %
Landshut2,6 %
Passau2,6 %
Regen2,8 %
Rottal-Inn3,2 %
Straubing-Bogen2,5 %
Dingolfing-Landau2,5 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Amberg, Stadt4,5 %
Regensburg, Stadt3,8 %
Weiden i.d.OPf., Stadt4,6 %
Amberg-Sulzbach2,7 %
Cham2,3 %
Neumarkt i.d.OPf.2,0 %
Neustadt a.d.Waldnaab2,9 %
Regensburg2,5 %
Schwandorf3,0 %
Tirschenreuth3,6 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Bamberg, Stadt4,2 %
Bayreuth, Stadt4,4 %
Coburg, Stadt5,7 %
Hof, Stadt5,4 %
Bamberg2,3 %
Bayreuth3,1 %
Coburg3,5 %
Forchheim2,8 %
Hof3,3 %
Kronach3,0 %
Kulmbach3,4 %
Lichtenfels3,4 %
Wunsiedel i.Fichtelgebirge3,9 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ansbach, Stadt3,8 %
Erlangen, Stadt3,5 %
Fürth, Stadt5,1 %
Nürnberg, Stadt5,3 %
Schwabach, Stadt3,5 %
Ansbach2,6 %
Erlangen-Höchstadt2,6 %
Fürth2,6 %
Nürnberger Land2,4 %
Nürnberger Land2,4 %
Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim2,3 %
Roth2,3 %
Weißenburg-Gunzenhausen3,6 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Aschaffenburg, Stadt5,7 %
Schweinfurt, Stadt6,3 %
Würzburg, Stadt3,8 %
Aschaffenburg3,2 %
Bad Kissingen3,1 %
Rhön-Grabfeld2,9 %
Haßberge2,7 %
Kitzingen2,5 %
Miltenberg3,3 %
Main-Spessart1,7 %
Schweinfurt2,8 %
Würzburg1,9 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Augsburg, Stadt5,7 %
Kaufbeuren, Stadt4,5 %
Kempten (Allgäu), Stadt3,5 %
Memmingen, Stadt3,4 %
Aichach-Friedberg2,8 %
Augsburg2,8 %
Dillingen a.d.Donau2,3 %
Günzburg1,8 %
Neu-Ulm2,3 %
Lindau (Bodensee)2,4 %
Ostallgäu2,4 %
Unterallgäu2,0 %
Unterallgäu2,0 %
Donau-Ries2,1 %
Oberallgäu2,1 %
Abb. 3: Arbeitslose im Juli 2022 mit Vergleich zum Vorjahresmonat: Bayern insgesamt und ausgewählte Personengruppen
  • Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist auch im Juli sehr hoch. Viele Unternehmen sind trotz der aktuellen Herausforderungen auf der Suche nach Arbeitskräften. Mit rund 162.200 gemeldeten offenen Stellen sind im Vergleich zum Juni rund 1.500 bzw. 0,9 % mehr Stellen im Bestand. Es wurden deutlich mehr Arbeitsstellen gemeldet als im Vorjahr (+ 28,6 %). Der Bestand an offenen Stellen liegt weit über dem Niveau vor der Corona-Krise. Dies drückt den hohen Arbeits- und Fachkräftebedarf aus.
  • Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern liegt nach den aktuellen hochgerechneten Werten im Mai 2022 bei 5,86 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von 118.500 bzw. 2,1 %.
  • Bei einer Jugendarbeitslosenquote von 2,8 % sind rund 1.200 junge Menschen weniger arbeitslos als im Vorjahr. Dies ist eine Reduzierung um 5,0 %. Die Arbeitslosigkeit der Älteren (50 Jahre und älter) reduziert sich zum Vorjahr um 5,1 % bzw. absolut um 5.000 Personen. Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen reduziert sich im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 % bzw. absolut um rund 1.400 Menschen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt bei rund 60.900 und ist erfreulicherweise deutlich geringer als im Vorjahr (- 17,1 % bzw. absolut rund - 12.600). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer liegt bei rund 93.100 Personen. Dies ist im Vorjahresvergleich ein deutlicher Anstieg um rund 16.400 Personen bzw. 21,3 %.

    Im Vergleich zum Vormonat erhöht sich die Arbeitslosigkeit – mit Ausnahme der Langzeitarbeitslosen – bei allen Personengruppen.

Informationen

Hier erhalten Sie aktuelle Meldungen, Zahlen und Statistiken zu Bayerns Arbeitsmarkt:

Gesetzlicher Mindestlohn

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie (Tarifautonomiestärkungsgesetz) vom 11.08.2014 wurde zum 01.01.2015 ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet eingeführt (Art. 1 Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns – MiLOG). Zum 01.01.2017 wurde der Mindestlohn auf 8,84 Euro erhöht.
Ausnahmen sind u. a. für Auszubildende, ehrenamtliche Tätigkeiten, Orientierungspraktika, verpflichtende Praktika im Rahmen einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung, Jugendliche bis 18 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung, Langzeitarbeitslose für die ersten 6 Monate der Beschäftigung sowie befristet für Zeitungszustellerinnen und Zeitungszusteller vorgesehen.

Abweichungen waren in einer Übergangszeit für maximal drei Jahre bis 31.12.2017 durch bundesweite Tarifverträge repräsentativer Tarifpartner auf Branchenebene möglich, wenn sie als Mindestentgeltsätze nach den Regeln des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) erstreckt oder als Lohnuntergrenze nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgelegt wurden. Seit 01.01.2017 mussten abweichende Regelungen mindestens ein Entgelt von brutto 8,50 Euro pro Stunde vorsehen. Seit 01.01.2018 gilt das bundesweite gesetzliche Mindestlohnniveau uneingeschränkt.

Die Höhe des Mindestlohns wird regelmäßig (erstmals erfolgt mit Wirkung zum 01.01.2017) von einer paritätisch besetzten und unabhängigen Kommission der Tarifpartner überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Mindestlohnkommission besteht aus einer/einem Vorsitzenden, sechs stimmberechtigten Mitgliedern und zwei beratenden Mitgliedern aus Kreisen der Wissenschaft (ohne Stimmrecht). Die stimmberechtigten Mitglieder der Kommission werden durch die Bundesregierung auf Vorschlag der Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer berufen.

Information

Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finden Sie weitere Informationen zum Mindestlohn.

Bilanz 2021

Die Corona-Pandemie hat 2021 auf dem bayerischen Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Bayerns Arbeitsmarkt 2021

Bilanz 2021

Arbeitsmarkt 

Die Verbesserung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktrelevanten Rahmenbedingungen ist eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe. Bayern bringt sich hier aktiv auf Bundesebene ein und entwickelt beispielsweise im Bereich der Langzeitarbeitslosen, Jugendlichen und älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch eigene Konzepte (wie die Arbeitsmarktinitiative Ältere und Arbeitswelt).

Auf Landesebene arbeitet die Bayerische Staatsregierung eng mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Die Zusammenarbeit wurde Ende 2004 in einer Vereinbarung geregelt und erfolgt seitdem im Wesentlichen über einen regelmäßigen Informationsaustausch und gemeinsame Initiativen.

Instrumente 

Für eine nachhaltige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist darüber hinaus eine innovative und für den bayerischen Arbeitsmarkt maßgeschneiderte aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. Die wichtigsten Instrumente dafür sind der Arbeitsmarktfonds (AMF) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Kontinuierliche Beobachtungen des bayerischen Arbeitsmarkts, u. a. durch Auswertungen aus dem IAB-Betriebspanel für Bayern geben wichtige Hinweise zum Einsatz der Fördermittel. Ziel der Arbeitsmarktpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist stets die Integration bzw. der Verbleib der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am ersten Arbeitsmarkt. Zielgruppen sind sowohl Arbeitslosengeld-I-Empfänger als auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Grundsicherung für Arbeitsuchende). Bereiche der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind beispielsweise berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung, Stärkung der Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Erwerbstätigen und kleinen und mittleren Unternehmen sowie arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.

Fazit

Basis für eine positive Entwicklung am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt ist ein effizientes Zusammenwirken von Wirtschafts-, Fiskal-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Entscheidend ist letztlich, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze nicht durch die Politik, sondern durch die Unternehmen geschaffen werden. Ein wesentlicher Teil der Verantwortung für Beschäftigung trifft deshalb die Sozialpartner. Ihre Lohn- und Tarifpolitik entscheidet maßgeblich über die Arbeitsbedingungen und damit auch über die Verhältnisse am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt und den Umfang von Arbeitslosigkeit. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist in einer sozialen Marktwirtschaft eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der alle gesellschaftlichen Kräfte beitragen müssen.