Hauptinhalt

Arbeitsmarktpolitik

Abb. 1: Arbeitslose Personen insgesamt und Arbeitslosenquoten in Bayern im Zeitverlauf

Aktuelles

Bayerns Arbeitsmarkt im Oktober 2022

  • Die Arbeitslosenquote liegt im Oktober mit 3,1 % unter dem Niveau des Vormonats (September 2022: 3,3 %). Der Arbeitsmarkt präsentiert sich trotz der großen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten noch stabil.
  • Die Arbeitslosigkeit verringert sich auf 232.436 Personen, das sind 16.807 Menschen bzw. 6,7 % weniger als im Vormonat.
  • Deutlich rückläufige Arbeitslosenzahlen sind im Oktober saisonüblich und gehen im Wesentlichen auf den Beginn des Schul- und Ausbildungsjahres zurück. Deshalb geht bei der Gruppe der 15- bis 25-Jährigen die Arbeitslosigkeit am stärksten zurück (von September auf Oktober um rund 6.000 bzw. 22,8 %).
  • Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit angestiegen. Gegenüber Oktober 2021 hat sich die Arbeitslosigkeit um rund 9.600 Personen bzw. 4,3 % erhöht. Dieser Anstieg erklärt sich damit, dass seit Juni ukrainische Geflüchtete in den Jobcentern registriert werden. Die Zahl der arbeitslosen Ukrainerinnen und Ukrainer liegt im Oktober 2022 bei rund 25.800 Personen. Ohne diesen Personenkreis wäre die Arbeitslosigkeit zum Vorjahr um rund 15.000 Menschen zurückgegangen.
Abb. 2: Arbeitslosenquoten in Bayern und den Regierungsbezirken
  • Bayern hat weiterhin bundesweit die geringste Arbeitslosenquote, sie liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt (5,3 %). Bayern hat auch eine deutlich geringere Arbeitslosenquote als Baden-Württemberg (3,6 %).
  • Im Vergleich der Regierungsbezirke haben Niederbayern und Schwaben mit jeweils 2,8 % die niedrigste Arbeitslosenquote. Die Arbeitslosenquote liegt in allen Regierungsbezirken deutlich unter der Marke von vier Prozent. Die Spreizung zwischen den Regierungsbezirken von aktuell 0,8 %-Punkten bewegt sich weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.

Im Berichtszeitraum können 56 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte
(rd. 58 %) eine Arbeitslosenquote von unter 3,0 % vorweisen. Die Landkreise Eichstätt, Main-Spessart und der Landkreis Günzburg haben mit Arbeitslosenquoten von jeweils nur 1,7 % bundesweit die geringsten Werte.

Arbeitslosenquote in den kreisfreien Städten und Landkreise Bayerns im Oktober 2022

unter 2,0 %
2,0 % bis 2,9 %
3,0 % bis 3,9 %
4,0 % bis 4,9 %
5,0 % und höher

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ingolstadt, Stadt3,4 %
München, Landeshauptstadt, Stadt4,3 %
Rosenheim, Stadt4,1 %
Altötting2,8 %
Berchtesgadener Land2,8 %
Bad Tölz-Wolfratshausen2,0 %
Dachau2,3 %
Ebersberg2,2 %
Eichstätt1,7 %
Erding2,0 %
Freising2,6 %
Fürstenfeldbruck3,0 %
Garmisch-Partenkirchen2,9 %
Landsberg am Lech2,3 %
Miesbach2,3 %
Mühldorf a.Inn3,2 %
München2,5 %
Neuburg-Schrobenhausen2,3 %
Pfaffenhofen a.d.Ilm1,9 %
Rosenheim2,4 %
Rosenheim2,4 %
Starnberg3,2 %
Traunstein2,3 %
Weilheim-Schongau2,6 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Landshut, Stadt4,4 %
Passau, Stadt4,3 %
Straubing, Stadt4,8 %
Deggendorf2,5 %
Freyung-Grafenau2,3 %
Kelheim2,4 %
Landshut2,4 %
Passau2,6 %
Regen2,7 %
Rottal-Inn3,1 %
Straubing-Bogen2,2 %
Dingolfing-Landau2,4 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Amberg, Stadt4,2 %
Regensburg, Stadt3,9 %
Weiden i.d.OPf., Stadt4,6 %
Amberg-Sulzbach2,5 %
Cham2,3 %
Neumarkt i.d.OPf.1,9 %
Neustadt a.d.Waldnaab2,8 %
Regensburg2,3 %
Schwandorf2,8 %
Tirschenreuth3,4 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Bamberg, Stadt4,3 %
Bayreuth, Stadt4,5 %
Coburg, Stadt5,6 %
Hof, Stadt5,6 %
Bamberg2,3 %
Bayreuth3,0 %
Coburg3,3 %
Forchheim2,7 %
Hof3,2 %
Kronach2,7 %
Kulmbach3,1 %
Lichtenfels3,4 %
Wunsiedel i.Fichtelgebirge4,1 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Ansbach, Stadt3,7 %
Erlangen, Stadt3,6 %
Fürth, Stadt4,8 %
Nürnberg, Stadt5,4 %
Schwabach, Stadt3,2 %
Ansbach2,4 %
Erlangen-Höchstadt2,4 %
Fürth2,6 %
Nürnberger Land2,3 %
Nürnberger Land2,3 %
Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim2,1 %
Roth2,1 %
Weißenburg-Gunzenhausen3,3 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Aschaffenburg, Stadt5,7 %
Schweinfurt, Stadt6,4 %
Würzburg, Stadt3,5 %
Aschaffenburg3,4 %
Bad Kissingen3,1 %
Rhön-Grabfeld2,6 %
Haßberge2,7 %
Kitzingen2,4 %
Miltenberg3,2 %
Main-Spessart1,7 %
Schweinfurt2,6 %
Würzburg2,2 %

KreisbezeichnungArbeitslosenquote
Augsburg, Stadt5,2 %
Kaufbeuren, Stadt4,0 %
Kempten (Allgäu), Stadt3,2 %
Memmingen, Stadt3,4 %
Aichach-Friedberg2,4 %
Augsburg2,6 %
Dillingen a.d.Donau2,3 %
Günzburg1,7 %
Neu-Ulm2,2 %
Lindau (Bodensee)2,2 %
Ostallgäu2,4 %
Unterallgäu1,9 %
Unterallgäu1,9 %
Donau-Ries2,0 %
Oberallgäu2,3 %
Abb. 3: Arbeitslose im Oktober 2022 mit Vergleich zum Vorjahresmonat: Bayern insgesamt und ausgewählte Personengruppen
  • Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist trotz der aktuellen Herausforderungen sehr hoch. Die Arbeitskräftenachfrage konzentriert sich insbesondere auf Fachkräfte. Es wurden deutlich mehr Arbeitsstellen gemeldet als im Vorjahr (+ 14,0 %). Die deutlichsten Zuwächse verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe. Jedoch sind mit rund 157.300 gemeldeten offenen Stellen im Vergleich zum September rund 5.400 bzw. 3,3 % weniger Stellen im Bestand – ein Hinweis auf die zunehmend angespannte konjunkturelle Lage.
  • Die Suche nach Fachkräften spiegelt sich auch im bayerischen Ausbildungsmarkt wider: Im Berichtsjahr 2021/2022 (Zeitraum 1. Oktober 2021 bis 30. September 2022) standen 61.293 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber 101.481 gemeldete Berufsausbildungsstellen gegenüber. Nur 1.040 junge Menschen waren zum Ende des Berichtsjahres un­versorgt, 4,1 % weniger als im Vorjahr. Unbesetzt blieben 18.483 betriebliche Ausbildungsstellen, 18,4 % mehr als im Vorjahr.
  • Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern liegt nach den aktuellen hochgerechneten Werten im August 2022 bei 5,85 Millionen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von 105.300 bzw. 1,8 %.
  • Bei einer Jugendarbeitslosenquote von 2,5 % sind rund 2.000 junge Menschen mehr arbeitslos als im Vorjahr (+ 11,0 %). Die Arbeitslosigkeit der Älteren (50 Jahre und älter) bewegt sich auf dem Niveau des Vorjahres (+/- 0,0 % bzw. - 44 Personen). Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen reduziert sich im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 % bzw. absolut um 905 Menschen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist erfreulicherweise deutlich geringer als im Vorjahr (- 14,6 % bzw. absolut rund - 10.200). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer erhöht sich - infolge der Registrierung ukrainischer Arbeitsloser – deutlich um rund 22.200 Personen bzw. 32,3 %.
  • Die Quote (vorläufig hochgerechnete Werte) der erwerbsfähigen Hartz IV-Bezieher im Verhältnis zur Einwohnerzahl unter 65 Jahren ist in Bayern mit 3,4 % die mit großem Abstand niedrigste im Vergleich aller Bundesländer. Im Bund ist dieser Wert im Vergleich zu Bayern mehr als doppelt so hoch und beträgt 7,0 %.

Informationen

Hier erhalten Sie aktuelle Meldungen, Zahlen und Statistiken zu Bayerns Arbeitsmarkt:

Gesetzlicher Mindestlohn

Mit dem Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie (Tarifautonomiestärkungsgesetz) vom 11.08.2014 wurde zum 01.01.2015 ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro brutto je Zeitstunde für das ganze Bundesgebiet eingeführt (Art. 1 Gesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns – MiLOG). Zum 01.01.2017 wurde der Mindestlohn auf 8,84 Euro erhöht.
Ausnahmen sind u. a. für Auszubildende, ehrenamtliche Tätigkeiten, Orientierungspraktika, verpflichtende Praktika im Rahmen einer Schul-, Ausbildungs- oder Studienordnung, Jugendliche bis 18 Jahre ohne abgeschlossene Ausbildung, Langzeitarbeitslose für die ersten 6 Monate der Beschäftigung sowie befristet für Zeitungszustellerinnen und Zeitungszusteller vorgesehen.

Abweichungen waren in einer Übergangszeit für maximal drei Jahre bis 31.12.2017 durch bundesweite Tarifverträge repräsentativer Tarifpartner auf Branchenebene möglich, wenn sie als Mindestentgeltsätze nach den Regeln des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes (AEntG) erstreckt oder als Lohnuntergrenze nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) festgelegt wurden. Seit 01.01.2017 mussten abweichende Regelungen mindestens ein Entgelt von brutto 8,50 Euro pro Stunde vorsehen. Seit 01.01.2018 gilt das bundesweite gesetzliche Mindestlohnniveau uneingeschränkt.

Die Höhe des Mindestlohns wird regelmäßig (erstmals erfolgt mit Wirkung zum 01.01.2017) von einer paritätisch besetzten und unabhängigen Kommission der Tarifpartner überprüft und gegebenenfalls angepasst. Die Mindestlohnkommission besteht aus einer/einem Vorsitzenden, sechs stimmberechtigten Mitgliedern und zwei beratenden Mitgliedern aus Kreisen der Wissenschaft (ohne Stimmrecht). Die stimmberechtigten Mitglieder der Kommission werden durch die Bundesregierung auf Vorschlag der Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer berufen.

Information

Auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales finden Sie weitere Informationen zum Mindestlohn.

Bilanz 2021

Die Corona-Pandemie hat 2021 auf dem bayerischen Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Bayerns Arbeitsmarkt 2021

Bilanz 2021

Arbeitsmarkt 

Die Verbesserung der wirtschaftlichen und arbeitsmarktrelevanten Rahmenbedingungen ist eine zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe. Bayern bringt sich hier aktiv auf Bundesebene ein und entwickelt beispielsweise im Bereich der Langzeitarbeitslosen, Jugendlichen und älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch eigene Konzepte (wie die Arbeitsmarktinitiative Ältere und Arbeitswelt).

Auf Landesebene arbeitet die Bayerische Staatsregierung eng mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Die Zusammenarbeit wurde Ende 2004 in einer Vereinbarung geregelt und erfolgt seitdem im Wesentlichen über einen regelmäßigen Informationsaustausch und gemeinsame Initiativen.

Instrumente 

Für eine nachhaltige Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist darüber hinaus eine innovative und für den bayerischen Arbeitsmarkt maßgeschneiderte aktive Arbeitsmarktpolitik notwendig. Die wichtigsten Instrumente dafür sind der Arbeitsmarktfonds (AMF) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Kontinuierliche Beobachtungen des bayerischen Arbeitsmarkts, u. a. durch Auswertungen aus dem IAB-Betriebspanel für Bayern geben wichtige Hinweise zum Einsatz der Fördermittel. Ziel der Arbeitsmarktpolitik der Bayerischen Staatsregierung ist stets die Integration bzw. der Verbleib der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am ersten Arbeitsmarkt. Zielgruppen sind sowohl Arbeitslosengeld-I-Empfänger als auch Arbeitslosengeld-II-Empfänger (Grundsicherung für Arbeitsuchende). Bereiche der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind beispielsweise berufliche Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen, berufliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung, Stärkung der Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Erwerbstätigen und kleinen und mittleren Unternehmen sowie arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.

Fazit

Basis für eine positive Entwicklung am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt ist ein effizientes Zusammenwirken von Wirtschafts-, Fiskal-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.

Entscheidend ist letztlich, dass Arbeits- und Ausbildungsplätze nicht durch die Politik, sondern durch die Unternehmen geschaffen werden. Ein wesentlicher Teil der Verantwortung für Beschäftigung trifft deshalb die Sozialpartner. Ihre Lohn- und Tarifpolitik entscheidet maßgeblich über die Arbeitsbedingungen und damit auch über die Verhältnisse am Arbeits- und Ausbildungsstellenmarkt und den Umfang von Arbeitslosigkeit. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist in einer sozialen Marktwirtschaft eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der alle gesellschaftlichen Kräfte beitragen müssen.