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Fachstelle zur Prävention von religiös begründetem Extremismus – ufuq.de Bayern

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Seit 2015 arbeitet in Augsburg die Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung. Die Fachstelle gehört zum Berliner Verein ufuq.de (arabisch für: Horizont oder Perspektive) und bietet bayernweit Beratungen und Fortbildungen für Fachkräfte sowie in fünf Regierungsbezirken Workshops für Jugendliche im Themenfeld Islam, antimuslimischer Rassismus und Islamismus an. Im Rahmen der universellen (oder primären) Präventionsarbeit verbinden unsere Angebote Sensibilisierung und Aufklärung zu islamistischen Ideologien mit der Förderung von freiheitlich-demokratischen Kompetenzen im Umgang mit Krisen, Konflikten oder Diskriminierungen. In den Workshops setzen sich Jugendgruppen unter Anleitung geschulter Teamerinnen und Teamer mit Fragen und Konflikten der Migrationsgesellschaft auseinander. Der thematische Fokus wird nach Bedarf aus einem bestehenden Repertoire gewählt, das unter anderem Fragen zu Identität und Zugehörigkeit, zu Islam und Islamismus, Geschlechter- und Rollenbildern, zum Nahostkonflikt oder zu Diskriminierungsformen enthält.

Verschwörungsmythen in der Präventionsarbeit

In der Präventionsarbeit gegen Radikalisierung spielen Verschwörungsmythen eine wichtige Rolle. Sie können für Menschen attraktiv und funktional wirken, indem sie wichtige psychische Grundmotive wie Wünsche nach Struktur, Erklärung oder Kontrolle angesichts einer immer komplexer werdenden Welt erfüllen. Eine Neigung zu Verschwörungsmythen kann durch Faktoren wie Existenzunsicherheit, Erleben von Ohnmacht und Hilflosigkeit, geringes Selbstwertgefühl oder soziale Isolation begünstigt werden, da sie Ordnung, Anerkennung und Zugehörigkeit sowie die Möglichkeit zu aufwertender Selbstinszenierung versprechen.

Verschwörungserzählungen können unter anderem durch die Konstruktion von Feindbildern zu einem Bestandteil extremistischer Ideologien werden. Die Vereinfachung der Welt auf Gut und Böse, idealisiert die eigene Seite (oder Gruppe) als „Retter“ der Welt bzw. Gesellschaft, was bis zur Legitimation von Gewalt als „Selbstverteidigung“ reichen kann. Auf diese Weise profitieren z.B. islamistische und rechtsextremistische Gruppen von der Anziehungskraft solcher Konstrukte. Sie nutzen Verschwörungsmythen für ihre Ideologien der Ungleichwertigkeit.

Workshopmodul zu Verschwörungsmythen in der Islamismusprävention

Verschwörungserzählungen sind ein wesentlicher Bestandteil islamistischer Ideologie – denn mit den ihnen eigenen einfachen Wahrheiten, Schwarz-Weiß-Zeichnungen und Gut-Böse-Perspektiven wirken sie für viele junge Menschen in Such- und Orientierungsprozessen attraktiv. Eine prominente Erzählung beschreibt etwa die fortdauernde Unterdrückung „des Islams“ und „der Muslime“ durch „den Westen“, der auf diese Weise zum Feindbild stilisiert wird. „Rettung“ verspricht der Islamismus vor diesem Hintergrund durch die Abgrenzung vom „Westen“ und den vermeintlich allein von ihnen repräsentierten „wahren“ Islam. Anknüpfen können islamistische Akteure dabei an diskriminierenden Alltagserfahrungen vieler Jugendlicher, die ihr Welt- und Feindbild zu bestätigen scheinen. Im Workshop sollen die Schwarz-Weiß-Zeichnungen durchbrochen werden – unter anderem indem reale Erfahrungen von Diskriminierung und antimuslimischen Ressentiments zunächst Anerkennung finden und über sie gesprochen werden kann. An dieser Stelle werden auch solche Verschwörungsmythen thematisiert, welche den Jugendlichen über „den Islam“ oder „Muslime“ begegnen. Dies ist zum Beispiel die Erzählung des „großen Austauschs“ oder der „Islamisierung“. Gleichzeitig geht es darum, die Vielfalt historischer und vor allem gegenwärtiger Begegnungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen aus der alltäglichen Lebenswelt von Jugendlichen in den Blick zu nehmen und sich ihrer bewusst zu werden.  Auf diese Weise können positive und negative Erfahrungen aufgegriffen, Jugendlichen aber jenseits von Verschwörungsmythologien alternative Erklärungsmöglichkeiten und vor allem eigene Handlungsmöglichkeiten vermittelt werden.

Workshopmodul zu Verschwörungsmythen und Fake News

Den Phänomenen Verschwörungsmythen und Fake News widmet ufuq.de ein eigenes Workshopmodul für Jugendliche ab der siebten Klasse. Ziel des Workshops ist es, Jugendliche für Verschwörungsmythen und Fake News zu sensibilisieren, gemeinsam den Umgang mit Informationen zu reflektieren sowie Urteils- und Kommunikationsfähigkeit zu stärken.  Den Fokus legt der Workshop auf die Sensibilisierung für gruppenbezogene Diskriminierungen, die einen zentralen Bestandteil von Verschwörungsmythen und Fake News darstellen. Der Workshop wird in einer Variante für Jugendliche ab der 7. Klasse (Schwerpunkt Fake News) und ab der 9. Klasse (Schwerpunkt Verschwörungsmythen) angeboten.

Ablauf und Lernziele des Workshops zu Verschwörungsmythen bzw. Fake News

 

  • Kennenlernen und Themeneinstieg:
    • Für eine ehrliche Auseinandersetzung mit politisierten Themen ist die Herstellung einer vertrauensvollen Lernumgebung zentral. Diese stellen wir mithilfe einer ausführlichen Einleitung und unserer bewährten Übung „Geschichte meines Namens“ her.
    • Der Einstieg ins Thema wird mit einer Positionierungsübung zu einfachen Fragen im Umfeld von Medien bzw. Nachrichten gestaltet. Zum Beispiel wird gefragt wieviel die Jugendlichen im Netz sind und wo ihnen Nachrichten begegnen. Im Anschluss wird das Vorwissen mit Hilfe von Assoziationsimpulsen aktiviert. Hierfür werden Karten mit themenspezifischen Begriffen wie z.B. Presse, Geheimgesellschaft, Schuld, usw. von den Teilnehmenden ausgewählt und ihre Assoziation dazu mit der Gruppe geteilt.
       
  •  Vertiefung:
    • 8.-10. Jahrgangsstufe: Nach einem kurzen informativen Einstieg setzen sich die Jugendlichen in Kleingruppen anhand mehrerer Fragen mit einem von fünf Merkmalen von Verschwörungsmythen auseinander. Die Ergebnisse werden abschließend der gesamten Gruppe präsentiert und gemeinsam diskutiert und vertieft.
    • 7.-8. Jahrgangsstufe: Nach einem kurzen informativen Einstieg wird die Gruppe in Kleingruppen aufgeteilt. Jede erhält einen unterschiedlichen Auftrag in Bezug auf ein Erklärungsvideo zu Fake News, das gemeinsam angeschaut wird. In mehreren Etappen werden Motivationen, Tricks und Folgen von Fake News erarbeitet.
       
  • Ergebnissicherung und Abschluss.
    • Das erlernte Wissen wird kreativ gesichert, indem eine fiktive Verschwörung oder Fake News von den Kleingruppen erstellt und visualisiert wird. 
    • Zum Abschluss des Workshops steht wie in allen Workshops die Frage „Wie wollen wir leben?“ im Mittelpunkt. Mit der etablierten gleichnamigen Übung aus dem ufuq.de-Methodenkoffer fokussieren die Teilnehmenden ihre gemeinsamen Werte und die Möglichkeiten diese in ihrer Lebenswelt umzusetzen.
    • Weitere Informationen erhalten Sie unter https://www.ufuq.de/fachstelle-bayern/workshops/themen-der-workshops/, per Mail an bayern@ufuq.de oder unter: 0821/ 65078560.